Deus.exe – Collapse

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Das Cyberpunk-mäßige Cover, der Bandname, der an die populäre Videospiel-Reihe „Deus Ex“ erinnert – man wird direkt eine etwas elektronischere, industriell angehauchte Interpretation des Metals vermuten. Und so spielen DEUS.EXE auch irgendwie Industrial Death Metal.
Das richtig gut gemachte Artwork, das durch aufklappen des Booklets auf dreifache Größe noch imposanter wird, und die konzeptionelle Herangehensweise (ich sag nur „Obsolete„) lassen schnell Parallelen zu Fear Factory vermuten. Dass der Gitarrist von DEUS.EXE gleichermaßen das Pseudonym (?) Dino trägt, erhärtet an dieser Stelle den verdacht. Und in der Tat, häufig erinnert „Collapse“ an die letzteren Werke der Industrial Metal Urgesteine.

Doch wäre es eine plumpe Fehleinschätzung, die Kölner als bloße Kopie Fear Factorys zu bezeichnen. Denn „Collapse“ versucht sich vielschichtig. Es finden sich, neben den bereits erwähnten Einflüssen, auch moderne Stakkatos und dezente Anleihen aus dem Djent, kalte Garstigkeit des Black Metals, sowie auch Inspirationen aus Doom, Thrash und sogar ein wenig Prog auf dem Album. Dabei passieren die progressiven Momente in der Regel im letzten Drittel des jeweiligen Songs, werden meist durch leicht konfuse Soundgebilde aus Synthies und Keyboards erzeugt, derweil die restliche Struktur doch eher geregelte Bahnen nimmt. Die Ausprägung dieses tonalen Intermezzos ist jeweils unterschiedlich, im extremsten Moment ziert sogar ein Hauch Jazz „Soliptic Detachment„.

Trotz dieser angedachten Diversität, leidet „Collapse“ aber sehr unter seiner Spieldauer. Gerade das siebeneinhalb minütige „H+ (3 – Deletion)“ ist ein Quell der Langeweile und passt mit seinem schleppenden Doom nicht so recht in die ansonsten mechanisch treibenden Lieder. Und bereits zuvor, und definitiv danach, schwächelt das Album unter seiner Länge. Durchschnittlich über vier Minuten sind die einzelnen Tracks, knapp 65 Minuten das gesamte Album. Da könnte man glatt das richtig gute „Ultraviolet Light“ verpassen, wenn man „Collapse“ vorschnell und angeödet aus der Anlage nimmt.

Mit kompakteren Songs und einer etwas gestraften Gesamtzeit, hätten DEUS.EXE aber durchaus ihren Charme. Denn eigentlich ist die erste Albumhälfte durchwegs ordentlich gemacht. Rein instrumental fehlen zwar die außerordentlichen Momente, das ist aber teilweise in dem mechanoiden und sterilen Konzept geschuldet. Wo die Gitarren eher rhythmusorientiert arbeiten müssen, können halt keine fetzigen Riffs entstehen. Dafür wurden die Stakkatos endlich mal in einem logischen Kontext verwertet, was mir bisher bei noch keiner Deathcore/Metalcore/Wurstcore-Kapelle untergekommen ist.

Die richtigen Akzente setzt bei DEUS.EXE wohl Sänger Leo. Derweil seine Shouts eher durchschnittlich bis nervig sind, ist sein klarer Gesang immer eine Aufwertung der Songs. Zugegeben, einige Gesangslinien sind verdammt cheesy und häufig an der Grenze zum kitschigen. Doch gleichzeitig verleihen viele Hooklines den Songs erst den richtigen Charakter. Da stört es mich auch wenig, dass „Bathed In Dark Matter“ oder „Soliptic Detachment“ schon verdammt radiotauglich sind, und „Pathogen“ mit ziemlich pathetischem Gesang aufwartet. Der Klargesang macht hier einfach richtig Spaß!

Collapse“ mag in seiner Länge sicher einige Schwächen haben. Dennoch erschaffen DEUS.EXE ordentliche Songs. Besonders hat die Band einen eigenen Stil-Mix kreiert und spielen extremen Metal abseits der aktuell angesagten Ausprägungen. Selbst die Djent-Einflüsse sind zu keinem Moment Trendanbiederei. Das muss man der Band schlicht und einfach zu Gute halten. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass gerade die moderne, mechanophile Interpretation des Metals und die häufige Verwendung von klaren Vocals „Collapse“ für viele typische NecroSlaughter-Leser uninteressant macht.

Natürlich ist eine Band, die über technologische Dystopien singt, auch dem Internet zugetan. So gibt es neben der richtig gut aufgemachten CD-Version natürlich auch den digitalen Download zu kaufen. Und wer sich im Vorfeld noch einen eigenen Eindruck von „Collapse“ machen will, kann das in Gänze über das Bandcamp-Profil der Truppe machen.

Infos:
Eigenproduktion – 2012
CD – 13 Lieder / 64:44 Min.

https://www.facebook.com/deusdotexe
http://deus-exe.com/
http://deusexe.bandcamp.com/