Murder Construct – Results

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Murder Construct - Results

Eigentlich konnte ich es ja kaum abwarten. Nachdem mich die selbstbetitelte EP von MURDER CONSTRUCT 2010 dermaßen weggeballert hat, habe ich voller Spannung das Debütalbum erwartet. Doch leider kamen andere Verpflichtungen der Mitglieder dieser Allstar-Band dazwischen. Darum folgte „Results“ erst zwei Jahre später, im August 2012. Und aus diversen Gründen komme ich wiederum erst nach fast einem halben Jahr dazu, mich genauer und intensiv mit dem Album zu beschäftigen. Schande, aber eine richtige Schande für mich!

Results“ knüpft nahtlos an „Murder Construct“ an. Es ist ein unglaublich brutales Album, das gleichzeitig durch einen umfassenden Fassettenreichtum begeistert. Von (technischem) Death Metal über Death-Grind, Grindcore hin zu latenten Einflüssen aus Crust und Dark Hardcore verballern MURDER CONSTRUCT mal wieder alles an negativer Energie. Dabei klingen die 30 Minuten dieses ersten Full-Length immer noch verdammt leichtfüßig. Fast ein Wunder, bei dem druckvollen Sound und den teilweise schon opulent instrumentalisierten Klanggeweben. Besonders Drummer Danny Walker (Intronaut, Exhumed, Phobia, Jesu) überrascht mit seinem Spiel. Er haut locker presslufthammergetriebene Blastbeats heraus, die ordentlich heavy sind, kann im nächsten Moment aber auch im lockeren Uptempo aggressiven Punk und D-Beat spielen.

Ab und an beginnen die Lieder schon mal etwas ähnlich. Das mag vielleicht an dem Stil der Riffs von Leon Del Müerte (Exhumed, Phobia, Nausea, Intronaut, Impaled) und Kevin Fetus (ex-Watch Me Burn, Cattle Decapitation) liegen. Stellenweise erinnern mich ihre Ideen für die grindigeren Momente und manch langgezogene Akkorde über schnelle Blastbeats an Rotten Sound. Doch dann schwenken die Gitarren wieder in crustige Tonabstände und erzeugen die pessimistische Attitüde, die Splitter, His Hero Is Gone oder Afgrund in ihren Anfangstagen hatten.
An anderen Stellen, wie in „The Next Life„, scheinen auch Einflüsse aus Hardcore/Mathcore dezent in die Musik zu fließen, wie „Dead Hope“ auch für Sekundenbruchteile das Schrammeln aus dem Brutal Death Metal andeutet. Gerade die Kombination zu dem coolen Crustpunk zu Beginn des Liedes stellt eine grandiose und erfrischende Stilmischung dar.

The Next Life“ ist im Gesamtbild ein wenig isoliert. Es ist hektisch, verstörend, ja, fast schon abartig. Vollgepackt mit verrückten Ideen, beklemmenden Dissonanzen und sphärischen Parts, ist dieser „Epos“ von „Resulsts“ ein drei Minuten und vierzig Sekunden langes „Fuck You“! Eine räudige Nummer. Aber dadurch nicht weniger gut, als die vielen Hits des Albums, „Compelled By Mediocrity„, „Gold Digger„, „Mercy, Mercy“ oder das vergleichsweise eingängige „Malicious Guilt„.

Bereits zum letzten Cattle Decapitation Album „Monoliths Of Humanity„, zeigte Travis Ryan seine erweiterten Stimmkünste. Er hat immer noch verdammt brutale und einzigartige Growls drauf. Sein fieses Keifen ist auf „Results“ etwas in den Hintergrund gerückt. Dafür verwendet Ryan nun einen neuen Kehlgesang, der irgendwo zwischen Judas Priest-Gesang und Schreien liegt. Dies offenbart MURDER CONSTRUCT interessante neue Möglichkeiten. Der Opener „Red All Over“ bekommt durch diese Stimmvariation im Refrain einen catchy Zug. Selbe Gesangstechnik wirkt in „Gold Digger“ hingegen schon gänzlich anders. Vielleicht liegt das an dem unheilvollen Klangteppich, den die Gitarren unter der Stimme ausbreiten.

Nachdem „Resultados“ eher unspektakulär und im Vergleich zum restlichen Album gleichtönig beginnt, verwandelt sich der Abschluss von „Results“ in eine vollkommen andere tonale Erfahrung, mit der MURDER CONSTRUCT erneut überraschen können. Eingeleitet durch doomiges Downtempo mit wunderschönen Dissonanzen und tief verwobener, düsterer Atmosphäre, wird der Song zunächst von orientalischer/indischer Instrumentalisierung fortgesetzt, um im beklemmenden Klavieroutro das musikalische Thema zu Grabe zu tragen. Ein Song, der durchaus Gänsehaut auslösen kann und den Fassettenreichtum der Band eindrucksvoll erweitert und unterstreicht.

Die Kritikpunkte an diesem Debüt sind verschwindend gering. Wo man aller höchstens anmerken könnte, dass einige Songs recht ähnlich beginnen, reißen MURDER CONSTRUCT immer wieder interessante Wendungen, quer durch die Genre Death Metal, Grindcore, Crust/Hardcore aus dem Ärmel. „Results“ ist ein absolut grandioses Einstandswerk für Fans all dieser Stilistiken und gehört zu den besten Scheiben des jüngst verschiedenen Jahres 2012. Schande über mein Haupt, dass ich mit dermaßen großer Latenz erst in diese gewaltige, gewaltätige und finstere Klangwelt eingetaucht bin! Mach Du nicht den gleichen Fehler!

Infos:
Relapse Records -August 2012
CD/LP/Download – 11 Lieder / 30:14 Min.

http://murderconstruct.bandcamp.com/
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