Cadaveric Fumes – Rotting Death Metal aus der Bretagne

Cadaveric Fumes - Logo

Neben den grandiosen Demos von Wound oder Into Darkness, hat mich die Kassette „Macabre Exaltations“ der französischen CADAVERIC FUMES sehr begeistert. Nachdem ich ein paar Durchläufe brauchte, haben mich alle vier Songs so umgehauen, wie es das zuvor veröffentlichte Vault Of The Haunted Mist beim ersten Hören tat.
Nachdem mir Gitarrist Wenceslas für mein Review dankte, und wir ein wenig hin und her schrieben, musste auch alsbald ein öffentliches Gespräch mit er selbstbewussten Band her. Das in Rekordzeit beantwortete Interview steht nun zum Lesen bereit. Viel Spaß!


1. Hey Wenceslas, wie geht es Dir? Ich war sehr erfreut, als Du mir eine Nachricht schriebst, um mir für mein Review zu „Macaybre Exaltations“ zu danken. Schreibt ihr immer persönliche Danksagungen an die Leute, die eure Musik unterstützen, oder gab es bisher nur so wenige Reviews für euer Demo?

Hi Christian! Wir schreiben wirklich jeden an, das Demo ist immer noch sehr frisch draußen und wir sind nur ein Haufen Typen, die gute Musik machen wollen. Es fühlt sich immer überragend an, wenn Leute uns für die Arbeit, die wir in die Kassette gesteckt haben, Komplimente machen. Wir versuchen diesen dann mitzuteilen, dass ihr Feedback uns eine Menge bedeutet.

2. Nun sind CADAVERIC FUMES eine junge Band. Da gibt es leider keinen Weg um eine kurze Vorstellung herum. Ich weiß wenig bis gar nichts über euch, außer dass ihr drei Jungs aus Rennes, Frankreich seid, die in 2011 begannen gemeinsam Musik zu machen. Erzähle mir, wie es dazu kam und nenne mir die wichtigsten Meilensteine in der Bandgeschichte aus diesen zwei Jahren! Haben eure Mitglieder zuvor in irgendwelchen Bands gespielt?

CADAVERIC FUMES ist ein altes Projekt, unter dem Romain und Léo als Teenager begonnen haben, zusammen Death Metal zu spielen, als sie diese durch die Entdeckung dieser Musikrichtung überwältigt wurden. Ich kam 2010 in die Band, aber wir haben viele Höhen und Tiefen durchlebt, verschiedene Besetzungen gehabt ohne schlussendlich irgendwas daraus zu machen. Im Sommer 2011, nach einem Moment der Ruhe, entschieden wir drei uns von vorne und auf einer frischen Basis zu beginnen. Zunächst probten wir im Apartment unseres Schlagzeugers, direkt über einem Pub, doch dann realisierten wir, dass ein richtiger Proberaum ohne permanente Verfügbarkeit von Bier benötigt wurde. Wir schrieben im folgenden Jahr vier Lieder und Olivier von Impious Desecration Records schlug uns die Idee eines Demo-Tapes vor. Glücklicherweise hatten wir Freunde, die das Demo aufnehmen konnten und uns etwas fürs Cover zeichneten, also verlief alles in offensichtlichem Weg.
Romain und Léo spielten in einer Reihe von musikalischen Projekten, aber nur zum Spaß, nichts ernstes. Als ich jünger war, hatte ich auch eine Band für ein paar Jahre, aber weit entfernt von Metal.

Cadaveric Fumes - Band - foggy
3. Wenn ich mir euer erstes Lebenszeichen, das „Macabre Exaltations“ Demo, anhöre, erkenne ich verschiedene Einflüsse. Da ist die düstere Atmosphäre von Convulse oder Incantation, großartige Riffs inspiriert von Morbid Angel und in manchen Momenten reitet ihr den verrotteten Groove der mächtigen Autopsy oder den jüngeren Gefolgsleuten Repuked. Wo liegen die direkten und indirekten Einflüsse von CADAVERIC FUMES?

Wir sind begeisterte Anhänger des frühen Death Metals, der Ära der späten 80er und 90er. Wir haben das Genre durch die amerikanische Szene kennengelernt und später die schwedischen Kettensägenmassaker und die düstere finnische Szene entdeckt. Als Band versuchen wir aber, nicht zu sehr in den Grenzen von Genres zu denken. Wir spielen einfach, was wir für gute Musik erachten. Death Metal ist der Nährboden, auf dem unsere Ausdrucksform blühen kann. Aber wir sind offensichtlich gewaltige Fans von Morbid Angel (alles von „Altars“ hin zu „Gateways“), genau wie von Obituary, Convulse, Demigod, Nihilist, Dismember… Die Liste könnte für immer weiter gehen. Wir mögen aber auch Heavy Metal, Thrash Metal, etwas Doom und Black, sowie Musik außerhalb des Metals.

4. In eurem Track „Unspeakable Visions“ passiert eine Menge. Ich denke, das ist der Song mit den meisten Einflüssen und neben den genannten Morbid Angel, Incantation oder Autopsy, gibt es da auch ein paar Blastbeats, die aus dem Grindcore entliehen scheinen. Hör nur mal die rohe Kraft und Energie, die hinter diesen schnellen Passagen steckt, das reicht weit über den Death Metal hinaus! Habt ihr irgendwelche Einflüsse von Bands wie Napalm Death, Extreme Noise Terror, frühen, frühen Bolt Thrower oder anderen grindenden Punkbands?

Wir lieben frühe Grindcore Bands wie Repulsion, Terrorizer und Napalm Death, aber im Falle von „Unspeakable Visions“ wurden wir mehr von finnischen Death Metal Bands beeinflusst, wie Abhorrence, für die gesamte Struktur und Atmosphäre des Songs. Aber da diese auch sehr vom Grindcore der oben genannten Bands beeinflusst waren, ist es nicht verwunderlich, dass Du Grindcore-Elemente durch den Song raus hören kannst.

5. Habe ich da Keyboards im Song „Gravecrusher“ gehört? Oder waren das nur komische Effekte an euren Gitarren? Wenn es Keyboards waren, wer hat diese auf „Macabre Exaltations“ eingespielt?

Da sind ein paar Keyboards in „Gravecrusher“. Eigentlich ist „Vault Of The Haunted Mist“ der einzige Song ohne Keyboards. Wir mögen die düstere Atmosphäre, die es den Liedern hinzufügt. Ich habe sie eingespielt, mit Orgel- und Chor-Simulation, ganz zum Schluss der Aufnahmen. Wir haben auch viel Keyboard für das Intro des Demos verwendet.

6. Soweit ich weiß, haben CADAVERIC FUMES keinen Bassisten. Und wenn ich die Liner-Notes in eurem Booklet richtig interpretiere („please not that no bass amp was crushed during the recording of this demo“), habt ihr auch keine Bass-Spuren auf „Macabre Exaltations“ aufgenommen. Plant ihr in Zukunft einen Tieftöner in eure Reihen aufzunehmen, oder wirst Du auch in Zukunft die unteren Frequenzen mit Deiner Gitarre ausfüllen?

Eigentlich haben wir auch Bass aufgenommen und ich habe ihn eingespielt. Wegen der Geschichte, ein Freund von mir lieh uns seinen Bass-Verstärker für die Aufnahmen, aber er vergaß zu erwähnen, dass er defekt war. Und am Ende der Aufnahmen war er dann ganz kaputt. Darum auch der Satz „please not that no bass amp was crushed during the recording of this demo“. Es ist nur ein schlechter Insider… Vor ein paar Wochen haben wir einen Freund engagiert, um bei uns Bass zu spielen.

7. Ihr sendet euren Dank an Doom MacGrégor für das/die Logocraft. Ein netter Neologismus für euer hervorragendes Logo! Es hat Flügel, Klauen und Tentakeln, damit erinnert es ein wenig an den mächtigen Cthulhu. War das eure Absicht, als ihr Doom MacGrégor nach dem Schriftzug gefragt habt? Sind eure Texte auch von Lovecraft beeinflusst?

Wir wussten eigentlich nicht, was wir für ein Logo haben wollten. Romain wollte was in der Art von Necrovation und ich war mehr angetan von dem von Burial Invocation (Das ist aber auch sexy – Anm. d. Verf.). Unsere Texte sind in der Tat sehr von Lovecrafts Arbeiten beeinflusst. Doom war einmal bei unseren Proben und hörte die Texte. Dann kam er mit diesem Logo rum. Es hat deutliche Cthulhu-Elemente und damit war es perfekt!

Cadaveric Fumes - Macabre Exaltations - Cover8. Das Cover von „Macabre Exaltations“ wurde von Camille Le Pennec (ich bin mir nicht sicher, ob die Schreibweise so stimmt, meine Augen sind wohl zu schlecht, um das Booklet zu entziffern, haha!). Habt ihr ihm gesagt, was ihr wolltet? Oder habt ihr was von seiner Arbeit gesehen und ihn dann um Erlaubnis zur Verwendung gebeten? In wie fern stimmen die Zeichnung und der Titel des Demos überein?

Die Entstehung des Artworks ist interessant, denn Camille ist nicht gerade das, was man einen Death Metal Künstler nennen kann. Aber er hat einen eigenen Stil und ein eigenes Universum. Er kam mit der Idee von skelettierten Leuten, als ob sie die Überreste einer urtümlichen Zivilisation mit erschreckenden Riten seien. Wir mochten die Idee direkt. Er hat uns ein Dutzend Skizzen gezeichnet und wir haben die rausgesucht, die uns am besten gefallen hat. Er ist ein sehr talentierter Künstler und wir hoffen, dass die Arbeit mit uns ihm die Türe für weitere Projekte in der Szene öffnen konnten.

9. Wie seid ihr mit Olivier und Impiouis Desecration in Kontakt gekommen? Ich meine, „Macabre Exaltations“ ist euer erster Output, der direkt über ein Label veröffentlicht wurde. Ich weiß, die Frage hat bereits Gab vom Nihilistic Holocaust gestellt, aber sei so höflich und beantworte sie dennoch für die deutschen Fans, haha!

Olivier zeigte Interesse an der Band, als wir ihm zum ersten Mal davon erzählten. Er war bereits ein sehr guter Freund von uns, noch bevor er das Label begann. Wieder lief alles sehr natürlich für CADAVERIC FUMES, denn wir hatten alles was wir brauchten, um dieses Demo wahr werden zu lassen. Wir hatten Leute, die das Artwork zeichnen konnten, die Aufnahmen machten, das Demo auf Kassette rausbrachten und uns sogar unsere erste Show mit den französischen Evisceration und den allmächtigen Necrowretch verschafften. Wir sind uns unseres Glückes bewusst und werden wohl nie den Leuten genug danken können, die eine entscheidende Rolle in diesem Projekt spielten.

Cadaveric Fumes - Live
10. Wie war das Feedback auf euer Demo bisher? Habt ihr noch ein paar Kopien? Habt ihr viele Reviews bekommen, oder vielleicht sogar Interviews? Wie waren die Reaktionen aus der Szene, abseits von „offiziellen“ Fanzines und Blogs? Wusstest Du, dass mich Jerry von Detest Records auf euch aufmerksam gemacht hat, als er euch über Facebook empfohlen hat?

Das wusste ich nicht, aber es überrascht mich auch nicht. Jerry hat uns immer unterstützt. Und der Umstand, dass er uns über seine Facebook-Seite empfohlen hat, ist wirklich fantastisch, wir haben eine Menge Respekt vor dem Jungen. Bisher hatten wir nur gutes Feedback, besonders von unserer lokalen Metalhead Community, die uns schon vor der Band kannten und unterstützten. Aber auch von anderen Leuten, die wir nicht kannten, dank dem Hörensagen und dem Internet. Als Hauptreaktion merkten wir, dass die Leute überrascht waren. Oldschool Death Metal ist in der Bretagne nicht gerade üblich, nicht mal in Frankreich. Und nicht viele Leute erwarteten ein gut aufgenommenes Demo von einer französischen Band, mit einem akribisch gezeichneten Artwork, einfach aus dem Nichts.
Darüber bin ich sehr froh, denn das Demo kostete uns ein Jahr voll harter Arbeit. Und nun ist es eine wahre Freude, die positiven Reaktionen, sogar von Leuten wie Jerry oder Vlad, zu sehen.
Wir hatten ein paar Reviews, eines davon von Zoltar vom Iron Fist und Hard Rock Mag, was eine gewaltige Ehre für uns ist. Und wir haben drei Interviews für französische Fanzines beantwortet (In Extremis, Cadaverous Smell und Screams From The Grave).

11. Was ist der aktuelle Status bei CADAVERIC FUMES? Schreibt ihr an neuen Songs? Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wird es in naher Zukunft ein Full-Length geben? Oder wollt ihr zuvor noch ein paar EPs und Splits rausbringen, um den alten Weg einer Death Metal Band zu gehen?

Cadaveric Fumes - Band - GraveyardWir haben nach dem Demo nicht mit dem Songwriting aufgehört und stehen vor der Vollendung unseres sechsten Songs. Ich werde nun nicht erzählen, wie er klingt, aber ich sage mal so viel, es wird brutaler und düsterer als zuvor. Außerdem bringen wir unseren Bassisten auf die Spur, was sich großartig und inspirierend anfühlt. Wir hatten sogar schon Angebote für ein Full-Length, aber wir denken, dass es dafür noch zu früh ist. Besonders da wir nur sechs Songs haben, und wir lieber komplett neue Lieder für so ein Projekt aufnehmen wollen. Das ist etwas, worüber wir nachdenken sollten, aber nicht jetzt. Wie dem auch sei, wir haben auch ein paar andere Angebote, die wohl sehr bald Realität werden. Nur kann ich dazu noch nicht viel verraten!

12. Wenceslas, vielen Dank für Deine Zeit und Antworten! Ich hoffe, Du hattest etwas Spaß bei meinen bescheidenen Fragen, auch wenn einige schon zuvor gestellt wurden. Da mein Interview aber für die deutschen Fans ist, denke ich nicht, dass es sonderlich stört, sondern eure Zielgruppe vielleicht sogar erweitern wird. Macht weiter mit der guten Arbeit, ich freue mich schon auf neues Material von CADAVERIC FUMES. Nimm den folgenden Platz und hinterlass Deine letzten Worte an meine Leser…

Ich hoffe wir werden bald mal im verrotteten Sauerkrautland einfallen, ihr Motherfuckers!


Chris (NecroSlaughter.de) / Wenceslas (Klampfe @ Cadaveric Fumes) – 30.12.2012 / 03.01.2013
© Bilder: Cadaveric Fumes
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