Brutal Unrest – Nemesis

 , ,

Irgendwie hinterlässt „Nemesis“ einen durchwachsenen Eindruck bei mir. Auf ihrem zweiten Album in zehn Jahren Bandbestehen, spielen BRUTAL UNREST sehr eindimensionalen Brutal Death Metal – und positionieren sich dennoch nicht eindeutig. Es ist gar ein absurdes Bild! Zuweilen ist man geneigt, den Musikern durchaus technische Fähigkeiten zuzutrauen. Doch dann stolpert die CD wieder über langweilige Riffs und unspektakuläre Songstrukturen, die sogar aus potentiell interessanten Harmonien schnell ein kleines Schlaffmitteln zaubern. So geschehen mit dem melodischeren Mittelteil in „Lunatic Hate„. Auch das eher zähflüssige Sweepingsolo aus „Death To All“ scheint nicht ganz zu den spielerischen Fähigkeiten der Band zu passen.

Doch diese kleinen Unzulänglichkeiten auf „Nemesis“ sind sicher eher eine Detailfrage. Die allgemeine stilistische Ausrichtung von BRUTAL UNREST wirkt leicht desorientiert, zu wankelmütig. Der Titeltrack ist wirklich brutal und über seine Spieldauer auch noch mal eine interessante Wendung. Gleiches gilt auch für „Death To All„, das darüber hinaus auch eine gewisse majestätische Erhabenheit ausstrahlt. Lediglich durch die Verspieltheit der Musiker geht hier etwas Power flöten. Das soll der Sache aber keinen Abbruch tun, denn den die zwei Beispiele sind eindeutig die stärksten Momente der „Nemesis„. Eher die Schattenseiten lassen das Album so unentschlossen und belanglos wirken. Der Versuch auf dicke Hose in „Eden’s Desecration“ oder der mordslangweilige Slam-Part in „Exsistence In Obscurity„. Interessanter ist da die Mischung aus Handkanten-Groove und Brutal Death Metal zu Beginn von „Priest Of Profanation„, das in seiner übertriebenen Tanzbarkeit nicht ganz an die potentielle Brachialität der Band herankommt.
Wo „Heretic Revenge“ schön geradlinig und brutal aus den Boxen böllert, und mit dezenten Einflüssen von Suffocation und Cannibal Corpse (die auch später noch mal in „Nemesis“ zitiert werden) noch recht solide erscheint, schwächelt „Nemesis“ zum Ende hin deutlich in seiner Durchschlagskraft. Ein wenig mag das vielleicht daran liegen, dass sich instrumentelle Zwischenspiele mit Brutal Death Metal nicht sonderlich vertragen, und BRUTAL UNREST unnützerweise direkt drei solcher Stolperfallen auf dem Album versteckt hat: Intro, Outro und die Zäsur „Desiderium Mortis„.

Nun sitzen BRUTAL UNREST auf „Nemesis“ zwischen den Stühlen. Um eine richtig derbe Brutal Death Metal Band zu sein, fehlt es deutlich an der Kompromisslosigkeit, die beispielsweise Gorezone mit Lässigkeit aus dem Ärmel schütteln. Für eine dicke Slam Kapelle sind die Riffs zu langweilig und nicht mitreißend genug. Und um den stellenweise angedeuteten Anspruch der Virtuosität gerecht zu werden, sind die Songstrukturen zu eindimensional und die Riffs zu langweilig. Es bleibt ein eher durchschnittliches Album. Doch ein kleiner Trost besteht: Gerade durch die groben Macken eignet sich das Material gut für das Moshpit vor der Bühne. Dort sollte der Funke schnell überspringen und BRUTAL UNREST zu einem kurzweiligen Vergnügen machen!

Infos:
Aural Attack – 12.10.2012
CD – 10 Lieder / 36:53 Min.

http://www.brutalunrest.de/
https://www.facebook.com/brutalunrest
http://www.auralattack.de/