Beyond Terror Beyond Grace – Nadir

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Bisher kannte ich BEYOND TERROR BEYOND GRACE nicht. Ich wurde aber scheinbar genau im richtigen Augenblick auf die australische Band aufmerksam gemacht (an dieser Stelle noch mal ein dickes Danke an den Kollegen Lobi vom Ancient Spirit). Früher war das Quintett wohl eher im Grindcore beheimatet. Ein Zuhause mit viel Konkurrenz und hohen Anforderungen an eine Band, sich dort ein Alleinstelllungsmerkmal zu schaffen. Doch das aktuelle Album „Nadir“ schlägt in eine komplett andere Richtung, die gänzlich abseits von gängigen Genre-Schubladen und aktuellen Trends liegt und die Musik zu etwas Besonderem macht.

Im Endeffekt sind es gerade mal fünf lieder, die das dritte Album von BEYOND TERROR BEYOND GRACE ausmachen. Der Titeltrack fungiert lediglich als instrumentales Interlude und „Pathea“ ist „nur“ ein Outro. Dennoch erreicht „Nadir“ eine Gesamtspielzeit von 43 Minuten. Gerade zu Beginn des Albums, wird der Hörer mit drei acht bis neun Minuten langen Songs konfrontiert. Diese Spieldauer ist aber nur auf dem Papier abschreckend!

Eine der großen Stärken von „Nadir„, ist das phantastische Songwriting. Der Wechsel zwischen schleppendem Downtempo und furiosen Blastbeats, zwischen monoton sägenden Riffs und unglaublich atmosphärischen Klangteppichen, zwischen abgrundtiefem Hass und hoffnungsvoller Agonie machen selbst die längsten Tracks auf diesem Full-Length kurzweilig und spannend. Die simplen und repititiven Gitarren sind meist sehr eingängig, fast schon hypnotisch. Sie erzeugen einen Wiedererkennungswert, trotz ihrer garstigen Attitüde. Die mürbende Wiederholung einzelner Themen ist ein Stilmittel, das in Anbetracht des abwechslungsreichen Gesangs angenehm gut funktioniert. Blake Simpson mag zwar kein herausragender Sänger im Extrem Metal sein, aber sein Wechsel zwischen Schreigesang und Growls sorgt dafür, dass BEYOND TERROR BEYOND GRACE nie wirklich monoton, sondern zuweilen richtig angepisst und an anderer Stelle sehr erhaben klingen.

Wo gerade die schnellen Blast-Passagen sehr schlicht und nihilistisch gehalten sind, entwickeln sich die Songs auf „Nadir“ gleichermaßen über ihre – meist überlange – Spielzeiten interessant und intelligent weiter. Fast jeder Song hat Momente der Hoffnung, die im nächsten Moment wieder niedergeschlagen werden. Meist im Downtempo erlaubt sich die Rhythmusgitarre ihre verträumten Ausblicke. In der Steigerung machen die fiesen Leads aus dem pessimistischen Post-Hardcore/Metal aber schnell klar, dass jedwede Zuversicht vergebens ist. Und dann zerstören BEYOND TERROR BEYOND GRACE den letzten Lichtschimmer in ihrem finsteren Fatalismus, dem endgültigen Crescendo des Terrors zum Ende des Liedes.

Wenn man wollte, kann man einige Vergleiche zu „Nadir“ anstellen. Die unheilvollen Harmonien erinnern an die letzten beiden Alben von den Nachbarn aus Neuseeland, Ulcerate. Die ruhigen Gitarren haben deutliche Einflüsse von Neurosis und Cult Of Luna. Die Kombination zwischen wütendem Metal und Post-Rock könnte auch von Downfall Of Gaia stammen. Gerade der Titeltrack des Albums hat viele Bezüge zum Post-Hardcore. Doch bringen BEYOND TERROR BEYOND GRACE auch deutlich neue Einflüsse aus dem Black Metal in ihren eigenen Stil ein. In dieser mürbenden Simplizität sind sie noch unheilvoller als Downfall Of Gaia, die bekanntlich auch einige Zitate aus dem schwarzmetallischem Sektor anstellen. Erst recht hinken einige Vergleiche von Kollegen, die Anaal Nathrakh als Anhaltspunkt für dieses Album nennen. Auch wenn diese ziemlich angepisst sind, spielen sie im Vergleich zu „Nadir“ eher Popmusik.

Gerade weil BEYOND TERROR BEYOND GRACE sich schwer verorten lassen, nicht wirklich in den Post-Death Metal noch Post-Black Metal fallen, nicht wirklich Rock sind und auch keine überdeutlichen Wurzeln im Hardcore haben, sind sie verdammt interessant. Sie haben einen eigenen Stil, was heute verdammt schwierig ist.
Darüber hinaus machen sie finstere, pessimistische Musik, die Erhabenheit ausstrahlt und den Hörer in dunkelster Atmosphäre einwebt. „Nadir“ ist ein Album zum (alb-)träumen, falllenlassen, wahnsinnig werden. Man muss sich vielleicht erstmal auf die repetitiven Momente und überlangen Songs einlassen. Dann knallt das Teil aber doppelt und dreifach! Zum Glück haben WillowtipNadir“ in Gänze auf ihrem Bandcamp-Profil zum anhören. Und wer hier in Europa Interesse an einer physischen Kopie hat, bekommt diese von Hammerheart.

Infos:
Willowtip (US) / Hammerheart (EU) – 2012
CD – 7 Lieder / 43:34 Min.

https://www.facebook.com/beyondterrorbeyondgrace
http://beyondterrorbeyondgraceofficial.bandcamp.com/
http://willowtip.bandcamp.com/
http://www.hammerheart.com/
http://www.willowtip.com/