Stench Of Decay – Stench Of Decay

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Awesome! Killer!! MUST-HAVE!!! Verdammte Axt, jeder Death Metal Fan mit nur latenten Ansätzen von Geschmack hört nun bitte auf zu lesen, und kauft sich auf der Stelle diese Compilation! Doch natürlich nur, wenn er die ursprünglichen Veröffentlichungen noch nicht sein eigen nennt. Denn hier handelt es sich nicht um das lange erwartete, erste Full-Length von STENCH OF DECAY, sondern um eine Zusammenstellung, die das bisherige Schaffen der finnischen Death Metal Band erneut auf CD umfasst. Chronologisch finden sich hier das erste, selbstbetitelte Demo „Stench Of Decay„, das ursprünglich als CDr von der Band selber vertrieben wurde, das „Where Death And Decay Reign“ Demo, das über Detest und Me Saco Un Ojo als Tape und MLP veröffentlicht wurde, und die „Visions Beyond Death“ 7″, die gleichermaßen über das underground Dreamteam raus kam. Inklusive dem Abhorrence-Cover „Vulgar Necrolatry“ sind das 10 Songs in 51 Minuten Spieldauer. Eine verdammt gute Anthologie einer verdammt guten Underground-Band!

Zugegebenermaßen stellt „Stench Of Decay“ meinen ersten Kontakt mit den Frühwerken von STENCH OF DECAY dar. Die ersten beiden Demos waren mir nur namentlich über das mächtige Mystical Music Fanzine ein Begriff. Darum kann ich mich an dieser Stelle auch glücklich schätzen, dass Ektro Records diese wundervolle Zusammenstellung aller bisher veröffentlichten Songs getätigt hat.

Alleine das erste Lebenszeichen der Band, das selbstbetitelte Demo aus dem Jahre 2005, zeigt STENCH OF DECAY von ihrer besten Seite! In der Retrospektive ist dieses forsche, ungeschliffene Material das beste, was die Band bisher veröffentlicht hat. Düsterer, ungestümer Death Metal, der deutlich seine Wurzeln im finnischen Underground hat. Ad hoc erinnern einige Passagen an frühe Purtenance, doch die wilden, teils verschrobenen Songstrukturen und Riffs zeigen auch deutliche Parallelen zu alten Cryptopsy. Sowohl im eröffnenden „Alive And Rotting„, wie auch im Titeltrack „Stench Of Decay“ finden sich mehr als offensichtliche Züge der kanadischen Chaoten. Besonders letztgenannter Song profiliert mit verschobenen Beats und dem wilden Wechsel zwischen Gitarren- und Bass-Solo. So krank, so kaputt, so wunderschön!
Da bilden „Souls Of Possession“ oder „Ultimately Beheaded“ fast schon passende Konterpunkte. Doch auch hier finden sich obskure Gitarrenarbeiten, düstere Leads drückende Grooves.
So abwechslungsreich, wie das „Stench Of Decay„-Demo ist, so brutal und aggressiv ist es gleichermaßen. Alleine diese vier Songs stellen eine fundamentale Daseinsberechtigung für diese Compilation dar.

Dagegen ist „Where Death And Decay Reign“ vergleichsweise gezügelt. Dieses Urteil darf man aber nicht allzu vernichtend werten. Vielmehr zeigt das zweite Demo von 2009 die Progression der Band. Direkt das eröffnende „Creation Of Carnal Lust“ schlägt Bezüge zur mächtigen Erhabenheit Bolt Throwers und behält weiterhin die ungezügelte Energie des ersten Demos inne. Im Verlauf dieses Demos ist das Wechselspiel zwischen den finnischen Einflüssen von Abhorrence und Purtenance zu Bolt Thrower eine vielschichtige und abwechslungsreiche Geschichte des Death Metals. Auf ihrer Stilsuche zeigen sich STENCH OF DECAY experimentierfreudig und fassettenreich, was sie von vielen Copycats deutlich abhebt. Da passt die Huldigung der alten Schule über das Abhorrence-Cover auch wunderbar ins Gesamtbild.

Die Transformation scheint mit der „Visions Beyond Death“ vollkommen. STENCH OF DECAY halten sich ihre rohe, ungezügelte Kraft, wissen aber aber nun, wie man die immense Energie und Spannung bündelt und in finsterem und dennoch groovigen Gesamtpaket verschnürt. Trotz seiner Rohheit besitzt diese 7″-EP nun eine klare Ausrichtung. Die Band scheint ihren Stil gefunden zu haben und sammelt nun Kraft für ihr erstes Album in voller Länge. Und nach „Visions Beyond Death“ harrt man der Dinge die kommen, mit stockendem Atem.

Als Dokument der Entwicklung von STENCH OF DECAY ist diese gleichnamige EP ein unerlässlicher Zeitzeuge. Es zeigt eindrucksvoll, wie aus der jungen, ungestümen Band langsam aber sicher eine bedrohliche Macht wird. Auch wenn ich persönlich fast die ungezügelte, naive Herangehensweise des ersten Demos bevorzuge, findet sich zu keiner Sekunde ein Ausfall auf „Stench Of Decay„. Hier gibt es nur Death Metal der alten Schule, ohne einengendes Korsett aus Szene-Konventionen und Credebility-Zwängen. Die Musik fließt einfach, logisch und natürlich. Und auch wenn an manchen Stellen vielleicht ein paar Unreinheiten und Fehler durchschimmern, wird diese Compilation gerade durch diese Ecken und Kanten so unglaublich sympathisch. Kauft das Teil, unterstützt die Band und wartet genau so angespannt wie ich auf das Debüt-Album. Es kann nur großartig werden!

Infos:
Ektro Records – 2012
CD – 10 Lieder / 51:08 Min.

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