Kevlar Skin – Unforseen Consequences

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Kevlar Skin - Unforseen Consequences
Zunächst mag das Cover von „Unforseen Consequences“ befremdlich wirken. Mit seiner groben, fast schon comic-haften Zeichnung und der rudimentären Koloration, die direkt aus Microsofts Paint entsprungen scheint. Das Motiv zeigt einen bewaffneten, weiblichen Cyborg, der Kopf und Rückgrat eines männlichen Vertreters der gleichen Art hochhält. Alles vor einer dystopischen Ruinenszene. In mehrfacher Hinsicht zeigen KEVLAR SKIN hier ein etwas andersartiges Ästhetikverständis. Doch gleichermaßen ist diese atypische und archaische Bebilderung auch ein guter Eindruck von den akustischen Visionen der Band!

Prinzipiell spielen KEVLAR SKIN Death-Grind. Ein aktuell eh ziemlich unpopuläres Genre, das durch die eigenwillige Interpretation des spanischen Quintetts noch eine Nummer absurder und eigenwilliger wird. Doch gerade diese erfrischend trendfreie Herangehensweise, und die Tatsache, dass auf „Unforseen Consequences“ konsequent ein eigenes Ding durchgezogen wird, verleiht dem Album einen gewissen Charme.

Zunächst wirkt auch die musikalische Komposition der knapp 33 Minuten vielleicht etwas befremdlich. Erst mit wiederholtem Hören zeigen sich die vermeintlichen Zusammenhänge und die Intention hinter den einzelnen Stücken. Denn KEVLAR SKIN schießen ein breites Streufeuer. Vom simplen Punk/Grind in „Prayers Of Lies“ bis hin zum absoluten Saitengewichse in „Rejection Beyond Redemption“ ist alles dabei. Zugegebenermaßen sticht gerade das übermelodische und technische „Rejection Beyond Redemption“ ziemlich aus dem allgemeinen Kontext, ist durch seine übertriebene Melodieführung gleichermaßen ein sehr prägnanter Moment des Albums. Nur nicht sonderlich repräsentativ.
Wenn man die furiose Mischung mit Namen umschreiben müsste, würde wohl ein Cocktail aus My Cold Embrace, Jack Slater, Cannibal Corpse und Irate Architect am besten „Unforseen Consequences“ umreißen. Natürlich mit etwas mehr Schlagseite in Richtung Death-Grind und der roheren Ausrichtung des Brutal Death Metals. Gerade viele der Uptempo-Passagen und Breaks erinnern an die kasseler Death-Punks. „Farewell„, „Saviour“ oder „Prayers Of Lies“ sind dafür nur punktuelle Beispiele. Gleichsam sind es pointierte Ideen an den Gitarren, die an die verblichenen Bonner Hasen oder Chris Barnes ehemalige Band erinnern.

Mit jedem Hören wächst „Unforseen Consequences„. Denn wenn man einmal in die etwas atypische Herangehensweise reingefunden hat, kann man viel Entdecken. Prinzipiell passiert eine Menge in den einzelnen Liedern, so dass die Mischung aus Grind, Punk und Brutal Death Metal immer einen gewissen Unterhaltungsfaktor beibehält. Dazu kommen verdammt coole Bassläufe, die wirklich herausragend in den Songs platziert sind. An bestimmten Stellen besonders exponiert, ansonsten sehr treibend im Gesamtbild, ohne zu sehr in den Vordergrund zu spielen. Ähnlich kann man den Gesang umschreiben, der gewiss nichts besonderes ist. Dennoch liegt eine gewisse Power in den Vocals, die – entgegen der typischen Genre-Klischees – immer fett gegrowlt und damit auch zu einem gewissen Grad nachvollziehbar sind. Dem Digipak des Albums liegen aber leider keine Texte oder sonst ein Booklet bei, was die Nachverfolgung der Texte etwas erschwert.

So sehr KEVLAR SKIN aber auch ihren eigenen Stil haben und „Unforseen Consequences“ mit dem Hören immer mehr wächst, so sehr fehlt es den Liedern auch gleichermaßen an der gewissen kompakten Stimmigkeit, um ein überragendes Album zu bilden. Gerade durch die vielen Elemente, die für eine gewisse Abwechslung sorgen, fehlt es etwas an Prägnanz und Stimmigkeit. Ein Fundament ist jedoch gegeben, dass KEVLAR SKIN mit ihrer einzigartigen Stil noch richtig gute Musik rausbringen!
Da Godeater Records für das Album einen verdammt fairen Kurs fahren, und für das Digipak gerade mal 8 Euro haben wollen, kann eigentlich niemand etwas falsch machen, wenn er sich selber einen Eindruck von der untypischen Arbeit KEVLAR SKINs macht und „Unforseen Consequences“ im Shop des Labels einfach mal bestellt.

Infos:
Godeater Records – 2012
Digipak-CD – 9 Lieder / 32:57 Min.

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