Downfall Of Gaia – Suffocating In The Swarm Of Cranes

 , , , , , , , , ,

Nachdem DOWNFALL OF GAIA total im DIY-Underground verwurzelt waren, die autonomen Zentren und besetzten Häuser Europas bespielt hatten, war die Nachricht über den Deal bei Metal Blade Records etwas verwunderlich. Mein erster (Live-) Kontakt zu der Band war in einem besetzten Kloster in Antwerpen im März 2010. Es war bitter kalt, aber die Atmosphäre der Location war passend zur wütenden, frostigen Musik der Band. Zu dem Zeitpunkt, an diesem Ort, wäre der Ausblick auf einen Deal mit Metal Blade wie eine Farce gewesen. Dennoch: Trotz ihres vergleichsweise jungen Alters, sind DOWNFALL OF GAIA eine fleißige und ambitionierte Band. In gerade mal vier Jahren des Bestehens kommt man auf ein Demo, zwei Splits (eine davon mit In The Hearts Of Emperors), eine Tour-EP und eine „richtige“ EP. Letztere mit Namen „Epos“ liegt nunmehr zwei Jahre zurück, den Re-Release 2011 nicht mitgerechnet. Die vier Songs, zuzüglich Intro und Outro, gaben einen guten Ausblick, was das Debüt-Album der Band bringen wird. Nun war es nur eine Frage der Zeit, bis DOWNFALL OF GAIA ihre gebührende Aufmerksamkeit bekommen.

Das Interesse Metal Blades am Release von „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ ist dennoch ein wenig verwunderlich. Sowohl zwischen dem ursprünglichen DIY-Ethos der Band und ihrer vorigen Labels (u.a. Alerta Antifascista) wie auch den übrigen musikalischen Veröffentlichungen der neuen Heimat liegen Welten. Eher wären Denovali Records oder Southern Lord passende Plattenfirmen für die kosmopolitischen Crustpunks… Doch ein Politikum um Szene und vermeintlichen Ausverkauf soll an dieser Stelle nicht das eigentliche Werk überdecken. Im Gegenteil, ich freue mich, dass DOWNFALL OF GAIA einer breiteren Masse zugänglich gemacht werden und ihr neues Album in seinen epischen Ausmaßen gleichsam auf Vinyl veröffentlichen können. Knapp sechzig Minuten Spielzeit als Doppel-LP wäre für viele Underground-Labels sicherlich ein finanzielles Risiko. So kann „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ aber ohne Limitierung den eingeschlagenen Weg von „Epos“ fortsetzen, in seinen Dimensionen noch weiter ausbauen.

Sieben Lieder, inklusive mehr als fünfminütigen In- und Outro in einer Stunde Spielzeit. Ein integrales Erlebnis, das in seiner Einheit durchdacht und kohärent fließend ist. Die Songs gehen nahtlos ineinander über, „[Asphyxia]“ endet dort, wo zuvor „[Vulnus]“ begonnen hat. Dazwischen haben DOWNFALL OF GAIA ihre Ideen und Einflüsse gekonnt erweitert. Der Post-Rock und Post-Hardcore wurden, durch vermehrten Einsatz von Effekten, weiter ausgebaut, finden krassere Dynamik als zuvor. Gleichsam sind weitaus mehr Elemente aus dem (Post-) Black Metal in die Musik gekommen und erweitern „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ um neue Fassetten. Die Crust-Wurzeln der Band sind in den Hintergrund gerückt, aber immer noch präsent, wenn auch oft nur in der Attitüde. Die Mischung selber ist, ähnlich wie bei Planks, nicht weiter in einem Schlagwort zu umreißen. Vielmehr ist es, als ob der monolithische Hardcore von Fall Of Efrafa auf den Shoegaze-geschwängerten Black Metal von Gottesmorder trifft, Erinnerungen an Tombs, Planks und vielleicht sogar Alpinist mit einfließen lässt.

Selbst in den ruhigen Passagen sind DOWNFALL OF GAIA verdammt kraftvoll und pessimistisch. Die leichten Lichtblicke in „I Fade Away“ sind nur trügerische Scheinbilder. Viel zu oft prescht die Musik verstörend in nihilistisches Geballer und zerstört die letzten Hoffnungsschimmer. Dennoch halten gerade die genialen Harmonien der Lead-Gitarre immer eine leicht träumerischen Atmosphäre aufrecht, die in den ausufernden Songstrukturen einen gewissen Halt gibt. Darum funktioniert „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ trotz seiner Intensität über die gesamte Spieldauer ohne auch nur annähernd langweilig zu werden.
Exemplarisch mag das bereits zuvor über Youtube verbreitete „In The Rivers Bleak“ die Dimensionen des Albums veranschaulichen, wo dichte, polyphone Klangteppiche zwischen fettem Doom und rasenden Black Metal verbindet, kalte Wut in Gesang und dissonantem Riffing den Hörer verstört. Angepisster klingt da nur noch „Given Their Heir To The Masses„, das wohl den finstersten Augenblick dieses Debüts darstellt.

Durch die weitere Intensivierung der bekannten Stilmittel und durch die neu entdeckten Einflüsse sind DOWNFALL OF GAIA als Band und Songwriter wahrlich über den bereits ordentlichen Status von „Epos“ hinausgewachsen. Sicherlich hätten manche Songs auch kompakter funktioniert. Doch gerade „I Fade Away“ lebt vom Zusammenspiel von Melancholie, Chaos, Dynamik und blanker Wut in seinen epischen Ausmaßen. Und übertragen kann man das auch vom Gesamtbild des Albums sagen. Ein Highlight des Jahres, was die schwere Frage aufwirft: Welches Post-Metal Album ist 2012 das bessere? Planks‚ „Funeral Mouth oder dieses hier?

Infos:
Metalblade Records – 05.10.2012
CD/2LP/Download – 7 Lieder / 57:41 Min.

https://www.facebook.com/DownfallofGaia
http://www.downfallofgaia.com/
http://www.metalblade.com/downfallofgaia/