Jungbluth – Jungbluth

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Jungbluth - Jungbluth
Eigentlich wollte ich ja keine Reviews mehr über Veröffentlichungen schreiben, die man legal und kostenlos im Internet herunterladen kann. Ich meine, warum soll ich mir die Finger wund tippen, wenn sich jeder selber ein Bild von der Musik machen kann? Da muss doch niemand mehr zum Kauf überzeugt werden, oder? Doch als ich das selbstbetitelte Demo von JUNGBLUTH aus meinem Briefkasten geholt habe, stand für mich fest: Da muss ich eine Rezension drüber schreiben!

Die weiße, unbeschriftete Kassette ist verpackt in einen schwarzen Stoffbeutel, den ein kleiner Band-Button ziert. Daneben liegt das Cover des Tapes als Miniposter bei. Etwa so lang, wie ein Din A4 Blatt, aber nicht ganz so breit. Dafür gedruckt auf dickem Papier. Gleiches gilt auch für das Inlay, das professionell und beidseitig mit einfachem Flap gedruckt ist. Auf der Innenseite beziehen JUNBLUTH noch mal deutlich politische Position. Der Name ist dem deutschen Kommunisten und antifaschistischen Widerstandskämpfer Karl Jungbluth entliehen. Die Band distanziert sich deutlich von Faschismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie und Unterdrückung im Allgemeinen. Dafür unterstützt sie vegane Lebensweise und ermutigt den Käufer, dies gleichsam zu tun. Auch findet sich hier die Angabe über die Limitierung der Kassette. Die zweite Auflage ist auf 300 Einheiten begrenzt, die handnummiert sind.
Für die Texte, gibt es einen separaten Zettel im Package. In einem ungewöhnlichen Querformat, etwas größer als eine Visitenkarte, finden sich die Texte mit kurzen Liner-Notes, worum es in dem jeweiligen Lied geht. Durch sehr stimmungsvolle schwarz/weiß Fotografien, wird dieses kleine Booklet optisch abermals aufgewertet. Aber auch die kleinen Details, wie die Spielzeitangaben als Delta zur Gesamtspieldauer, zeugen von viel Hingabe an das große Ganze. Schlussendlich wird dieses analoge Bild durch eine Brücke in die digitale Welt abgerundet. Auf einem kleinen Zettel steht die URL zum kostenlosen Download des Tapes, den JUNGBLUTH auch sehr freigiebig im Internet verteilen, unter anderem auf ihrem Bandcamp-Profil, wo man sich auch alle Lieder anhören kann.

Auch wenn dieser freie Umgang mit der digitalen Version von „Jungbluth“ sicherlich mehr Leute adressiert, als es ein alleiniger Vertrieb der Kassette täte, ist die große Resonanz auf JUNGBLUTH im ersten Moment etwas überraschend. Die August 2012 gegründete Band hat fast 1900 Fans auf Facebook und knapp tausend Hörer auf Last.fm. Obwohl die Truppe noch kein halbes Jahr existiert! Doch dieses enorme Interesse an der Band ist gar nicht mal so verwunderlich. Denn neben der großartigen Musik, haben die drei Musiker aus Münster noch einen weiteren Bekanntheitsbonus: Bei JUNGBLUTH sind auch Mitglieder der aktuell pausierten Alpinist aktiv.

So hört man auf den gut 16 Minuten des Demos auch deutliche Parallelen von JUNGBLUTH zu den stillgelegten Münsteranern. Dennoch finde ich die junge neue Band fast noch gefälliger. Vielleicht liegt es ja nur an der komprimierten Darstellung auf „Jungbluth„, „nur“ 16 Minuten hinterlassen Lust auf mehr…
Oder an den deutlich erweiterten Fassetten in der Musik. Freilich spielen sich die vier Songs zuzüglich Outro und Interlude im Neo-Crust und/oder Dark Hardcore (der momentan ja ziemlich hipp ist) ab. So sind gerade „Überstellung“ oder „A Vague Memory“ schnelle und brutale Brecher, die voll auf die Fresse hauen. Doch gleichermaßen nehmen sich beide Lieder auch genügend Zeit für schwere und schleppende Downtempo-Passagen.
Traubhagel“ ist gänzlich anders als die beiden vorigen Lieder, schwer und schleppend. Aber nicht minder kraftvoll! Ihre verspielte Seite präsentieren JUNGBLUTH in „Quick Temper – Slow Mind„, das von psychopatischen Melodieverläufen bis hin zu griffigen Harmonien ein breites technisches Spektrum offenbart.

Sowie JUNGBLUTH über den gesamte Demospieldauer mannigfaltige Fassetten offenbaren, die im Outro auch gewisse Einflüsse aus Wave und Post-Rock andeuten, so interessant werden die Lieder erst recht, wenn man sie im Detail und für sich isoliert betrachtet. Alleine „Überstellung„, das mehrfach Spannungsbögen schlägt und aufbaut, wilde Blastbeats (wenn auch nur für einen kurzen Moment) mit zähem Downtempo mischt, brutalen D-Beat auf Massmørd-mäßige Leadgitarren legt und damit pessimistische und energiegeladene Klangwände erzeugt. Alleine das ist der schiere Wahnsinn. Oder die geschickte Verwendung des repititiven Mantras in „A Vague Memory

„Ihr habt die Uhren // und wir haben die Zeit“

Es ist unglaublich, was die drei Musiker Julian, Hendrik und Flo für einen kraftvollen Lärm produzieren. Dabei unterstützt sie auch der druckvolle Sound aus der Tonmeisterei, die ja bereits von den Alpinist-Aufnahmen bekannt sein sollten.

Wenn man irgendwie auf düstere und wütende Musik steht, Hardcore, Punk, Screamo, (Neo-)Crust, dann führt kein Weg an JUNGBLUTH vorbei. Ladet euch das Demo runter. Und wenn es euch gefällt, hofft auf eine physische Kopie. Für faire 5 Euro zuzüglich Versand, kann man das Teil direkt bei der Band ordern. Doch ob es von der zweiten Auflage noch Kopien gibt, weiß ich nicht….

Jungbluth - Demo-Tape

Infos:
Eigenproduktion – November 2012
Demo-Tape – 6 Lieder / 16:32 Min.

Downlaod „Jungbluth“ Demo-Tape: http://www.mediafire.com/?cyekzcp2nhhy1mt
https://www.facebook.com/Jungbluthpunx
http://jungbluth.bandcamp.com/