Chapel Of Disease – Klassische Literatur und altertümlicher Death Metal

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Ein gutes Demo, eine fette Split mit Lifeless und ein sehr gutes Debütalbum und einer der besten Auftritte auf dem Party.San Open Air 2012. Warum sollte ich da nicht ein paar Fragen an die offizielle Mailbox von CHAPEL OF DISEASE schicken? Das Ergebnis ist zwar an manchen Stellen ein wenig redundant, offenbart dafür aber auch nette Eindrücke in die Geschichte und die Aufnahmetechniken der Band und Ceds Sicht auf die Kölner Szene…


1. Hallo nach Köln! Wer beantwortet mir da eigentlich meine Fragen? Stell Dich mal vor! Wie geht es Dir? Ich hoffe, dieser verdammte Vorweihnachtsstress hat Dir nicht Deine gute Laune über euer Debütalbum verdorben? Ich schätze ja mal, dass „Summoning Black Gods“ genau so knusper aufgenommen wurde, wie seinerzeit euer Demo, oder?

Hey, hier ist Ced. Hier ist alles klar soweit, der Stress der Vorweihnachtstage ist fast vorbei und meine Laune hat sich keinen Deut verschlechtert. Das Album ist wirklich genauso geworden, wie wir es uns vorgestellt haben. Ein lebendiger, räudiger und richtig aggressiver Sound mit einem Killer Cover dazu. In meinen Ohren und Augen richtiger Death Metal wie er sein sollte.
Du hast da vollkommen recht, das Album wurde (fast) wie die Demo aufgenommen und zwar im Proberaum. Nur haben wir diesmal besseres Equipment, vor allem Mikros, für die Aufnahmen verwendet und haben die Gitarren insgesamt viermal aufgenommen, so dass der Klang fetter und dunkler wurde. Laurent lernte nebenbei noch mehr bezüglich Aufnahmetechniken und Abmixen, so dass wir auch hier neue Elemente einsetzten und auch professioneller an die Aufnahmen gingen. All das machte den Prozess auf der einen Seite schwieriger und anstrengender, andererseits waren wir auch sehr verbissen und wollten Aufnahmen, die uns Zufriedenstellen und den Sound bekommen, den wir seit Anbeginn kreieren wollten. Ich denke, das Ergebnis hat sich sehr gelohnt!
(Oh, okay. Ich hätte mich vielleicht klarer ausdrücken sollen, ich meine „von der Szene aufgenommen“. Aber so bekomme ich sogar noch eine bessere Antwort! – Anm. d. Verf.)

2. Weiter geht die Vorstellungsrunde! CHAPEL OF DISEASE wurden bereits 2008 gegründet. Aber so richtig aus dem Quark seid ihr bis dieses Jahr nicht gekommen. Ich hörte zum ersten Mal von euch, als ihr auf dem Rhein in Blood Anfang 2012 gespielt habt – auch wenn ich leider nicht anwesend war. Doch macht mich das neugierig! Fass mal die Bandgeschichte für mich zusammen und verrate mir, warum ihr vor 2012 weder etwas veröffentlicht habt, noch irgendwo auf der Bühne standet!

Chapel of Disease wurden, wie du schon richtig erwähnt hast, 2008 gegründet. Zu dem Zeitpunkt ist Lorre grad nach Köln gezogen. Ich selbst wohnte schon längere Zeit dort. Sehr bald kam er auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm eine Band zu starten, die in die alte Death Schiene gehen würde, die wir beide so verehren. Uns schwebte damals ein Sound wie die „Scream Bloody Gore“ oder „Beneath the Remains“ vor und ich zögerte keine Sekunde mit dabei zu sein. Als Drummer holten wir David ins Boot, mit dem ich schon seid 2006 in Infernäl Death Musik mache und der exakt den selben Geschmack hatte. Ca. ein Jahr später stieß dann auch Christian dazu und ich wechselte zur zweiten Gitarre. Und das ist die Konstellation seitdem. Die Gründe, warum wir so lange nichts veröffentlicht haben oder bis zu dem genannten Gig nirgends auf der Bühne standen, sind vielfältig. Wir hatten schon einige Aufnahmen, jedoch waren diese nie für uns zufriedenstellend, was dazu führte, dass wir diese Idee wieder verwarfen und uns mehr aufs Songwriting konzentrierten. Dann gab es immer noch Infernäl Death, wo Lorre später auch den Sängerposten übernahm und wir sehr viel Zeit und Energie reinsteckten. Und zeitweise schien es auch so, als hätten wir nicht mehr das nötige Interesse und die Motivation etwas zu machen, so dass sich einfach nicht viel bei CoD tat. Wir waren eine Zeitlang aber auch ganz zufrieden damit, einfach Songs für uns zu schreiben und diese zu perfektionieren. Jetzt ist jedoch alles in Butter, wir konzentrieren uns voll auf die Musik und haben die richtige Einstellung, um 110% in die Band zu stecken.

Chapel Of Disease - Band
3. Wie kam es, dass euer allererstes Lebenszeichen, das Demo „Death Evoked“, direkt über FDA Rekotz erschien? Da ihr noch keinen Ton zuvor veröffentlicht habt, gehe ich mal davon aus, dass ihr den Rico kontaktiert habt, richtig? Wie kam es dann zu der Zusammenarbeit für eure Kassette?

Yep, der Kontakt zu Rico kam durch Christian zustande. Als wir damals „Death Evoked“ fertig aufgenommen haben, waren wir am überlegen, wie wir die Demo am besten vertreiben könnten. Uns war es wichtig, neben ner CD-R auch eine Kassette rauszubringen und da kam die Idee auf, Rico dafür anzuhauen. Er war sofort mit dabei und auch so angetan, dass er uns sofort n Plattendeal anbot, den wir auch angenommen haben.

4. Hattet ihr zum Zeitpunkt von „Death Evoked“ eigentlich noch mehr Lieder fertig? Immerhin ging es dann Schlag auf Schlag, kurze Zeit später folgte eure Split mit Lifeless und wieder unwesentlich später euer Debütalbum. Hätte man sich an dieser Stelle nicht den Umweg über ein Demo sparen können? Immerhin finden sich auch alle Lieder auf „Summoning Black Gods“ wieder. Oder brauchtet ihr „Death Evoked“ selber, um mit den Aufnahmetechniken zu spielen und damit Rico sieht, dass sich ein ganzes Album mit euch lohnt?

Die Frage ist so gesehen durchaus berechtigt. Jedoch muss man auch beachten, dass wir so schnell nicht mit solch einem Deal gerechnet haben und selbst überrascht waren, was da plötzlich alles auf uns zu kam. Aber die Demo war in vielerlei Hinsicht essentiell für uns. Sie repräsentierte uns, unser Potenzial und die Musik, die wir spielen. Ohne sie hätten wir nicht den Deal bei Rico und auch weniger Aufmerksamkeit bekommen. Weiterhin konnten wir so weiter an den Aufnahmen und Soundmöglichkeiten experimentieren und erkennen, welchen Klang wir wollen, was wir wie vermeiden können und das bestmögliche Resultat mit den uns zu Verfügung stehenden Mitteln erreichen können.
Die Split selbst war eine Idee von Rico, der damit beide Bands präsentieren wollte. Da die Demo stark limitiert war und schon längst ausverkauft war, erschien es als eine gute Idee, einen Song nochmal dafür zu verwenden, nur diesmal in einer größeren Auflage. Insgesamt ist die 7“ ein Appetizer auf die beiden Full-lengths, welche zu dem Zeitpunkt noch nicht draußen waren und den Leuten ein Bild geben sollte, was sie erwartet.
Von den Songs waren soweit alle bis auf „Descent to the Tomb“ und „Exilis Heritage“ fertig. Jedoch glaub ich, dass ohne die Demo der komplette Verlauf von der Scheibe sowie der Klang und die Nachfrage komplett anders abgelaufen wäre.

CHAPEL OF DISEASE - Death Evoked5. Egal ob unnötiger Zwischenschritt, oder klassische Vorgehensweise für eine Death Metal Band: Euer Tape ist eingeschlagen wie eine Bombe! Keine Woche nach Release war das Teil ausverkauft und ihr wart beim Rock Hard sogar das Demo des Monats, besprochen vom Obermufti persönlich! Warum denkst Du, dass so eine große Nachfrage nach CHAPEL OF DISEASE bestand?

Schwierig zu sagen, warum…ich denke einfach, dass es in einer gewissen Weise mal etwas anderes war. Es ist ganz eindeutig, dass wir keinen neuen Sound kreiert haben, aber gerade gehen immer mehr Bands entweder komplett in die Schweden Richtung oder verschreiben sich der dunklen, okkulten und mystischen Seite der Musik, die auch ihren eigenen Klang hat. Klassischen Death mit europäischer oder amerikanischer Prägung gibt es jedoch recht wenig, wobei auch diese Musik niemals vergessen werden sollte und ganz klar auf ihrem berechtigten Thron sitzt. Immer mehr Menschen stehen wieder auf die alten Bands, was auch an den Reunions liegen kann. Ich denke, dass es Zufall ist, dass wir genau zu dem Zeitpunkt, wo eine immense Nachfrage nach diesem alten und räudigen Sound ist, emporgestiegen sind.

6. Das große Interesse zeigte sich gleichermaßen auf dem PartySan Open Air 2012, als ihr in einem rappelvollen Zelt der Menge einheizen konntet. Man sollte gar nicht meinen, dass es gerade mal euer dritter Auftritt war, die Show war verdammt dick und eines meiner Highlights des Festivals! Erzähl mal aus der Retrospektive über den Gig. Wie seid ihr in das Billing gerutscht, mit gerade mal einem Demo in der Hinterhand? Wie waren die Reaktionen und eure eigenen Eindrücke?

Das war wirklich ein einziges Highlight und ein Rausch da oben auf der Bühne zu spielen. Die andern drei der Band waren vor dem Gig ziemlich angespannt und aufgeregt, aber als die erste Note angespielt wurde war bei uns kein Halten mehr und wir legten einen wirklich sauberen Auftritt hin…oder hatten zumindest das Gefühl davon. Wirklich eines der größten Erlebnisse, die ich hatte. Wir wurden zuvor von Jarne angeschrieben, der an uns für die Talentbühne Interesse hatte und kurz darauf hatten wir den Gig. Die Reaktionen waren bisher alle sehr positiv. Allein wie voll das Zelt war, war für uns schon ein Riesen Feedback und auch im Nachhinein bekamen wir von verschiedenen Leuten und auch von Zines und der Presse gute Kritiken. Da kann sich niemand beschweren.

Chapel Of Disease - Live Rhein In Blood

7. Wie erwähnt, zwischen Demo und Album gab es noch eine Split mit Lifeless, die ein paar Nasen aus der Szene wohl noch von ihrem Debütalbum über Ibex Moon bekannt sein könnten. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Lifeless sind auch bei FDA Rekotz unter Vertrag und werden Anfang 2013 ihr neues Album dort veröffentlichen. Rico hatte die Idee, eine Split zu veröffentlichen, auf der zwei Songs von den Alben erhalten sind. Es sollte quasi als kleiner Leckerbissen den Leuten Appetit auf die Alben machen. Wir fanden die Idee super und stimmten sofort zu. Eigentlich bin ich gegen diese Flut von Veröffentlichungen, die immer wieder die selben Songs beinhalten. Da aber die Demo so stark limitiert war, war es von uns aus gar kein Thema, nochmal einen Demosong zu veröffentlichen.

Lifeless - Chapel Of Disease - Chapel Of A Lifeless Cult8. Wie bereits in diesem Interview, wie auch in meinem Review zu „Summoning Black Gods“ erwähnt, hat der Die-Hard-Fan so manchen Song von euch in zwei und dreifacher Ausführung. Besonders „Nameless City“ hat der ein oder andere nun auf Tape, 7″-Single und CD/LP. Gut, bei dem Song ist das kein großes Ding, denn die Nummer ist wohl die beste Death Metal Hymne des Jahres! Hätte sich nicht dennoch ein frischerer Song für die Split angeboten? Ich hätte da beispielsweise in „Hymnes To The New Land“ großes Potential gesehen…

Wow, danke für das Kompliment. Der Song knallt auch ordentlich! Klar, es hätte sich sicherlich der ein oder andere Song angeboten, um der Masse zu zeigen, wie das Album klingen wird. Jedoch hatten wir zu der Zeit der Split Release noch keine Note dafür aufgenommen und die Idee kam auch relativ spontan von FDA, so dass wir uns für eine neu gemasterte Version von „Nameless City“ entschieden. „Hymns“ wäre sicherlich auch ne geile Wahl oder auch „Descend to the tomb“… wie ich eben schon erwähnte, eigentlich bin ich der Meinung auf Splits oder EP’s den Leuten qualitative neue Songs zu bieten. Immerhin wird dafür auch gutes Geld ausgegeben und da kann man auch was neues erwarten. In diesem Falle sind wir jedoch alle mit der Entscheidung zufrieden, gerade da eine Menge Leute eben nicht die Demo und diese Version besitzen.

9. Das Cover von „Summoning Black Gods“ zeigt jemanden, der in einem scheinbar magischen Buch ließt, derweil sich hinter ihm ein Monster mit vielen Tentakeln erhebt. Ich würde da fast einen Abdul Alhazred sehen, der das Necronomicon studiert, derweil ein Shoggoth hinter ihm erwächst. Und auch Songnamen wie „Nameless City“ oder der Text des Titeltracks zeigen eine deutliche Beeinflussung durch den Urvater des modernen Horrors, Howard Phillips Lovecraft! Wie wichtig sind seine Werke für CHAPEL OF DISEASE und Dich im Besonderen? Welches ist Deine Lieblingsgeschichte?

Exakt! Ob es nun Abdul Alhazred und ein Shoggoth ist, bleibt jedem selbst überlassen, aber du hast vollkommen recht, das Bild zielt klar auf das Universum von Lovecraft ab und ebenso ist es mit einem Großteil der Texte. Für Chapel sind sind seine Werke jetzt nicht die oberste Priorität, auch wenn sie ihren festen Platz haben. Vielmehr ist die alte Horror- und phantastische Literatur von Bedeutung, wenn es um die Texte geht. Für mich selbst hat Lovecraft jedoch einen sehr hohen Wert und mich recht stark beeinflusst, indem was ich lese und sehe. Er war ein Meister der Literatur, der mit seinem Stil so viele Welten in der Phantasie eröffnen konnte (wenn man sich auf ihn einlässt). Es ist nicht nur so, dass er ein Horrorszenario platt beschrieb, er spielte mit der Angst und der Phantasie der Leser, indem er eben viele Situationen nur andeutete und jedem so Raum gab, sich darunter etwas anderes vorzustellen. Diese ausweglosen Situationen, die Beschreibung der Umwelt, in der sich die Geschichten abspielen…das alles hat etwas beunruhigendes und faszinierendes an sich. Und abgesehen von den Horrorgeschichten hatte er auch wunderbare Geschichten seiner Traumwelt, die alle miteinander verwebt sind und einem so immer neue Dimensionen eröffnen. Ich könnte noch stundenlang weiter darüber philosophieren. Aber das würde ausarten. Meine Lieblingsgeschichte… puh, Junge da fragste was. So kann ich die nicht direkt beantworten, ich würde jetzt mal „The Dunwich Horror“, „The Shadow over Innsmouth“ und „At the mountains of madness“ mal rausnehmen…unglaublich fesselnd. Und immer wieder „The Dreamquest of unknown Kadath“…das ist ein so unterbewertetes Meisterwerk und besitzt eine unglaublich reich detaillierte Welt und Prosa…unglaublich.

Chapel-Of-Disease-Summoning-Black-Gods-690x68410. Neben dem großen Einfluss Lovecrafts, finden sich in eurem Booklet auch Anmerkungen, welche anderen Werke eure Texte inspiriert haben. Interessanterweise finden sich da Novalis, E.T.A. Hoffmann die Ideen von eurem Sänger/Gitarristen Laurent. Eine illustre Mischung, haha! Ich finde es sehr spannend, die Einflüsse für eure Texte als Hinweis hier zu lesen. Und ich finde es interessant, dass diese klassische Literatur immer noch die Musik des 21. Jahrhunderts prägt…. (Ja, eine seeeehr offene Frage. Viel Spaß beim Beantworten, haha!)

Die Idee zu den Hinweisen kam uns irgendwann in den Sinn, als wir merkten, dass alle Texte (bis auf „Dead Spheres“) von Literatur beeinflusst worden. So entwickelten wir die Idee dazu, dies fest in die Band zu verankern und es als einer unserer Markenzeichen aufzuweisen. Wir wollen dem Hörer unsere Einflüsse klar aufzeigen und so kam es zu den Anmerkungen im Booklet. Ich selbst finde das auch bei anderen Bands, bsp. Absu auch immer sehr interessant, worum es sich in den Texten handelt, was sie aussagen oder bedeuten. Dies ist bei uns auch ein Weg anderen die Möglichkeit zu eröffnen, vielleicht neue Literatur zu lesen oder den damit schon vertrauten Lesern Anstoß zu geben, Text und das eigentliche Werk zu vergleichen und sich damit zu vertiefen.
Ich selbst finde es auch immer wieder erfrischend zu sehen oder zu hören, dass diese Form von Literatur noch immer einen festen Bestandteil der Kunst ist und immer noch gewürdigt wird. Es zeigt mir, dass sie, genauso wie Musik, zeitlos ist und immer existieren wird. Zwar mag das Interesse abnehmen oder nur noch für einen bestimmten Teil der Menschen relevant sein, aber allein schon der Einfluss auf die jetzige Literatur ist ein Zeichen dafür, dass sie stets im Hintergrund anwesend ist und immer da sein wird.

11. Nicht ganz so alt, aber dennoch klassisch sind die musikalischen Wurzeln von CHAPEL OF DISEASE! Ich höre deutlich alte Death, Pestilence, ein wenig frühe Gorguts, etwas Massacre, aber auch Einflüsse von Asphyx und Derketa, wenn ihr in den schweren Doom-Sumpf watet. Wo siehst Du selber die Inspirationen und Bezüge?

Wir tun uns immer etwas schwer, unsere Einflüsse genau zu benennen, da alle von uns so einen breiten und unterschiedlichen Musikgeschmack haben. Aber ganz klar, die von dir genannten Bands haben einen großen Einfluss auf den Sound von Chapel genommen. Egal welche du davon oben nennst, sie alle sind großartig und werden von uns heiß und innig verehrt, zumindest musikalisch. Als weiteren Einfluss (ob man ihn raushört, ist fraglich) ist für uns auch alte Morbid Angel, gerade „Altars of Madness“. Meiner Meinung nach das böseste Werk überhaupt. Die Songs, die Stimme von David Vincent und die Texte machen diese Platte uneingeschränkt zu einem Highlight im gesamten Metalbereich. Sonst würde ich auch noch Bands wie Possessed, alte Sepultura oder auch Saint Vitus nennen. Da gibt’s einiges…die ganzen Klassiker haben einen enormen, wenn auch eher unterschwelligen Einfluss auf die Art und Weise wie wir schreiben und uns anhören wollen.

12. Mal ein anderes Thema, die kölner Metalszene. Ich persönlich sehe die Region Köln/Bonn etwas ambivalent. Auf der einen Seite gibt es dort viele Enthusiasten, die einiges Bewegen. Leider ist es in den letzten Jahren eher ruhig gewesen, nachdem die Tausendsasser Guerrilla und ihr alter Bassist Westi getrennte Wege gegangen sind. Anfang der Nuller Jahre haben die einige leckere Bands in das Underground und das Büze Ehrenfeld geholt. Mittlerweile sind auch Guerrilla Geschichte. Als dann noch die Hasen von Jack Slater die Flinte ins Korn geworfen haben, und das R(h)ein In Die Fresse somit auch erstarb, ist die Gegend um eine weitere Institution ärmer geworden.
Dennoch gibt es weiterhin Enthusiasten um Bands wie Leviathan, Skum, Arise, Deus.exe, Ardvarks, die weiterhin Konzerte veranstalten. Aber was klassischen Death Metal, finster und dreckig, angeht, war es um Köln noch nie sonderlich bestellt. Modernere oder melodische Interpretationen prägen scheinbar das Rheinufer. Nun fasst mit dem Rhein In Blood eine sehr ansprechende neue Konzertreihe langsam Fuß. Wie siehst Du Köln und Umgebung, wo Du wohl etwas näher an der dortigen Szene bis, als ich im knapp 80 Kilometer entfernten Aachen?

Ich sehe hier keine wirkliche Szene und das was als solches hier bezeichnet werden könnte, ist überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Mag gut sein, dass es zu Beginn des neuen Millenniums anders war, das kann ich nicht bezeugen, da ich erst 2004 nach Köln zog. Jedoch fand ich es schon immer recht arm, dass immer wieder die selben belangenlosen Bands, die es ja schon seid Jahren gab oder sogar noch gibt, nur in den selben Locations innerhalb von Köln/Bonn rumdümpeln und jedes Jahr aufs neue im selben Bürger- oder Jugendzentrum spielen und sich dafür aller Anschein auch noch abfeiern. Persönlich finde ich das schon erbärmlich. Musikalisch sind 99% der hier sitzenden und von dir genannten Bands eh gar nicht nach meinem Geschmack. In meinen Ohren hört sich das meiste nach modern klingenden Standard Riffs, die schon tausend Mal verwendet wurden und ohne Seele gespielt werden. Selbiges sehe ich auch mit den hier sitzenden Labels. (Obscure Domain kennst Du aber? – Anm. d. Verf.) Wenn es den Musikern reicht, sich einen Namen als Hausband der BüZe Ehrenfeld zu machen, nur zu. Wir versuchen so wenig wie möglich in Köln zu spielen. Es gibt hier genügend korrekte Leute, die auf die selbe Musik wie wir abfahren, rein musikalisch gesehen ist Köln jedoch, abgesehen von einigen guten Bands wie Sadism Unbound oder World Downfall, ein Armutszeugnis. Aber ich denke, dass das Rhein in Blood eine gelungene Abwechslung ist, da hier meist Bands von außerhalb geholt werden und der Schwerpunkt auch auf richtig gute Musik gelegt wird. Vor den Veranstalten werde ich immer meinen Hut ziehen!

13. Und nun zu etwas völlig anderem: Headless-Gitarren. Hässlich wie die Nacht und scheinbar im Metal gar nicht gerne gesehen. Dennoch spielt Laurent so ein Instrument und hat dafür auch schon einige dumme Kritik aus den Metalmagazinen geerntet. Ja, auch von Mir. Darum die Frage: Wieso spielt man ein Instrument, was so kastriert aussieht? Vielleicht ist dies auch nun der geeignete Platz, um mal ein Gegenstatement für all die Hater zu hinterlassen…

Ja, das ist ein schwieriges Thema… Lorre hatte einmal in jungen Jahren ein sehr verstörendes und prägendes Erlebnis in einer öffentlichen Dusche. Was genau da vorgefallen ist, ist nicht mehr ganz bekannt oder wurde nie genau von Lorre erwähnt, jedoch muss sich der Anblick von den vielen nackten Männern in Lorres Gedächtnis eingebrannt haben. Um mit diesem Ereignis fertig zu werden hat er angefangen, andere Phallusähnliche Objekte zu kastrieren oder sie schon kastriert zu erwerben. Deshalb spielt er auch diese Gitarre. Er kompensiert damit seinen Schmerz und verarbeitet gleichzeitig so das Erlebnis, da er beim Spielen der kopflosen Gitarre Herr des Geschehens ist. Das ist der Grund für den Geschmack bezüglich seiner Gitarren. Er hat mir auch schon im Vertrauen gesagt, dass er sich bald eine weitere Gitarre von Steinberger kaufen wird… hoffentlich wird er dieses Erlebnis eines Tages verarbeiten können.
Zu den ganzen Kommentaren kann ich nur sagen: es ist gar kein Problem, wenn man uns direkt drauf anspricht. Ich finde es jedoch erbärmlich, dass einige Zeilen in der Fachpresse für das Aussehen eines Instrumentes verschwendet werden. Selbes geht auch, wenn fremde Leute uns weißmachen wollen, dass Lorre mit ner anderen Gitarre spielen muss. Drauf geschissen! Jeder kann sagen, dass ihm die Gitarre nicht gefällt oder er andere Modelle schöner findet, aber sagt uns nie, mit was wir zu spielen haben. Degenerieren wir so sehr, dass wir mehr auf das Aussehen der Gitarren achten, als auf die Musik und die Show? (Oh, leider ja! Ich verweise hier mal auf einen Artikel über die hässlichsten Frisuren im Metal… – Anm. d. Verf.) Hätte ich Mitleid, würden mir diese Leute Leid tun, so zeigt es mir aber nur, dass sich viele Menschen doch nur auf die für sie relevanten negativen Aspekte konzentrieren.

14. Das Interview geht dem Ende entgegen. Darum nun zwei obligatorische Fragen: Was bringt das Jahr 2013 von CHAPEL OF DISEASE? Werden wir wieder mit drei Veröffentlichungen beglückt, oder lasst ihr euch wieder vier Jahre Zeit, wie zwischen Bandgründung und erstem Lebenszeichen? Und da das alte Jahr erst frisch verschieden: Was waren Deine Highlights aus 2012? Musiktechnisch, persönlich und in der Bandgeschichte!

Wir werden die erste Hälfte des neuen Jahren erstmal damit verbringen einige Shows zu spielen. Besonders freue ich mich auf die England Tour mit Occvlta im Januar…ansonsten werden wir weiter an neuen Songs arbeiten und mal sehen, wohin uns das führen wird. Ich denke nicht, dass wir drei oder mehr Veröffentlichungen 2013 bringen werden. Das überlassen wir Nunslaughter. Bisher sind keine Veröffentlichungen geplant…wir stressen uns da nicht. Für uns ist es wichtig, dass wir die Qualität und den Spirit weiter hoch halten und so sind wir auch sehr aufmerksam, was wir neues schreiben und ob es das Zeug hat mit dem bisherigen Material mitzuhalten. Sicher ist aber, dass wir uns keine vier Jahre Zeit lassen werden, keine Sorge.
Highlights gab es immer wieder einige. Allein was dieses Jahr mit CoD alles passiert ist, ist der Wahnsinn und wird immer ein prägender Teil bleiben. Der Auftritt vom Party San und die erste eigene LP in der Hand zu haben, ist schon der absolute Killer. Ebenso die Resonanzen der Masse, egal wie. Ansonsten war gab es musikalisch wieder viel neues zu entdecken und zu sehen. Wrathprayer waren der Hammer auf dem NWN, Master’s Hammer haben ein super Album rausgebracht und auch sonst wars einfach nur ein gutes Jahr in dieser Hinsicht…das würde hier den Rahmen sprengen glaub ich. Darum lass ich das Auflisten sein.

15. Vielen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten, werter Unbekannter! Wir sehen uns hoffentlich im Januar auf dem Gig mit Nightslug und trinken dort ein lecker Bierchen. Meinetwegen auch ein Kölsch, ich sehe das nicht so eng, haha! Die letzten Worte gehören Dir!

Es hat Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten. Ich hoffe doch sehr, dich auch in Köln zu treffen, so dass wir beide keine Unbekannten mehr sind. Und sehr gut, dass du auch Kölsch trinkst. Wobei es hier auch Pils gibt und du dafür nicht gesteinigt wirst. Vielen Dank für den Support und wir sehen uns sicherlich irgendwo auf einem Gig.
Up the Irons!!!


Chris (Bubi @ NecroSlaughter.de) / Ced (Zweite Geige @ Cadaveric Fumes) – 20.12.2012 / 07.01.2013
© Bilder: Chapel Of Disease, offiziell per eMail geschickt und von Facebook geklaut, bäääätsch!

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