Gloom Warfare – Post Apocalyptical Downfall

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Post Apocalyptical Downfall“ ist ein grandioses Debüt-Album! GLOOM WARFARE sind auf ihrem ersten Lebenszeichen in so vieler Hinsicht fantastisch, dass ich an dieser Stelle gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Zunächst positioniert sich die Band durch ihren ungewöhnlichen Style deutlich fernab jedweder Konkurrenz. Wo die vorherrschenden Trends entweder in stumpfes Deathcore-Gebreakdowne oder in die rumpelnden Anfangstage des Death Metals greifen, bedient man sich einer Niesche, die nur weniger Künstler füllen: Industrial Death Metal.

Vergleiche zum „ordinären“ Industrial Metal der Marke Ministry oder Fear Factory kann man sich dabei schenken. GLOOM WARFARE sind keine arbeitende Maschine, sondern kumulieren industriell anmutende Sound zu einer postapokalytischen Klangkollage, wie sie am ehesten mit Godfleshs „Streetcleaner“ vergleichbar ist. An Stelle des eher Schlagzeug-ähnlichen Sounds, fungiert auf „Post Apocalyptical Downfall“ ein synthetischer Klanggenerator, der durch mannigfaltige Beats und Klangfarben das mechanoide Bild noch weiter vorantreibt.

Im ersten Moment mag das epische Machwerk vielleicht etwas eintönig und monoton wirken. Mein erster Kontakt zu GLOOM WARFARE hat mich auch nicht sonderlich aus den verrottenden Springerstiefeln gehauen. Unter der Vorstellung, dass dieser gelebte Minimalismus auf über 72 Minuten gezogen wird, kann einem vorschnell die Lust auf weitere Beschäftigung mit dem Album vergehen. Doch ich kann versprechen: „Post Apocalyptical Downfall“ wächst!

Mit jedem Hördurchlauf kommen immer mehr kleine, wenngleich auch dezente Details in der Musik zum Vorschein. Und schnell erkennt man, dass die anfänglich fehlinterpretierte Monotonie sehr wohl keine Langeweile, sondern bewusstes Stilmittel für die resultierende Atmosphäre ist! Die reduzierten, repetitiven Rhythmen haben einen sehr rituellen Touch und tonnenschweren Groove. In seiner tonalen Archaik erschaffen GLOOM WARFARE die Musik, die man sich bei den Freaks und Outlaws aus Mad Max nur all zu gut als Untermalung für barbarische Gladiatorenspiele vorstellen kann.

Die sehr simpelen und fast schon subtilen Riffs sind dreckig. Verdammt dreckig. Sie sind eigentlich eher ein füllendes denn melodieführendes Instrument und erschaffen ordentlich Härte und schmutzigen Charme. Gleiches gilt auch für die zweifellos recht gleichförmigen Vocals, die in ihrer Intention aber genau das gleiche Ziel verfolgen, wie das bewusst zurückhaltende Drumming. Es ist emotionslose, kalte Musik für eine Welt hinter der nuklearen Auslöschung unserer Zivilisation. In gewisser Hinsicht kann man „Post Apocalyptical Downfall“ als ein integrales Konzept sehen, am besten verständlich im kontinuierlichen Fluss. Denn einige Leads, die mehr als verzweifelt und verstörend sind, scheinen ein gewisses Grundthema wie einen roten Faden durch das ganze Album zu tragen.

Geht man aber tiefer ins Detail, funktionieren auch Ausschnitte aus diesem Debüt als kohärrente Mikrokosmen. Beginnend mit „Corroded Entites„, dessen Aufbau unglaublich genial konstruiert ist. „Nuclear Deterrence“ ist unglaublich böse, treibend, unterkühlt und doch irgendwie organisch. In seinem Groove ist „Exposure“ eine weitere Steigerung, wie „Harsh Environment“ einfach nur göttliche Melodien fährt.

Mit einer vielleicht doch etwas anstrengenden Spieldauer, ist „Post Apocalyptical Downfall“ ein komplexes Album. Aber erst auf den zweiten Blick. Und durch den untypischen, und ziemlich massen-inkompatiblen Style, werden GLOOM WARFARE sicher polarisieren. Darüber sind sich wohl auch die Band selber und auch das junge Label Final Gate Records im klaren. Im Booklet danken GLOOM WARFARE dem Marco, dass er den Mut hatte, diese Scheibe zu veröffentlichen. An dieser Stelle schließe ich mich dem Dank an. Viele werden kein Verständnis für diese düstere Kombination von Death Metal und Industrial haben. Doch einige werden den Kram lieben. Nach ein paar Durchläufen weiß ich, dass ich zu letzteren gehöre. Nein, viel mehr noch: „Post Apocalyptical Downfall“ kann mich sogar richtig tiefgehend begeistern!

Infos:
Final Gate Records – 2012
CD – 14 Lieder / 72:05 Min.

https://www.facebook.com/pages/Gloom-Warfare/306110589429671
http://www.gloomwarfare.de/
https://www.facebook.com/FinalGateRecords
http://finalgaterecords.bigcartel.com/