Yattaï – Fifty Love Hymns For Grindheads (Discography)

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Yattai - Fifty Love Hymns For Grindheads
Mein erster Kontakt zu YATTAÏ, war ihr erstes Demo, damals erschienen auf CDr im Jahre 2005. Seither habe ich mich nicht weiter mit der französischen Grindband beschäftigt. Doch gab es in der Zwischenzeit eine Hand voll Splits und einen Samplerbeitrag in deren Backkatalog. Passend zur neuen, einseitigen LP „Fast Music Means Love„, kann ich meine Bildungslücke nun schließen. Mit der Diskografie „Fifty Love Hymns For Grindheads„. Nunja, zumindest war diese für das frühe 2013 angedacht. Als Sänger Gautier mich mit den Songs beglückte, stand nur das asiatische Label Teriak Records fest. Wer sich für den europäischen oder gar amerikanischen Raum erbarmt, war noch nicht klar. Und auch heute gibt die Facebook-Seite der Band nicht viele Informationen über die Verfügbarkeit dieser Compilation preis.

Ich kann aber schon mal vorweg nehmen: Es sind fünfzig Lieder (ach, welch Überraschung!) in fast 67 Minuten. Über eine Stunde volle Breitseite Grindcore der derbsten Sorte. YATTAÏ machen keine Musik für Leute, die ihren Grind über Listenable, Seasons Of Mist, Spinefarm, Century Media, Nuclear Blast oder Relapse kaufen. Naja, vielleicht doch, wenn man die richtigen Bands wie Noisear oder Complete Failure bei letzgenannten ordert. YATTAÏ sind dreckiger, dissonanter und komplett zerstörerischer Krach für Leute, denen Maruta noch zu sauber und strukturiert sind, Cephalic Carnage noch zu viel Melodie haben, oder Crowpath noch viel zu positiv gestimmt waren. Das macht die Spieldauer von „Fifty Hymns For Grindheads“ natürlich nicht sehr angenehm. Zuweilen ist es schon harter Tobak, sich länger als eine viertel Stunde mit dem krassen Zeug intensiver auseinander zu setzen. Dennoch ist dieser Überblick über die Bandhistorie sehr interessant.

Einen großen Vorteil spielen YATTAÏ damit aus, dass sie ihre Geschichte in umgekehrt chronologischer Reihenfolge abarbeiten. Häufig habe ich schon festgestellt und auch schon moniert, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, wenn man die ersten Gehversuche einer Band auf einer solchen Zusammenstellung als erstes präsentiert.

Das neueste Material, mit dem „Fifty Love Hymns For The Grindheads“ beginnt, stammt von der gemeinsamen Split mit den Landsleuten Trepan Dead. Laut Facebook-Seite wurde diese Zusammenarbeit aber bisher noch nicht veröffentlicht. Da kommt diese Diskografie gerade recht, denn sind diese fünf Songs eigentlich recht gefällig. Zuweilen präsentieren sie auch das ausgefeilteste Material der Band und vermengen Grindcore, dissonante Technik und dicken Hardcore am homogensten. Lediglich der etwas schwachbrüstige Sound ist ein kleines Manko der Aufnahme. Dieses Problem relativiert sich aber noch, im weiteren Verlauf der CD.

Nach diesem Beitrag aus dem Jahre 2011, folgen die Songs zur Split mit Jack aus dem Jahre 2010. Hier steigern YATTAÏ, sind schlichtweg furios, wild und absolut zerstörerisch. Nahe an der Grenze zum Chaos, zeigen sie aber auch gleichermaßen, dass sie auch anders können. „The Common People Lifetime“ ist ein zäher, schleppender Hassklumpen. Vier Minuten lang und eher im Doom anzusiedeln, ist es ein schicker Gegenpol zum sonstigen Schaffen der Band, der in seiner nihilistischen Attitüde dennoch richtig überzeugt. Vielleicht sollten YATTAÏ häufiger mal das Tempo drosseln!

Bevor man chronologisch ein Jahr weiter in die Vergangenheit geht, und die 2009 erschienene Split mit Fantastikol Hole erreicht, gibt es einen kurzen Zeitsprung in das Jahr 2008, aus dem man unveröffentlichte Aufnahmen serviert bekommt. Diese sind wohl das Highlight der CD, sowohl für den Die-Hard Fan von YATTAÏ, der bereits alle Splits besitzt, wie auch den interessierten Neueinsteiger. Der Sound dieser Songs ist wirklich super, man hört jedes Instrument gut raus, auch den Bass. Und auch die Lieder selber gehören zu den besten auf der Compilation.

Ab der Zusammenarbeit mit Fantastikol Hole, hört man auch vermehrt tiefe Growls in den Liedern. Und auch die instrumentalen Einflüsse werden mannigfaltiger, von leichtem Black Metal Riffing in „Into The Northern Darkness…“ angefangen, über die Death Metal Einflüsse auf „Evil Daniel’s Style“ (Neuaufnahme), sind YATTAÏ hier eindeutig noch in der Selbstfindungsphase. Darunter leidet auch der Compilation-Track „I wanna be a californian Punk Rocker“ von 2008, der eher chaotisch und kaputt ist, als wirklich gut.

Die Split mit Grünt Grünt von 2007 zeigt gleichermaßen noch die Suche YATTAÏs nach dem richtigen Songwriting. Diese Sachen sind sogar noch roher und krachiger, als später bei der gemeinsamen Sache mit Fantastikol Hole. Spätestens ab der Split mit Cakewet merkt man ganz deutlich, dass man sich auf die ersten Gehversuche der Band zubewegt. Zwar wurden aus dieser Zeit, und auch von der Split mit Gastrick Burst, bei denen YATTAÏ-Sänger Gautier auch seine Stimmbänder quälte, einige Lieder später neu aufgenommen, aber dafür zeigen sich an anderen Stellen die Defizite der jungen Band. Nach langer Zeit des Vergessen, ruft mir spätestens das Ende dieser Zusammenstellung wieder in den Sinn, warum ich seinerzeit von der ersten Demo-CDr nicht sonderlich begeistert war.

Zwischenzeitlich war 20009 noch eine Split mit Krupskaya geplant, die jedoch nie erschien. Dieses Material ist leider auch nicht auf „Fifty Love Hymns For Grindheads“ zu finden, was die Diskografie von YATTAÏ komplettiert hätte.

Neben dem angenehm genre-atypischen Cover, finden sich weiter interessante Infos im Booklet dieser Compilation. Zu den einzelnen Splits gibt es ein paar Infos zu den Labels und den Verantwortlichen für Artwork und Layout. Und im Mittelteil haben YATTAÏ ein paar Konzertflyer zum anschauen gesammelt. Eine nette optische Aufbereitung dieser Geschichtsstunde, die trotz einiger defizitärer Momente und ihrer recht anstrengenden Spieldauer ihre Daseinsberechtigung hat. Besonders das unveröffentlichte Material stellt den Hauptanreiz für „Fifty Love Hymns For Grindheads“ dar. Nur sollte man – nach wie vor – nicht vergessen, dass YATTAÏ hektisch, dissonant, verstörend und zuweilen auch chaotisch sind. Zum Glück kann man sich auf Bandcamp solange selber ein Bild von einzelnen Splits machen, bis der europäische Vertrieb der Diskografie in trockenen Tüchern ist.

Infos:
Teriak Records – 2013
CD – 50 Lieder / 66:59 Min.

http://www.teriakrecords.com/
https://www.facebook.com/YattaiGrind
http://yattai.bandcamp.com/