Standing On A Floor Of Bodies – Sacrilegious And Culturally Deficient

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Standing On A Floor Of Bodies - Sacrilegious And Culturally Deficient
Was. Ein. Brett! STANDING ON A FLOOR OF BODIES sind ein reines Himmelfahrtskommando, das sich post-apokalyptischem Horror und der Bekämpfung der Musikalität verschrieben hat. Dabei ist die Band mit dem etwas sperrigen Namen im Endeffekt nur Mike Stitches, der Drum Programming, Bass und Gesang übernimmt. An manchen Stellen unterstützt ihn wohl – soweit ich recht mitbekommen haben Ehefrau – Bvnny Stitches mit ein paar hohen Schreien. Das war es. Richtig, es gibt keine Gitarren bei SOAFOB. Doch ich muss gestehen, mir wäre dieser Umstand beim Hören von „Sacrilegious & Culturally Deficient“ gar nicht aufgefallen. Die Produktion ist es so wuchtig und brachial, dass ich vielleicht auch einfach die Gitarren interpoliert habe. Zumindest im Klangbild fehlt die Sechssaitige zu keiner Sekunde. Eher im Gegenteil, ich denke, dass noch ein weiteres Instrument wohl das Gesamtbild zu sehr überladen hätte. Denn SOAFOB sind schon ein ziemlich voluminöses Konstrukt.

Doch ich muss auch gleichermaßen gestehen, dass ich „Sacrilegious & Culturally Deficient“ wohl nicht gänzlich verstanden habe. Es sind gut eine viertel Stunde mit 15 Liedern. Also gut fünfzehn Minuten fragmentarischer Lärm, der auf der einen Seite zusammenhängend erscheint und fließend ineinander übergeht, und auf der anderen Seite einen sehr collagenhaften Charakter beibehält. Neben dem leicht synthetischen und damit auch etwas nervigem Drumcomputer, ist der Sound sehr druckvoll, fast schon überfrachtet. Zu der latenten Grindcore-Basis kommen viele Referenzen auf den derben Brutal Death Metal. An manchen Stellen klingt es fast nach der obligatorischen dicken Hose. Doch zum Glück ist „Sacrilegious & Culturally Deficient“ zu keiner Sekunde richtig prollig oder versucht sich am stumpfen Slam. Das wäre wohl das Todesurteil für das Album gewesen. Vielmehr wird immer wieder die Grindcore-Wurzel gefunden und durch manche abrupten Wechsel kommen auch gewisse Parallelen zum Power Violence durch. Doch all diese Bezüge und Einflüsse, sind nur grobe Zutaten für den Cocktail, der sich STANDING ON A FLOOR OF BODIES nennt. Zu keiner Sekunde scheint sich diese Mischung eineindeutig zu einer dieser Richtungen vollständig zuordnen zu lassen. Spätestens, wenn dieses „Album“ am Ende in verdammt krachigen Drone-Noise-Doom ausartet und noch mal alles vorangegangene negiert.
Gleichermaßen zeigt sich auch der Gesang vielseitig. Wo Bvnny mit ihren hohen Schreien Nuancen setzt, hat Mike selber Growls, verzerrte Schreie oder Hardcore-Bellen drauf. Ein Element, was den opulenten Sound um eine weitere, nicht minder anstrengende, aber dennoch abwechslungsreiche Komponente erweitert.

SOAFOB - Package

Das langweilige Artwork mit dem blutverschmierten Riffelblech passt vielleicht zum „apocalyptic horror“, den STOAFOB erzeugen wollten. Doch wird dieses belanglose und nichtssagende Cover zu keiner Sekunde der unglaublich phantastischen Aufmachung der Schallplatte gerecht! Mit Download-Code und einem sehr ranzigem Text-Blatt, das diesen dreckigen „Saw“/“Hostle“/“Martyrs“-Look hat, kommt die einseitig (!) gepresste LP mit dem Bandlogo auf der Rückseite. Dabei ist das Motiv nicht per Etching aufgebracht, sondern mit brauner Farbe und Siebdruck transferiert worden. Eine verdammt schöne Aufmachung, die ich persönlich so noch nicht gesehen habe. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich auch auf der A-Seite die kleine Matrizen-Ritze „sharp-as-fuck apocalyptic horror grind“ sehr witzig. Das sind liebevolle Details, die einem ein digitaler Download alleine niemals offerieren kann! Da hat sich Simon von 7 Degrees Records mal wieder alle Mühe gegeben. Und soweit ich weiß, ist die Kassetten-Version (Sissters Records) auch nicht minderhübsch. Diese kommt auf rotem, durchsichtigem Tape im schwarzen Bodybag. Nice!

Bei dieser wunderschönen Aufmachung und dem resultierenden Value-For-Money-Paket ist es mir fast schon unangenehm, dass ich keinen Zugang zu „Sacrilegious & Culturally Deficient“ bekomme. Irgendwie ist mir das Teil zu sperrig, fragmentarisch und überladen. Das soll an dieser Stelle aber nicht die apokalyptischen Krachfanatiker abhalten, selber mal in die Hörbeispiele auf den Bandcamp-Profil von STANDING ON A FLOOR OF BODIES reinzuhören und bei Interesse die LP bei 7 Degrees Records zu bestellen!

Infos:
7 Degrees Records – 2012
LP (einseitig) – 15 Lieder / 15:39 Min.

https://www.facebook.com/soafob
http://standingonafloorofbodies.bandcamp.com/
http://www.mikestitches.com/bodies/
http://standingonafloorofbodies.tumblr.com/
https://www.facebook.com/pages/7DegreesRecords/443059589044797