Impactor – Arise In Decay

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Nachdem von Final Gate Records, dem junge Schwesternlabel von Rotten Roll Rex, die ersten Releases in meinem Briefkasten lagen, habe ich mir das Debüt-Album von IMPACTOR erstmal für die die morgendliche Fahrt zur Arbeit gerippt und auf den MP3-Player gespielt. Dabei ist scheinbar ein kleiner Fehler passiert und die Header der Dateien wurden beschädigt. Als Resultat vermeldete mein Abspielgerät eine Gesamtspieldauer von über drei Stunden für „Arise In Decay„. Und ich muss gestehen, dass ich nach dem ersten Durchlauf sogar gewillt war, dieser Fehlinformation halbwegs zu glauben, haha!

Die Realität sieht natürlich ein wenig anders aus. Das erste Full-Length der rheinland-pfälzischen Thrasher hat „nur“ eine Spieldauer von gut 52 Minuten. Dennoch zeigen sich bei den 9 Liedern über diesen Zeitraum deutliche Längen. Ich persönlich finde durchschnittliche Spielzeiten von über viereinhalb Minuten im Thrash Metal eh etwas unpassend. Thrash muss für mich flott und auf den Punkt sein. Da kann ein Song auch ruhig schon mal etwas über eine Minute Intro haben, und mehr Riffs verballern, als es manche Death Metal Band auf dem kompletten Album tut. Doch gerade da hapert es bei IMPACTOR ein wenig. Zum einen ist der Faktor Geschwindigkeit auf „Arise In Decay“ eher relativ. Die gelegentlichen, und ziemlich unpassenden Blastbeats machen absolut keinen Spaß. Richtiges Uptempo-Geknüppel sucht man vergebens. Dominiert wird das ganze Album von langweiligem Ufta-Ufta, das stellenweise zwar ganz nett ist, spätestens in „Let The Napalm Reign“ aber ziemlich nervig wird. Dafür ist das Doublebass-Gewitter mehr als ordentlich und würzt „Death By Train“ schmackhaft.
Einzig im kürzesten Track des Album, „Through The Wall“ (3:46 Min.), wird die leicht angezogene Handbremse zum Gewinn, der Song gewinnt im Spannungsaufbau deutlich. Da hätte man sich auch den Polka-Beat sparen können. Gleichermaßen ist die Konstruktion der Strophe des Titeltracks richtig gut gemacht. Leider verliert sich der fast elf Minuten lange Epos ein wenig in seinen vielen Teilen, ohne wirklich auf den Punkt zu kommen.

Zu den Problemen in Tempo und Songwriting kommen deutliche Defizite an den Gitarren. Prinzipiell ist die Arbeit der Saitenhexer Armin und Marco durchaus akzeptabel. Doch habe ich fast alle Riffs in präsentierter oder ähnlicher Form schon mal gehört. Mal mit deutlichem Schlag von Kreator, mal deutlich von Metallica zu „… And Justice For All“ angehaucht (checkt den Anfang von „Intoxication„), mal von tausend anderen Bands vorher schon gezockt. Und gelegentlich schimmert ein gewisser dilettantischer Charme hindurch, wenn die Leads in „Symbolic Forces„, das Intro-Geklimper von „When The Sunset Turns Blood-Red“ oder die harmonische Simplizität aus „A Night At „Cannibal’s““ gleichermaßen an so manche Deutschpunk-Band erinnern.

So würde das Debüt IMPACTOR ganz gut zu Firefield Records passen, wo sie zwischen Total Annihilation, Bitter Piece oder Pessimist in bester Gesellschaft wären. Doch trotz aller Unzulänglichkeiten ist mir „Arise In Decay“ noch die liebste Veröffentlichung aus dieser Reihe an jungem deutschen (und schweizer, ihr Korinthenkacker!) oldschool Thrashern. Denn wenn IMPACTOR ihre Songs etwas straffen und dem Drummer ordentliches Uptempo beibringen, könnte das nächste Lebenszeichen doch noch rocken.

Infos:
Final Gate Records – 2012
CD – 9 Lieder / 52:11 Min.

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https://www.facebook.com/FinalGateRecords
http://finalgaterecords.bigcartel.com/