Rattenfänger – Epistolae Obscurorum Virorum

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Rattenfänger - Epistolae Obscurorum Virorum
Eigentlich ist es ja absurd, dass man hinter einem deutschsprachigen Bandnamen auch direkt eine deutsche oder deutschsprachige Musikkapelle vermutet. Im Wechselschluss müsste hinter jedem englischen Namen auch eine englischsprachige Truppe stehen. Zumindest muttersprachlich ist dieser Umstand definitiv nicht immer gegeben. Darum sollte es eigentlich auch kein großes Wunder sein, dass RATTENFÄNGER keine deutsche (oder aus dem deutschsprachigen Raum stammende) Band ist, sondern aus der Ukraine kommt. Die Musiker, die allesamt auch bei Drudkkh und teilweise auch bei Blood Of Kingu oder Hate Forest, aktiv sind, waren von der deutschen Sage, die ihre berühmteste Niederschrift durch die Gebrüder Grimm fand, wohl einfach ziemlich inspiriert. Weiterhin halten sie dies mittelalterliche Konzept durch die konsequente Verwendung von lateinischen Texten aufrecht. Hätte ich von meinem kleinen Latinum doch bloß noch ein wenig Erinnerung, verdammter Alkohol!

Nun sollte es, nach der Aufklärung um der geografischen Herkunft der Band, eigentlich auch kein weiteres Vorurteil um ihre musikalische Ausrichtung geben. Denn dem aller anderen Projekte zum Trotz, ist RATTENFÄNGER kein Black Metal, sondern spielt in einer gesunden Schnittmenge aus Death und Doom Metal.

Zugegebenermaßen, bin ich mit dem allerersten Lebenszeichen und gleichzeitig auch Debütalbum „Epostilae Obscurorum Virorum“ nicht direkt warm geworden. Die acht Lieder ziehen sich über 42 Minuten, wobei sie eigentlich wenige bis kaum Längen aufweisen. Vielmehr musste ich wohl erstmal in den Vibe von RATTENFÄNGER finden. Den die Riffs sind schon ziemlich reduziert und teilweise nur ein Minimum an Akkordfolge. Beim oberflächlichen Betrachten mag diese Simplizität stupide erscheinen. Im Kontrast steht aber der Abwechslungsreichtum, der über den gesamten Albenverlauf geboten wird, wie auch das subtile Songwriting der Band. Immer wieder durchziehen geschickte Tempo-Wechsel und auch dezente Verwendung von Uptempo oder Blastbeats das Album, genau wie an anderen Stellen Keyboards einen akustischen Teppich über die eingekochten Gitarren legen.

Und so wächst „Epostilae Obscurorum Virorum“ langsam. Nach dem Intro, das an all diese religiösen Horrorfilme wie „Exorzist“, „Der Exorzismus der Emily Rose“, „The Rite“ und Konsorten erinnert, legen RATTENFÄNGER zwar direkt voll los und ballern locker ein schäbbiges Ufta-Ufta aus den Boxen, aber mehr als einen soliden Eindruck hinterlässt „Grimorum Verum“ nicht. Dafür erinnern die Riffs ein wenig an zähe Morbid Angel und in der Schnittmenge von Death und Doom natürlich an die großen Sonne Adam. Dieser Beigeschmack hält sich auch in das folgende „Victa Larcet Virtus„, das trotz langsamen, schleppendem Tempo und getragenen, schweren Riffs immer noch einen gewissen positiven Vibe verbreitet.
Ab „Nunc Scio Tenebris Lux“ kommt das Album richtig in Fahrt. Zunächst wird das schleifende Tempo und die latent hoffnungsvolle Attitüde vom vorigen Song fortgesetzt, doch dann geht es nach einem kurzen Break voll in dicken Asphyx-Groove. Garniert werden die Steigerungen des Tracks durch geschickte Spielereien an der Bassdrum, die noch mehr Power in das Lied bringen. Nach dem sakralen Intro zeigen sich in „Allegoria De Gulla Et Luxuria“ weiterhin gewisse Parallelen zu Necros Christos. Sowohl der Auftakt zu der Nummer, wie auch die Verwendung von mürbend monotonen Riffs zeigen deutlich die Einflüsse. Ein untypisches und interessantes Element, stellen hier die Subbässe dar, die homöopathisch eingesetzt werden.
Wenn man bei „Clausae Patent“ genau hinhört, erkennt man auch einen etwas offensichtlicheren Tribute an Apshyx. Zunächst im Riff, und dann im van Drunen „Ugh!“. Es ist zwar nicht der große Hammer, aber immer noch solide gemachter Doom/Death Metal. Ich mag dann eher den Hit „Deest Remedii Locus…„, der mit seinem Hauptthema richtig griffig ist. RATTENFÄNGER verwenden hier endlich mal so was wie Melodie, haha! Außerdem walzt der Song tierisch, dass man gar nicht still sitzen kann, ein wirklich mitreißender Track. Da ist es fast schon schade, dass „Regno, Regnavi, Renabo“ mehr oder weniger belanglos ist. Zwar ist der Rausschmeißer des Albums immer noch gut gemacht, aber im restlichen Album ist es doch eher eine durchschnittliche Nummer.

So ist „Epostilae Obscurorum Virorum“ ein sehr solider Einstand, der sich keine großen Ausfälle leistet. An manchen Stellen könnten RATTENFÄNGER noch etwas an ihrem Wiedererkennungswert arbeiten und mehr Ideen wie in „Deest Remedii Locus…“ einarbeiten. Doch auch so dürfte dieses Album seine Freunde unter den Fans von Sonne Adam, Apshyx und erst recht Necros Christos finden.

Infos:
Karisma Records / Dark Essence – 2012
CD – 8 Lieder / 42:04 Min.

http://www.darkessencerecords.no/
http://www.karismarecords.no/