PLANKS – Dark Wave und Grunge, heavy as metal!

Sicherlich können es die wenigsten nachvollziehen. Aber es macht noch mehr Spaß als ein Interview zu verfassen, wenn man richtig gute Antworten zurückbekommt. Dieses Mal hatte ich verdammtes Glück, dass Ralph von PLANKS nicht nur ein mächtiges Album mit „Funeral Mouth“ rausgehauen hat, sondern auch ein unglaublich interessanter Gesprächspartner ist! Häufig betrachtet er die Dinge von einem anderen Blickwinkel als ich engstirniger Metalhead und gibt auch schon mal ein wenig Kontra. Das Ergebnis unseres Frage-und-Antwort-Spiels ist wohl das beste Interview, was dieses Jahr auf dem NecroSlaughter erschienen ist. Darum an dieser Stelle noch mal tausend Dank an Ralph, dass er intensiv, ausführlich und unterhaltsam geantwortet hat!
Wer „Funeral Mouth“ noch nicht hat, holt sich bitte auf den nächsten Zeilen etwas Appetit und hört sich nebenbei die Scheibe auf Bandcamp an. Vielleicht bekommt man ja Interesse an diesem intensiven Bastard aus Sludge, Hardcore, Black Metal und Dark Wave/Grunge?


1. Hey Ralph! Wie geht es Dir? Alles klar bei PLANKS? Freust Du Dich schon auf den Herbst und Winter, wenn „Funeral Mouth“ neben der neuen Downfall Of Gaia wohl der beste Soundtrack für Wetter und Jahreszeit ist?

Hallo Christian. Bei Planks ist soweit alles okay, wobei gerade einige Umbrüche stattfinden. Ansonsten genieße ich die Zeit in der kalte Luft. Leider kann ich es nicht genug genießen, da die Arbeit mich vom spazieren gehen abhält. Wenn ich aber mal die Zeit habe, dann genieße ich die Ruhe und höre auch keine Musik. Ganz sicher würde ich aber nicht unsere eigene Platte hören und Downfall Of Gaia finde ich nicht sonderlich düster. Da empfinde und denke ich in anderen Dimensionen. Ein guter Soundtrack für diese Jahreszeit ist eher das Debüt von O aus Aachen (Kreis / https://www.facebook.com/O.theband/info – Anm. d. Verf. ).

2. Kein Interview ohne kurze Geschichtsstunde! Angefangen hat es bei PLANKS vor gar nicht allzulanger Zeit. Gegründet 2007 folgte noch im gleichen Jahr eine Demo als 3″ CDr, ein Jahr später euer Debüt-Album direkt über das Label Narshardaa Records. Wow, das ist doch schon mal ein Senkrechtstart. Doch seither geht es ja ungebrochen weiter, mittlerweile seit ihr bei Album Nummer drei und habt unter anderem Splits mit Lentic Waters und den mächtigen Tombs draußen. Außerdem wurden eure letzten Sachen über die großen Southern Lord auf CD wiederveröffentlicht.
Habe ich da signifikante Momente eurer Bandgeschichte vergessen?

Ich empfinde die 5 ½ Jahre, die es uns gibt, schon als recht lange. Für eine Band aus dem deutschen HXC/Metal Underground ist das eine ordentliche Halbwertszeit. Generell hast Du aber doch alles gesagt. Wir waren noch auf US Tour und haben insgesamt an die 170 Shows gespielt. Das kann man auch noch auf die Haben-Seite stellen.

3. Ich muss gestehen, ich kenne euch erst seit der „The Darkest Of Grays“. Dennoch musste ich ein wenig Schmunzeln, als ich die Kritik zu eurer Split mit Lentic Waters aus dem Fuze gelesen habe: „Die Baden-Württemberger PLANKS stellen mit dieser Split klar, dass sie sich vom stumpfen Crust der Anfangstage endgültig verabschiedet haben.“ Haha, sehr fein. Habe ich da eigentlich was verpasst, oder habt ihr wirklich mal Crust gespielt? Ich bezweifele es ein wenig…

Das ist halt wie das so ist mit Schubladendenken. Wir hatten tatsächlich zwei Lieder mit einem Crustbeat zu Beginn. Wir konnten damals einfach nicht mehr und haben es uns nicht wirklich getraut. Ich musste auch erstmal Überzeugungsarbeit leisten um Blastbeats bei Planks zu etablieren. Mit meiner privaten Situation, die schlimmer und schlimmer wurde, änderte sich auch unser Sound. Ich habe aufgehört Hardcoresongs zu schreiben, mich hat das genervt und gelangweilt. Ich wollte Dark Wave und Black Metal mischen und dazu die Wurzeln unseres Sounds mit einbeziehen. Daraus entstand dann die Darkest. Von da an sind wir konsequent die Entwicklung weg von Hardcoremusik, ohne dass wir das hätte forcieren müssen, weitergegangen. Ich finde wir klingen heute recht eigenständig. Das gefällt mir.

4. Offizieller Release von eurem aktuellen Album „Funeral Mouth“ war der 12. Oktober. Aber irgendwie fühlt es sich so an, als ob jeder schon euer Album hat. Die limitierte LP hattet ihr ja bereits verschickt, oder? Ansonsten habt ihr euch auch nicht davor gesträubt, noch vor Release exklusive Streams – und nachdem dieser geleakt war – eine Bandcamp-Seite mit dem Album eingerichtet. Vorabkopien scheinen aber euren Absatz nicht sonderlich zu beeinflussen….

Uns ist und war schon immer wichtiger, dass Leute die Musik hören können, egal wie. Ich war verdammt froh, als wir endlich das Album zum Stream bei CVLT Nation hatten, da die Arbeit so lang und beschwerlich war. Trotzdem fand ich es beschissen, als dann jemand diesen Stream rippen musste. Das bedeutet Musik in schlechter Qualität. Leute die uns schon länger folgen wissen, dass wir immer kurz nach Veröffentlichung das Album zum download anbieten. So kam es diesmal dann halt dazu, dass wir dies im Vorfeld machen mussten. Aber auch das war ok. Es waren und sind echt viele Leute cool genug uns Geld über Bandcamp zu schicken. Davon profitieren am Ende alle. Die Pre-Order war dann in 6 Stunden ausverkauft. Das war schon krass. Und auch weiterhin kaufen viele Leute das Album, weil sie eben noch an physische Kopien glauben und viele andere kaufen es bei Bandcamp. Also, alles gut.

5. Vielleicht über das Thema digitale Privatkopie im Allgemeinen, ihr habt ein sehr offenes Verhältnis zu den Downloads eurer Alben. Ihr bietet euren Backkatalog zum Streaming und Download auf Bandcamp an und habt kein Problem damit, wenn auf Mediafire oder Upload.to eure Sachen zu finden sind. Im Gegenteil, ihr verlinkt sogar entsprechend. Was sagen eure Label denn zu eurer lockeren Einstellung? Ist Golden Antenna damit einverstanden, dass „Funeral Mouth“ schon vor Release im Internet rumgeisterte? Was sagen Southern Lord dazu, dass ihre CD Re-Releases in Konkurrenz zu kostenlosen MP3-Dateien stehen?

Timo/Golden Antenna sieht das glaube ich ähnlich realistisch wie wir. Es wird dann schlecht, wenn eine Partei auf Kosten hängen bleibt. Da wir aber viele Kopien trotz alledem verkaufen, hat ja auch er was davon. Er hat das Album auch auf Bandcamp und macht sicher ein paar Euro damit. Uns ist wichtiger, dass alle Parteien zufrieden sind und 100% Leistung geben.
Es wäre einfach quatsch so zu tun, als wenn das Album nicht eh sofort in’s Netz wandern würde. Wenn es einmal irgendwo aufgetaucht ist, dann kann man den Domino-Effekt eh nicht mehr stoppen. Wenn die Leute es online ziehen, es mögen und dann Freunden davon erzählen oder auf Shows kommen und ein Shirt kaufen, dann ist das doch auch etwas. Wie gesagt, wir sehen das entspannt. Von uns träumt eh keiner in Dimension wie „davon Leben“.

6. Southern Lords ist sicherlich eine passende Heimat für PLANKS, mit Bands wie Alpinist, Masakari oder Martydød. Golden Antenna ist hingegen etwas befremdlich. Ich muss gestehen, dass ich zuvor noch nie etwas von dem Label gehört habe. Auch sonst scheint deren Roaster eher weniger ähnliche Releases zu umfassen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Hhhhm, das sehe ich komplett anders. Ich sehe nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen den Bands die Du anführst und uns. Das sind Crust/Hardcore Bands, die sehr sehr gut sind bei dem was sie tun, aber die nicht klingen wie wir. Da gibt es bei SL andere Bands, denen ich mich musikalisch nahe fühle. Trotzdem ist Greg von SL seit geraumer Zeit primär auf diesen modernen „blackened Hardcore“ Trip. Da will ich gar nicht in der Masse mit untergehen. Ich sehe uns da nicht. Als Greg sagte, ihm sei „Funeral Mouth“ nicht hart genug/zu poppig, waren wir nicht überrascht. Ich mag Greg, ich mag Southern Lord, aber für das, was wir machen, und in dem was uns möglich ist an Touren etc., war es nicht das richtige Label. Timo ist ein Typ den wir lange kennen. Ich finde sein Label eines der interessantesten DIY Underground Labels. Ich höre wenig bis keinen Hardcore, Doom und sowas. Er hat Tephra, Maserati, Kerretta und (meine derzeitige Lieblingsband) Die! Die! Die! Klar, wir klingen nicht wie diese Bands, aber im Spirit und künstlerischer Herangehensweise ist da viel Ähnlichkeit…

7. Bisher bin ich von PLANKS eigentlich immer wunderschön aufgemachte Schallplatten gewohnt. Da war ich schon ein wenig enttäuscht, als ich die CD-Version von „Funeral Mouth“ aus meinem Briefkasten holte. Es wirkt ein wenig, als ob man das Gatefold-Prinzip einer LP auf eine CD übertragen wollte. Dabei wird der Tonträger unschön in die Paphülle geschoben, was ihn – bei intensiver Verwendung – sicherlich zerkratzen kann. Außerdem war das Booklet ein wenig mager. Vielleicht ist das auch nur jammern auf hohem Niveau. Ich persönlich freue mich auf jeden Fall auf die nächste PLANKS schon in meiner Nähe, damit ich mir ein Bild von der LP machen kann…

CDs haben uns nie wirklich interessiert. Ich kaufe kaum CDs und Vinyl ist einfach viel hübscher. Vinyl+Downloadcode ist die perfekte Kombi. (Vollste Zustimmung – Anm. d. audiophilen Verf.) Doch auf Shows, vor allem bei Metalshows, wurden wir immer wieder nach CDs gefragt. Deswegen haben wir Timo gefragt, ob er auch eine CD machen würde. Er sieht das auch wie wir. CDs sind so ein Stiefkind. Wir haben dann die direkte Umsetzung des LP Artworks für die CD genutzt. Klar, auch da kann man mehr draus machen. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt dann nicht. Wir verkaufen die CD für 10,00 Euro. Das ist, denke ich mal, fair für die Aufmachung. Da nehmen es die Leute gerne in Kauf. Aber klar, wer die für 17,99 Euro im Mediamarkt kauft wird schon denken, dass es etwas wenig ist. Trotzdem sieht es doch besser aus, als ein Jewelcase? (Es sieht auf jeden Fall besser aus und für den Preis ist es auch voll okay. Am meisten stört mich halt immer noch, dass die CD einfach so in der Papphülle rumfliegt. – Anm. d. Verf.)

8. Musikalisch sind PLANKS schwer zu verorten. Ich höre deutlich Einflüsse aus dem (coolen!) Hardcore, Sludge, Doom und Black Metal. Mal mehr oder weniger von Post-Black Metal beeinflusst, aber über dieses Genre streiten sich ja Fans und Style-Nazis eh immer, haha! Andere Leute hören auf „Funeral Doom“ deutlich (sic!) Merkmale des (Dark) Waves heraus. Eieiei, ob da einer zu sehr auf den Sticker der CD mit Aufschrift „Mastodon and Darkthrone play songs by The Cure“ geschaut haben? Ich höre da weniger Wave heraus, was aber auch daran liegen kann, dass ich mit dem Genre nur marginalen Kontakt habe. Wo siehst Du PLANKS musikalisch? Muss wirklich die neue Schublade „Postcore“ eröffnet werden, wie es manche Magazine gemacht habe? Und in welcher Szene siehst Du Deine Band? In Metal-Magazinen wird „Funeral Mouth“ gerne als „Post-Metal“ einsortiert. Aber von der Attitüde her spielt ihr eher in besetzten Häusern, autonomen Zentren und ähnlich politisch motivierten Etablissements. Ist das dann überhaupt Metal? Ich muss gestehen, dass mir in dieser Szene häufig der Bezug zum DIY und richtigen Underground fehlt, die „Mischbands“ mit Hintergrund im Crust zum Glück aufrecht erhalten und wieder ins Spiel bringen…

‚Post-Metal‘ kann ja alles und nichts sein. Ganz sicher ist, dass wir uns selbst nicht als Metal Band im klassischen Sinne sehen. Wie wir uns selbst kategorisieren? Keine Ahnung. Am treffendsten fand ich immer die Bezeichnung ‚Gloomcore‘ die unser Kumpel Fonsy aus Frankfurt mal gab . Ich denke mit dem ‚Core‘ hat man am ehesten die Beziehung zu unseren Wurzeln. Wir kommen aus der DIY Hardcore Szene und sind dieser musikalisch evtl. etwas entwachsen, aber vom Spirit her wird unser Herz immer da sein. Wir haben ¾ all unserer Shows in JUZ, Squats, AZ und ähnlichen Läden gespielt. Die ‚klassische‘ Metal Band im Nachwuchs spielt solche Shows seltener. Wir sind dieser Szene so viel schuldig und werden nie aufhören dort zu spielen, auch wenn wir nun ab und zu mal größere, richtige Metal Shows spielen.
Der Sticker auf der CD basiert auf meinem Mist. Ich höre diese Bands und die Musik aus diesen Genres, kann mich aber zu keiner 100% dazu zählen. Planks ebenso wenig. Wir nutzen BM-Blastbeats eher als Element um einen Song zu Formen, nicht um Black Metal an sich zu spielen. Auch Dark Wave spielen wir nicht, denn dafür sind Bass und Schlagzeug viel zu verspielt und wenig rudimentär. Doch die Gitarren machen manchmal sehr wavige Sachen und die Grundkälte und Harmonieordnung sind Wave ähnlich. Das passiert beim schreiben einfach so und fügt sich dann zusammen. Tatsächlich sehe ich uns, was das Songs schreiben betrifft, am ehesten mit frühen Grungebands verbunden: viel Melodie und Melancholie gemischt mit schweren Gitarren. (Ein feiner Vergleich. Da kann ich schon eher die Parallelen erkennen, als zum Wave. – Anm. d. Verf.)

9. An dieser Stelle fällt mir häufig auf, dass eigentlich nur die Deutschen ein richtiges Problem mit dreckiger Musik und Einflüssen aus fremden Genren haben. Scheinbar will der Germanne seinen Metal reinrassig haben, haha! Viel lockerer erscheinen mir da die Kollegen aus den USA, besonders von den hingebungsvollen Blogs Invisible Oranges, No Clean Singing und besonders: Cvlt Nation. Für letztgenannte hast Du ja auch schon Beiträge kuratiert, soweit ich mich recht erinnere, auch eine Geschichte mit den mächtigen Gottesmörder aus Italien, richtig? Wie siehst Du die Unterschiede in der deutschen Szene und anderswo? Wieso hat PLANKS bisher von solchen Medien mehr Interesse bekommen, als von Rock Hard, Metal Hammer oder Legacy?

Im Metal Hammer hatten wir schon zweimal Interviews. Gerade haben wir da 6 von 7 Punkten bekommen. In der Legacy auch positive Reviews. In der neuen Rock Hard haben wir 8 von 10 Punkten. (Nun, vielleicht sollte ich doch noch mal hin und wieder in den Kioskmagazinen blättern. So schlecht scheint deren Geschmack ja nicht mehr zu sein… – Anm. d. Mainstreammagazinboykotteurs)
Puuh, aber schwere Frage. Ich finde generell Metal sehr engstirnig. Aber auch Hardcorepuristen sind da nicht anders. Es wird immer die Liebe für Stagnation konträr zur Liebe der Progression stehen. Es tut sich zum Glück einiges an Umbrüchen. Das schätze ich sehr, denn jegliches Genre das Purismus predigt, nervt schnell. Wenn ich überlege welches Verhältnis „trve“ Bands im Vergleich zu „blend“-Bands auf meinem Ipod tummeln, dann ist es für letztere ein haushoher Sieg nach Punkten. Nimm Junius, Constants, Tombs, Alaric, Atriarch, Nachtmystium, Crooked Necks etc. Da kommen so viele Elemente passend und originell zusammen. Ich setze auf diese Mischung, egal welcher Kontinent. Es ist gut, dass es im Netz viele kleinere Undergroundmedien geben kann, die solch Innovation würdigen und den übermächtigen Traditionskanälen trotzen können.

10. Kommen wir an dieser Stelle direkt zu einem anderen, heiklen Thema, nur diesmal etwas lokaler: Soweit ich weiß, hast Du eine Zeit lang in Aachen gewohnt, richtig? Und scheinbar hast Du immer noch eine bestimmte Verbindung zu unserer Kaiserstadt! Du warst beispielsweise auf dem Glasses Konzert vor einigen Wochen – wo ich es leider nicht hin geschafft habe – und wenn ich recht informiert bin, hast Du Loma Prieta und Punch nach hier geholt. Oder war das der Marc von Trainwreck? Ist an dieser Stelle auch egal, was verbindest Du mit Aachen? Ich persönlich finde die Szene hier etwas… eigen. Wenn ich auf Konzerte gehe, egal ob Metal, Crust, Hardcore oder Grind, ich sehe immer nur eine Hand voll Gesichter, immer wieder. Häufiger werde ich hingegen von der Konzertfaulheit dieser Stadt enttäuscht und ärgere mich, dass richtig coole Bands vor dem leeren AZ spielen müssen. Eine Schande!

Aachen ist halt Aachen. Das musste ich auch bitter lernen. Da kann man top Bands holen und man hat ein leeres Haus. Dann spielt die Kopie der Kopie von Hot Water Music und der Laden platzt. Shows machen war da frustrierend. Junius: 50 Zahlende, Switchblade: 25 Zahlende usw. Ich habe da, seit ich weggezogen bin (2010), nichts mehr gebucht. Jenni und Marc haben Loma, Punch usw. gebucht. Es gehen immer wieder tolle Shows da und meistens bleiben sie leer. Das ist sehr schade, denn der Laden ist super und die Leute dahinter machen einen unglaublich guten Job. Alles DIY und ohne Profitorientierung. Dafür bekommen sie dann auch noch Steine in den Weg gerollt, durch die Politik, und Steine an die Türen, von Fascho Idioten.
Aachen ist eine tolle Stadt, in der ich gerne gewohnt habe. Jetzt, als Kölner, freut es mich jedes mal, wenn ich da wieder hin kann. Da zu leben, sollte auf lange Sicht nicht sein, aber das ist eine andere Geschichte. (Die mich als Aachener dennoch interessiert hätte. – Anm. d. Öchers)

11. Zurück zu eurer aktuellen Platte: Nicht nur ich höre auf „Funeral Mouth“ gewisse Ähnlichkeiten zu euren Freunden TOMBS. Sind die Einflüsse bewusst, oder resultieren die Parallelen aus einem ähnlichen Denken? Erzähl mal etwas über eure Freundschaft, vor ein paar Jahren gab es eine gemeinsame Split und ihr habt zusammen die USA betourt, wenn ich richtig informiert bin. Vielleicht gibt es hier noch Anekdoten und Details, die an dieser Stelle interessant sind?

Tombs sind schon irgendwie unsere Brüder im Geiste. Trotzdem sind sie total anders als wir. Mike Hill, deren Sänger und alleiniger Songschreiber, ist einer meiner besten Freunde. Wir haben uns auf der Anodyne (seine alte Band) Tour 2004 kennengelernt und sind seitdem dicke. Tombs und Planks starteten zur selben Zeit mit einem ähnlichen Schlachtplan. Sie haben sich jedoch konträr zu uns entwickelt. Bei uns geht die Entwicklung von Härte zu Dynamik und Melodien. Tatsächlich finde ich auch die erste EP von Tombs am allerbesten, als sie noch keinen Metal machen wollten. Trotzdem, jedes Release ist super. Auf „Path of Totality“ haben sie, für meinen Geschmack, das mit den Black Metal Parts übertrieben. Die „Winter Hours“ fließt besser und klingt besser. Die lasse ich auch gerne als Vergleich zu „Funeral Mouth“ gelten. Was sie und uns verbindet: Sie nutzen Blastparts und Metalspielereien als Werkzeug, nicht aber um zu tun als seien sie/wir eine echte Metal Band. Das tun leider all die mediocren „blackened Hardcore“ Bands oder die „Jump on the Trendwagon“-Black Metaller. Tombs sind authentisch in dem, was sie tun, und tun nur das worauf sie Bock haben. Wir machen das ähnlich. Wir könnten problemlos ein konstant brutales Album schreiben, aber das juckt keinen von uns. Wir kommen aus einem anderen Background und finden halt Dynamik, Stimmung und Abwechslung besser.
Was halt hinkt als Vergleich, wenn man sich die Mühe macht mal RICHTIG hinzuhören (Ich nehme diese Kritik dankend an. – Anm. d. Oberflächlichen (; ): Die Riffs von Tombs sind super schlicht. Viel Wiederholung, keine schweren Parts – aber was sie einsetzen ist konsequent und effektiv. Wir klingen viel verspielter und komplexer was die Riffs angeht.
Die Touren waren immer etwas vom Pech verfolgt, es gab aber gute Erfahrungen. Mal sehen wie die nächste US Tour laufen wird.

12. Auch wenn „Funeral Mouth“ musikalisch ähnlich wie TOMBS klingt, einen Gastbeitrag gab es von Joseph E. Martinez von Junius. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Der eher klare Gesang ist auf jeden Fall eine wunderbare Ergänzung für „Scythe Imposer“ und veredelt den Song. Ich muss aber auch gestehen, dass er nicht mein Lieblingstrack auf dem Album ist (;

Das war genau die Idee. Ich denke, ohne Joe wäre der Song nur halb so gut. Wir hatten den geschrieben und für OK befunden. Aber durch seine tolle Stimme wurde der Song echt markant. Ich habe vor Jahren in Aachen mal Junius veranstaltet (leider mit geringem Erfolg….Aachen halt). Sie sind auch Freunde von Mike und Tombs. Wir wurden Freunde. Ich halte Junius für eine der besten und originellsten Bands derzeit in der harten Musik. Mike Repasch, deren Gitarrist, wohnte bis vor einem Jahr in Köln. Da haben wir uns oft gesehen und es kam irgendwann die Frage, wo Junius für eine Tour proben könnten, da sie sich lange nicht gesehen hatten. Ich schlug dann unseren Proberaum in Mannheim vor. Das wurde dann auch so gemacht. Dabei haben sie dann ihr letztes Album fertig geschrieben. Ein Jahr später lief das nochmal ähnlich. Sie sagten immer „We owe you“. Ich hatte dann die Idee zu fragen, ob sie uns im Gegenzug „ihre Stimme“ leihen. Gesagt, getan.

13. Ralph, ich weiß, dass Du ein großer Musik-Fan bist. Darum musst Du an dieser Stelle ein paar Statements zu ein paar Bands und Releases hinterlassen, die meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung gefunden haben. Here we go:

– DeZafra Ridge – sowohl das selbstbetitelte Demo-Tape, wie auch die Split mit Rituals

Nennen Pallbearer als größten Einfluss. Zum Glück klingen sie wesentlich spannender. Live echt eine Macht und super nette Jungs. Das Demo fand ich nur ok, die Split mit Rituals dagegen hammer. Auch Rituals. Hoffe, dass beide Bands den verdienten Aufmerksamkeitsgrad bekommen!

– Throwers – Rudimentary Bodies 10″

Haben den selben Sänger wie DeZafra. Hands down, die für mich derzeit beste und interessanteste Hardcoreband aus Deutschland. (Vollste Zustimmung! – Anm. d. Szeneunkenners) Sie sind die legitimen Erben von Perth Express, denn sie können das, was viele andere Perth Express Epigonen leider nicht können: Gute Songs schreiben! Ich bezweifle, dass die 10″ ihr Wunschformat war, bzw. das sie konkret gesagt haben „Wir machen jetzt ne 10″“, aber gerade das es nur vier Songs sind bei knapp 20 Minuten Spielzeit hat den perfekten Effekt: Man kann sie hören, denkt sich „sau gut!“ und dann ist es vorbei und man bleibt hungrig. Viele Bands dieser Art übersättigen einen.
Es kommt positiv dazu, was für nette Typen es sind und das sie Live gnadenlos gut sind.

– Gottesmörder – gleichnamiges Tape

Liebe, nette Jungs mit denen wir auch ein paarmal in Italien gespielt haben. Leider finde ich die Musik so „naja“. Ist schon cool. Live auch dick. Aber es ist halt nicht besonders originell. Zumindest die zwei Songs vom Tape. Wenn sie sich etwas weiter aus dem Fenster lehnen, und sich trauen die angesagten BM Klischees abzustreifen, wird die Band viel viel besser. Und da sind sie gerade dran. Das kommende Album auf Alerta dürfte also etwas zum drauf Freuen sein, denn die neuen Songs live waren schon mal top!

– Trainwreck – If There Is Light, It Will Find You

Was soll man über Trainwreck noch sagen? Kennt jeder, mag jeder. Ich habe mal für ein paar Shows bei ihnen Bass gespielt. Ich war froh, als ich da raus war… denn sie anzuschauen ist viel besser.
Unglaublich gute Liveband und wohl die „Speerspitze“ der deutschen DIY (Emo) Hardcore Scene. Songwritermäßig auch absolut erhaben. Fand die „Of Conrete Canyons…“ jedoch besser. Mehr Hits! Alles die totalen Sweethearts und immer schön mit ihnen zu spielen und rumzuhängen.

– Tombs – Path Of Totality (okay, das sticht ein wenig aus der Reihe, so als Relapse Release, haha)

Hab ich ja oben schon erwähnt. Kann es ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, warum alle diese Platte so mega gehypt haben, aber die „Winter Hours“ so im Schatten steht. „Winter Hours“ hat den besseren Sound, die bessere Mischung an Songs und klingt Abwechslungsreicher. Trotzdem sind einige echt gute Songs auf der „Path…“.

14. Als fleißiger Nerd und Social Network-Addict weiß ich natürlich, dass Ihr schon wieder ins Studio wollt. Was bringt also die Zukunft von PLANKS? Gibt es wieder eine Split-Veröffentlichung? Wenn ja, mit wem? Eine Geschichte mit Trainwreck fände ich persönlich ja verdammt lecker! Oder gibt es eine Single/EP? Ein neues Album wäre wohl zu viel verlangt – und in Anbetracht zur Nähe von „Funeral Mouth“ sicher auch nicht ganz so einfach….

Wenn wir die Zeit hätten, könnten wir sicher bald ein Album aufnehmen, denn Songs hab ich schon genug. Aber durch Line-Up Wechsel, Arbeit etc. geht das nicht. Außerdem wollen wir uns Zeit lassen und die Songs richtig reifen lassen. Wir sind jetzt zweimal ins Studio mit rohen Teilen und waren danach, vor allem durch Liveeinsatz, etwas genervt, was wir noch hätten rausholen können. Wir haben auch keine Eile. Wir wollen die Leute ja auch nicht nerven.
Ja, wir werden bald aber was Aufnehmen. Ist eher ein Gimmick. Es wird auf jeden Fall nichts mit Trainwreck (sorry) (Kein Ding! – Anm. d. Wünschers). Mehr kann ich noch nicht sagen. Mehr dann im Januar.

15. Ralph, Du hast es geschafft! Ungefähr vierzehn Fragen von einem verbohrten Death Metal Maniac. Ich hoffe, dieses Interview war für Dich nicht zu langweilig. Ich sage auf jeden Fall artig Danke für Deine Zeit und Deine Antworten. Ich finde es schade, aber leider kann ich nicht vorbeikommen, wenn ihr hier in Aachen spielt, weil ich selber auftreten muss. Sonst hätte ich mir an dieser Stelle „Miasma“ gewünscht und dich auf ein gepflegtes Tyskie vor Ort eingeladen. (Besagtes Konzert mussten Planks leider absagen. Die Fragen sind nun mal etwas älter…. – Anm. d. Korrekturlesers) Nun ist aber wirklich Schluss, die letzten Worte gehören Dir und PLANKS!

Für einen Death Metal Maniac hätte ich mehr Fragen erwartet warum zB. die Death Re-Issues unnötig sind, ob Cannibal Corpse nur mit Chris Barnes gut waren oder warum alle Bands jetzt versuchen wie Entombed und Dismember zu klingen und dabei kläglich scheitern, haha. (Verdammt! Hätte ich das mal gewusst, hätte ich das auch gefragt! – Anm. d. wohl doch nicht so dollen Death Metal Maniacs) Vielen Dank auf jeden Fall für das Interview. Bei Fragen etc. immer an walkingonplanks@gmail.com. Und merken Kinder: Black Sabbath sind nicht die beste und wichtigste Band der Welt, auch wenn eure coolen Kumpels das behaupten!


Chris (Tippäffchen @ NecroSlaughter.de) / Ralph (Gitarre/Gesang @ PLANKS) 12.10.2012/25.11.2012
© Bilder: Facebook-Seite von PLANKS

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