Valgrind – Morning Will Come No More

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Valgrind - Morning Will Come No More
VALGRIND gibt es bereits seit gut 19 Jahren. Doch erschien das Debüt-Album der 1993 gegründeten Band aus Italien erst im Mai diesen Jahres. Eine lange Zeit, auch wenn bis 2002 vier Demos und eine EP den Backkatalog zieren. Um die lange Sendepause zu kompensieren, wird auf „Morning Will Come No More“ nicht gekleckert, sondern geklotzt. Eine knappe Stunde Spielzeit für 14 Lieder erwarten den Hörer. Doch reicht diese epische Spieldauer nicht immer zum Vorteil. Und in Anbetracht der drei Instrumentalstücke „Seven Horns„, „Quest For Immortality“ und „Dark Age„, ist auch die Länge der Tracklist etwas geschönt. Zwar machen diese zwei Intermezzi und das Intro gerade mal etwas mehr als drei Minuten aus, stören damit aber schon ein wenig den Spielfluss.

So ganz rund läuft es bei VALGRIND auch nicht immer. Gerade am Anfang des Albums verliert sich das Quartett schon mal etwas in ihren Songs. Direkt im eröffnenden „Fifth Nightmare“ passiert unglaublich viel. „When Mortal Skin Ends To Be“ ist gleichermaßen vollgestopft mit vielen Ideen, guten, eigenwilligen und auch ziemlich direkten. Doch insgesamt wirkt der Track etwas überladen. Diese Variationsfreude ist an anderer Stelle aber auch eine Stärke von VALGRIND. Denn im späteren Albenverlauf vermischt die Band durch ihre Experimentierlaune amerikanischen Death Metal mit dickem Punk, so dass „Submission Of Mortals“ und die beiden „Rebirth„-Teile sehr eigenständig sind. Sehr ungewöhnliche Songs, die dennoch gut funktionieren. Dabei ist besonders der „Part 1“ durch seine knackige Dauer hervorstechend.

Den besten Eindruck hinterlassen VALGRIND allerdings, wenn sie ihre überschwängliche Spiellust etwas zügeln und mehr auf den Punkt kommen. Geradlinige Songs wie „Dark Dressed Shepherd“ oder „Most High Perfection“ erzeugen eine richtig finstere Atmosphäre und sind dennoch brutal wie ein Brett mit Nägeln. Hier zeigen sich deutliche Parallelen zu Incantation und Immolation. Doch kopieren VALGRIND keineswegs plump oder plakativ. Immer wieder kommen eigene Ideen und Wendungen, die teilweise sogar überraschend sind. Bestes Beispiel dafür sei die impulsive Explosion in „Only Human Beings Corrupt Their Will„.

Doch egal, ob die Songs auf „Morning Come No More“ nun eher punkig oder fast in Richtung Brutal Death Metal/Death-Grind gehen (höre das grindy „Capes Of Desolation“ oder das brachiale „When Mortal Skin Ends To Be„), immer wieder zeigen VALGRIND, dass sie mit Herz und Seele in der Musik stecken. Schönster Indikator dafür, sind immer wieder die Soli, die in jedem Song furios und ekstatisch präsentiert werden. Teilweise nehmen diese hingebungsvollen Frickeleien gar epische Dimensionen ein, so als ob die Musiker gar nicht mehr aufhören wollten oder könnten. Das macht die Band genau so sympathisch, wie ihre eigenwillige Art. VALGRIND scheren sich einen Dreck um Trends und haben eigene Ideen. Nur müssen einige davon noch etwas pointierter werden. Mir persönlich hätte eine kompaktere Version von „Morning Will Come No More„, ohne Instrumentals und mit mehr Schwerpunkt auf die Songs um die Albummitte, besser gefallen.

So bekommt man aber ordentlich Gegenwert für den fairen Kurs, den Godeater Records für dieses Debüt verlangt. Im Labelshop kostet die Scheibe neun Euro und kommt in einem sehr schönen rot-schwarzen Digipak. Mit stellarem Motiv in der Innenseite der drei Flügel, sieht das Package nobel aus. In einem Booklet finden sich alle Texte sowie Dankesliste und Meta-Infos. Ein rundes Paket, das mit der knappen Stunde Spieldauer mehr als Value-For-Money darstellt. Die Zwischen-Klimpereien und schwächere Songs wie „Days Of Greed“ oder „Fifth Nightmare“ kann man dann auch einfach überspringen (;

Infos:
Godeater Records – 25.05.2012
Digipak-CD – 14 Lieder / 57:37 Min.

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