Downfall Of Gaia – Begraben unter dem Druck von außen…

Suffocating In The Swarm Of Cranes“ ist wohl eines der mächtigsten Metal-Alben des Jahres. Losgelöst von Genre-Grenzen, spielen DOWNFALL OF GAIA irgendwo zwischen Doom, Sludge, Black Metal und etwas Hardcore. Damit sind sie ihren einstigen Crust-Wurzeln deutlich emanzipiert. Ob aber der Schritt von kleinen DIY-Labeln wie Alerta Antifascista zu dem dicken Fisch Metalblade notwendig war, warum Dreadlocks noch lange kein notwendiges Accessoire in der Szene sind und wie der Niedergang des Mutterbaumes mit Vorurteilen zu kämpfen hat, verrät mir Gitarrist und Sänger Dominik im Interview.


1. Hey Dominik! Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein paar Fragen vom NecroSlaughter nimmst. Wie geht es Dir? Wie ich auf eurer Facebook-Seite entnehmen konntet, hat euer Auftritt auf dem Bloodshed kein gutes Ende genommen, ihr wurdet zum zweiten Mal innerhalb von relativ kurzer Zeit beklaut. Shit, ich hoffe, es waren keine zu großen Verluste für euch!

Hey Chris! Erstmal vielen lieben Dank für das Interview!
Stimmt! Leider wurde uns beim Bloodshed Fest zum zweiten Mal in kürzester Zeit das Auto aufgebrochen und halb leer geräumt. Während es ein paar Monate zuvor, auf unserer Sommer Tour, „nur“ die komplette Tourkasse war, waren die Verluste dieses mal eher privater Natur. Ein paar Laptops, Bassgitarre und Rucksäcke, gefüllt mit vielen privaten und liebgewonnenen Dingen, was ziemlich ärgerlich war.

2. Ihr seid zwar eine der wenigen Bands, die in Zeiten von Facebook noch eine richtige Homepage pflegt – und nicht etwa einen billigen Blogspot -, dennoch haltet ihr euch dort mit Informationen über eure Kapelle sehr zurück. Und ich muss gestehen, auch wenn man sich schon ein paar Mal gesehen hat, weiß ich von euch eigentlich nur, dass eure Mitglieder etwas verteilt voneinander wohnen, ihr euch seit eurer Gründung ordentlich den Arsch abspielt und im Mai 2010 einen neuen Drummer bekommen habt. Also nur ganz wenig. An dieser Stelle fangen wir das Interview also mal mit einer richtig langweiligen Standardfrage an, erzähl uns, wie alles begonnen hat und was so die wichtigsten Ereignisse in der Bandgeschichte waren.

Anton und ich haben 2006 angefangen, gemeinsam Musik zu machen. Damals noch mit Tim, unserem ersten Drummer. Wir kannten uns alle schon von unseren früheren Bands. Diese Nummer ging dann aber im Laufe der Zeit den Bach runter und es war Zeit für Veränderungen. Also gab es 2008 eine zweite Gitarre und Peter ist in die Band eingestiegen. Von dem Tag an änderten wir auch unseren Namen zu Downfall of Gaia und veröffentlichten unser erstes Demo. Man kann also sagen, Downfall of Gaia entstand aus der Asche unserer alten Band. Musikalisch wurde nun ebenfalls eine andere Richtung eingeschlagen. Vorher konnte man uns eher in die Crustpunk-Schublade stecken. Im späteren Verlauf gab es noch ein paar Wechsel am Schlagzeug. Und nach Sven (Drummer #2) sind wir nun seit 2010 gemeinsam mit Hannes unterwegs.
Begonnen hat alles in Hannover und Hamburg. Mittlerweile ist eine Stadt mehr hinzugekommen, so dass wir nun auf 3 Städte verteilt leben. Anton und Hannes leben in Hannnover, Peter in Hamburg und ich selber lebe in Berlin.

3. Nachdem wir nun die langweilige Vorstellungsrunde hinter uns haben, kommen wir direkt mal an ein pikantes Thema: DOWNFALL OF GAIA hat mal im tiefen DIY-Underground angefangen. Eure Konzertsäle waren die besetzten Häuser und die AZs dieser Welt. Eure Platten kamen immer in Kooperation von mehreren kleinen Labels raus, unter anderem über/mit Alerta Antifascista. Für euer letztes Album „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ seid ihr aber bei Metal Blade Records untergekommen. Das birgt doch Gesprächsstoff für mehrere interessante Fragen. Fangen wir mal einfach an: Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Wenn ich mir den eher Metal-Pop-lastigen Roaster des Labels anschaue, passt ihr auf den ersten Blick gar nicht so recht ins Bild….

Das ganze kam eigentlich ziemlich überraschend und unerwartet zustande.
Kurz bevor wir unsere neue Platte „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ aufnehmen wollten, sind Metal Blade mit uns in Kontakt getreten. Alles war also schon bis ins letzte Detail geklärt und geplant. Studio, Artwork, Songs…
Anfangs waren wir uns etwas unsicher, ob Metal Blade die richtige Heimat für unsere Musik sein wird, aber nachdem wir eine ziemlich gute Kommunikation mit dem Label hatten und diverse Unklarheiten geklärt werden konnten, gab es für uns keine Zweifel mehr, diesen Schritt zu gehen. Momentan sind wir sehr zufrieden und gespannt, was die Zukunft bringen wird.

4. Ich kann mir vorstellen, dass euer Deal bei Metal Blade auch bei den Szene-Nazis für böses Blut gesorgt hat. Durftet ihr euch Vorwürfe über „Ausverkauf“ und „Verrat“ anhören? Wenn ich mich recht erinnere, waren Alerta Antifascista nicht sonderlich begeistert, haben euch aber dennoch eine gute Zukunft gewünscht…

Die Reaktionen fielen zum großen Teil eher positiv aus und viele Leute haben uns einfach nur alles gute gewünscht.
Wir haben auch schon mit dem Schlimmsten gerechnet, dass sich im Internet (natürlich anonym) mal wieder die Finger wund geschrieben werden. War aber alles nicht so wirklich der Fall. Mit unseren alten Labels Alerta Antifascista, Moment of Collapse und Shove Rec. sind wir auch im Guten „auseinander gegangen“. Alle haben unsere Entscheidung akzeptiert und uns nur das beste gewünscht, auch wenn es auf der anderen Seite schade war, die Zusammenarbeit zu beenden. Mit allen Labels haben wir immer noch einen guten und freundschaftlichen Kontakt. Gerade mit Alerta Antifascista und Moment of Collapse.

5. Vielleicht an dieser Stelle eure Chance um einige Dinge klar zu stellen: Wer nicht unbedingt den dicken Szene-Wächter spielen muss, und trotz dem vntvem Mainstream-Label immer noch mehr Wert auf die Musik legt, fragt sich vielleicht, wie es denn in Zukunft mit DOWNFALL OF GAIA aussieht. Wie man sieht, spielt ihr immer noch auf Veranstaltungen wie dem Bloodshed oder in dreckigen AZs, wie dem Autonomen Zentrum Aachen. Scheinbar hat sich also doch nicht viel geändert, und der Sell-out auf dem Wacken Open Air steht noch etwas in der Ferne, haha! Liegt an dieser Stelle die Zwangsmitgliedschaft in der Gema nicht etwas wie ein Fluch auf euch? Die besetzten Häuser scheißen sicherlich was auf Gema-Abgaben, aber was ist mit den kleinen AZs, die versuchen, unkommerzielle Konzerte zu fahren?

Die Gema ist wirklich ein absoluter Drecksverein! Leider gehörte dieses aber zum Teil des Vertrags und das war uns vorher bewusst. Wir wollen Konzerte in selbstverwalteten Räumen, AZs und guter DIY Atmosphäre nicht missen und es gibt immer Mittel und Wege eine solche Show stattfinden zu lassen, ohne das jemand zu Schaden kommt. Wie du schon erwähnt hast, scheißen diverse besetzte Räumlichkeiten auf die Gema-Abgaben, welche für ein solches Konzert fällig wären. Sollte dieses aber nicht der Fall sein, verrechnen wir die Gema-Abgaben für einen solchen Abend mit unserer „Gage“. So das für ein AZ (oder ähnliches) keinerlei extra Kosten anfallen und das Ganze nur auf unseren Schultern ausgetragen wird. Diverse größere oder subventionierte Läden zahlen in den meisten Fällen eine Gema-Pauschale. Leichter ist es also nicht geworden, aber durchaus noch möglich.

6. Dafür, dass Crust, Metal und Hardcore immer so tun, als ob sie so tolerant und offen wären, gibt es immer wieder Szene-Polizisten, die einem unangenehm auf die Finger schauen. Eigentlich erscheinen Fragen um das Aussehen von Musikern immer etwas kindisch. Dennoch kann ich mir gleichsam vorstellen, dass jemand, der eine Band nach ihrer Plattenfirma beurteilt, auch den Ausverkauf darin sieht, dass Du nun keine Dreadlocks mehr trägst…

Also meine Dreads habe ich schon seit enigen Jahren nicht mehr. Ich weiß aber was du meinst. Jede Subkultur hat einen gewissen Anteil an Stereotypen, welche sich gegenseitig auf die Finger schauen. Das ist natürlich ziemlich schade, da gerade die Punk/Crust/HC–Subkultur für ein offenes miteinander stehen sollte. Ist aber oftmals nicht wirklich der Fall und bei vielen mutiert das ganze zum absoluten Modelaufsteg ohne sonderliches drum herum und Inhalte. Das sind dann meist auch genau die Leute, die den Zeigefinger am höchsten halten und meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

7. Noch intoleranter als bei der Kleiderordnung, ist man innerhalb der Szene bei der Frage nach Religion. Und ich habe Gerüchte vernommen, dass eines eurer Mitglieder bekennender Christ sein soll. Das soll auch schon zu Problemen oder zumindest Erklärungsnot geführt haben, richtig? Recht informiert bin ich über die Geschichte nicht, vielleicht kannst Du mir hier etwas Klarheit geben?

Unser Gitarrist Peter ist gläubig, das stimmt. Das ganze hat „Szeneintern“ vor einigen Jahren für ziemlich „Zündstoff“ gesorgt und es ging drunter und drüber. Ich finde, hier sollte man ganz klare Grenzen ziehen. Ich persönlich habe mit dieser Art von Glaube absolut nichts am Hut und werde auch niemals verstehen, wie Mensch in dieser Sache eine gewisse Art von Bestätigung findet. Auf der anderen Seite steht es mir absolut nicht zu, Leuten vorzuschreiben, was sie glauben oder denken sollen oder wie sie ihr Leben zu leben haben.
Peter ist gläubig, lässt dieses aber weder in unsere Musik einfließen, noch probiert er seine Umgebung zu behelligen. Das ist für mich der springende Punkt. Desweiteren setzt er sich mit dem Thema kritisch auseinander und trennt hier ganz klar zwischen Glaube und Religion.
Sofern dieser Glaube, im privaten Rahmen, fernab jeglicher konservativer Wertvorstellungen stattfindet und nicht gegen grundlegende Dinge verstößt (Anti-Homophob, Anti-Sexistisch, Anti- Antisemitisch), bin ich durchaus bereit der Sache Toleranz entgegenzubringen. Auch wenn jetzt hier wahrscheinlich wieder so einige Szenebesserwisser mit dem Kopf schütteln werden.
Es ist durchaus ein Thema, welches kritisch betrachtet werden darf, aber dann doch bitte fernab absolut veralteter Dogmen.
Natürlich könnte man jetzt noch weitaus tiefer in die Materie eindringen, das würde aber wohl den Rahmen des Interviews sprengen.

8. Wen das gesamte Gekasper um große Metal-Label, Religion und Szene-Credibility nicht interessiert, bekommt von euch mit „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ wohl den Anwärter auf das Album des Jahres! Doom, Hardcore, Post-Rock und Black Metal, vielleicht mit einer winzigen Priese Crust und Sludge, eine wahnsinnige Mischung, die aber in der Ausführung mehr als genial und stimmig ist! An dieser Stelle tat auch euer neuer Drummer Johannes dem Gesamtsound gut. Durch ihn scheinen die Blastbeats und schnelleren Passagen in die Musik gekommen zu sein. Wie siehst Du die Entwicklung von DOWNFALL OF GAIA von eurem ersten Demo über die „Epos“ und der Split mit In The Hearts Of Emperors zum aktuellen Album?

Ich würde sagen, wir haben uns von Release zu Release weiterentwickelt.
Das ganze ist ganz natürlich gewachsen und wir haben über die Jahre gelernt gewisse Elemente besser miteinander zu kombinieren, als es früher der Fall gewesen ist.
Natürlich haben wir mit Hannes auch eine ganz neue Art von Dynamik bekommen.
Durch das vielschichtige Drumming bekommen wir natürlich auch viel mehr Möglichkeiten, Songstrukturen komplexer zu gestalten. Wir ergänzen uns beim Songwriting ziemlich gut und sind jetzt schon auf neue Songs gespannt.

9. Große Einflüsse auf euren aktuellen Sound waren sicher Neurosis mit „A Sun That Never Sets“ und die ganzen Bands aus dem Post-Black Metal Underground, wie Altar Of Plagues, Wolves In The Throne Room, Gottesmorder, Fen. Welche Einflüsse würdest Du für den momentanen Sound von DOWNFALL OF GAIA nennen? Und wie würdest Du das steigende Interesse am Post-Black Metal im Bezug auf euren Deal mit Metal Blade bewerten?

Es ist immer schwer unsere direkten Einflüsse aufzulisten. Jeder von uns hört so ziemlich alles an Musik, so lange es eben gut gemacht ist. Da kommt schon so einiges zusammen, wenn wir aufeinander treffen. Ich würde aber schon sagen, dass bei dieser Platte Doom, Sludge und Black Metal einen großen Anteil hatten.
Das der momentane Post-Black Metal Trend in einem Atemzug mit dem Deal mit Metal Blade zu erwähnen ist, würde ich so nicht sagen. Bei unseren früheren Releases hatten wir zwar auch Black Metal – Anteile, im Vergleich zur neuen Platte haben wir uns aber eher zurückgehalten oder es zumindest nicht so intensiv eingebaut. Und da Metal Blade unsere neuen Songs zum Zeitpunkt des Signings noch gar nicht gehört hatten, spielte der aktuelle Trend wohl eher keine große Rolle für das Signing.

10. Wie waren bisher denn die Reaktionen aus den unterschiedlichen Szenen auf euer neues Album? Gab es da eklatante Unterschiede zwischen dem DIY-Underground um Crust und Punk und der Metalszene?

Die Reaktionen sind zum großen Teil ziemlich positiv ausgefallen. Was uns natürlich sehr freut! Wir hätten auf jeden Fall nicht mit so viel positiver Resonanz aus der Metalecke gerechnet. Das war für uns ziemlich überraschend und wir waren schon vor Release gespannt, wie die Platte wohl ankommen würde. Aber ist dann ja nochmal alles gut gegangen ;)

11. Lassen sich DOWNFALL OF GAIA an dieser Stelle überhaupt in einer bestimmten Szene verorten? Seht ihr euch als Metalheads, Crusties oder dem Hardcore zugehörig? Macht diese klassische Einsortierung von Menschen nach ihrem Musikgeschmack überhaupt noch Sinn, wo immer mehr Bands Genregrenzen aufweichen und Musik somit auch für Leute außerhalb einer Szene interessant machen?

In letzter Zeit lese ich in Bezug zu Downfall of Gaia immer wieder den Begriff „Post Metal“. Vielleicht trifft es das ganz gut. Auch wenn wir uns persönlich in keinerlei Schublade einordnen lassen wollen. Wir machen das, was uns gefällt und das ist meist Genre-übergreifend. Ich finde es heutzutage allerdings wirklich immer schwieriger, Bands in gewisse Kategorien einzuordnen. Mehr und mehr verschmelzen diverse Musikstile und viele Bands kreieren so ihren eigenen Sound.

12. Ich mache da kein großes Ding drauf, „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ ist für mich der heißeste Anwärter auf den Titel „Album des Jahres 2012“! Doch ganz Konkurrenzlos wart ihr dabei nicht. Die stilistisch ähnlichen PLANKS haben mit ihrem aktuellen „Funeral Mouth“ die Messlatte ziemlich hoch gelegt. Was hältst Du vom Release der Kollegen?

Danke für die netten Worte!
Um ehrlich zu sein, habe ich es noch nicht wirklich geschafft, mir die neue Planks mal in eins anzuhören. Von daher kann ich dazu gerade nicht wirklich viel sagen. Was ich gehört habe, hat mir gefallen und optisch ist die Platte auf jeden Fall sehr schick aufgemacht.

13. Für die Aufmachung von „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ habt ihr euch wieder etwas sehr feines einfallen lassen. Ich kenne zwar nur die limitierte Auflage, aber diese ist wunderschön: Doppel-LP auf schwerem, braun/schwarzem Vinyl im Gatefold inklusive Poster. Dabei ist auf der D-Seite der Platte ein Etching mit Kranichen zu sehen. Ich komme ja eher aus dem Death Metal und bin immer wieder fasziniert von den anderen Ästhetikvorstellungen anderer Szenen. Prinzipiell sieht man im düsteren Hardcore viele europäische Tiere, wie den Fuchs oder die Eule, die auch eines eurer Shirts ziert. Doch wie kann ich an dieser Stelle den Kranich verstehen? Den Bezug vom Etching zum Albumtitel bekomme selbst ich noch hin, aber wie muss oder kann ich die Phrase „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ verstehen?

Der Kranich ist in diesem Fall als etwas Negatives zu verstehen. In der japanischen Mythologie steht der Kranich für Herrlichkeit, Langlebigkeit und Glück.
Wir wollten damit ausdrücken, wie schwer es ist, ein Teil von eben diesem Ganzen zu sein.
„Suffocating In The Swarm Of Cranes“ betitelt unser Konzeptalbum, welches die Geschichte einer Person erzählt, die den Boden unter den Füßen und sich selbst verliert. Eine Person, welche dem Druck von außen nicht mehr stand halten kann und in einer sich immer schneller drehenden Gesellschaft zu Grunde geht. Begraben unter dem Druck von außen. Kapitalistischer, wie zwischenmenschlicher Natur.

14. Gleichsam brauche ich etwas Starthilfe zu eurem ersten Video. „In The Rivers Bleak“ ist ein wunderschöner Clip! Anders als andere Bands, zeigt ihr hier keine Performance-Mitschnitte und kein Rumgepose. Ihr nutzt die komplette Spieldauer, und das sind immerhin gut acht Minuten, um eine Kurzgeschichte zu erzählen. Eine verstörende Kurzgeschichte! Die Darsteller sind sehr markant und authentisch, man kann die Emotionen wunderbar aus Mimik und Gestik ablesen. Die fragmentarische Komposition der Bilder erledigt ihr übriges, um ein sehr obskures Gesamtbild zu schaffen. Doch auch wenn ich einzelne Bestandteile dieses Fragments verstehe, erschließt sich mir noch nicht die komplette Story. Vielleicht kannst Du mir und meinen Lesern einen Denkanstoß geben, worum „In The Rivers Bleak“ geht?

Ich finde es immer schwierig und vielleicht auch ein wenig unnötig, visuelle Kunst als solches zu erklären. Das Video bietet definitiv eine Menge Interpretationsspielraum und genau das war auch unser Anliegen. Ähnlich wie bei unseren Texten, welche wir metaphorisch verpacken und somit dem Hörer ebenfalls einen gewissen Spielraum zur Interpretation bieten. Auch wenn das alles natürlich eine definitive Aussage hat. In dem Song „In The Rivers Bleak“ geht es thematisch um den eingeläuteten Zerfall eines Menschen, welcher zwischen Depression, Schlaflosigkeit und Wahnvorstellungen den Bezug zur Realität verliert.

15. Ich beobachte euch schon seit irgendwann 2009. Damals bin ich auf Myspace über euch gestolpert und habe mir dort auch eure Tour-EP runtergeladen. Doch erst mit der „Epos“ habe ich dann was physisches von euch in die Hände bekommen und seither meine Sammlung komplettiert. Was ist mit eurem alten Material? Eure Demo, die Tour-EP und das Split-Tape mit Kazan, besteht hier die Chance für ein Re-Release? Die ursprüngliche Auflage dürfte ja mittlerweile ausverkauft sein…

Da muß ich dich leider enttäuschen. Diese Releases werden wir nie wieder veröffentlichen.
Es wird also nur die paar Kopien geben, welche wir vor einigen Jahren released haben.

16. Wie anfangs erwähnt, habt ihr euch seit Bandgründung ordentlich den Popo abgespielt. Darunter waren mitunter auch so einige ziemlich abgefahrene Locations. Zum ersten Mal habe ich euch in einem besetzten Kloster (!!) in Antwerpen gesehen. Eine abgefahrene Hütte, auch wenn die Veranstaltung eher durchwachsen war. Der gesamte Abend fing erst verdammt spät an und es war verdammt kalt die Nacht über… Darum kann ich mir vorstellen, dass ihr noch an anderen, erwähnenswerten Orten gespielt und beeindruckende Erlebnisse zum erzählen habt! Plaudere doch einfach mal was aus dem Nähkästchen über die besten/schlechtesten/beeindruckendsten Erfahrungen und Locations aus der Karriere von DOWNFALL OF GAIA!

Och… da gibt es schon so einige Ecken, an denen wir gespielt haben.
Die Veranstaltung in Antwerpen war zwar wirklich ziemlich kalt, aber das können wir defintiv noch toppen. Da gab es schon so einige Konzerte im Winter, bei denen es einfach unfassbar kalt gewesen ist. Das gleiche galt dann oft für die Schlafplätze. In den USA haben wir im Januar in einer Scheune gespielt. Unsere Finger waren so kalt, dass wir die Instrumente gar nicht so wirklich bedienen konnten. Gerne erinnere ich mich auch an eine Benelux-Tour, gemeinsam mit Alpinist, als wir alle knapp 40 Grad Fieber hatten (uns ging es wirklich schrecklich) und nur noch nach Hause wollten. In einem Squat hatten wir dann Schlafplätze in einem Keller, welcher keine Fenster hatte, in dem tief des Nachts noch Pommes frittiert wurden. Geschlafen haben wir auf verschimmelten und nassen Matratzen, während sich neben unseren Köpfen Drogen eingeworfen wurden und eine Tür weiter, hinter der dünnsten Wand der Welt, die lauteste Elektroparty der Welt stattfand. Aufs Klo gehen war auch nicht wirklich drin, weil das komplette Klo knöcheltief in Urin getränkt war. Aber neben solchen Geschichten gibt es auch eine Menge tolle Locations. Ich erinnere mich z.B. immer wieder gerne an das Doom over Leipzig Fest 12. Dort haben wir in einem alten Kino/Theater gespielt. Das war einfach verdammt beeindruckend! Vor kurzem haben wir in Belgien auf einem Boot gespielt. Das hatte ebenfalls ziemlich Charme!

17. Dominik, vielen Dank für Deine Zeit und Antworten! Ich hoffe, meine teilweise provokanten Fragen waren nicht zu nervig, sondern haben euch etwas Raum zur Erklärung gegeben. Und vielleicht war dieses Gespräch auch für Dich ein wenig unterhaltsam, wer weiß, haha! Wir sehen uns demnächst in irgendeinem besetzten Haus oder einem verranzten AZ! Die letzten Worte gehören DOWNFALL OF GAIA und Dir!

Lieben Dank für das Interview und das Interesse! Das wissen wir wirklich zu schätzen!
Bis bald mal wieder!


Chris (Hans Wurst @ NecroSlaughter.de) / Dominik (Gitarre/Gesang @ Downfall Of Gaia) 22.10.2012/20.11.2012
© Bilder: Metalblade/Downfall Of Gaia

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