Parasite – Invation

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Der erste Eindruck ist ja ganz positiv. PARASITE zieren ihr Debütalbum „Invastion“ mit einem gut gemachten Cover. Mit einer H. G. Wells -ähnlichen Dystopie, einer zerstörten Welt, nur nicht unter der Invasion der Marsianer, sondern von Lovecraft-inspirierten Parasiten in Anlehnung an diverse Larven- und Insektenarten. Ein stimmiges Bild, das eigentlich einen hohen Qualitätsanspruch erkennen lässt und Vermutungen an ähnlich endzeitliche Musik erweckt.

Doch sind PARASITE musikalisch auf ihrem ersten Lebenszeichen nicht annähernd in der gleichen Liga, wie es der Illustrator ihres Artworks ist. Stilistisch befindet sich die Band noch deutlich zwischen den Stühlen. Gelegentlich hört man Death Metal Gitarren. Darauf treffen passende Growls, werden aber durch verdammt schwachbrüstige Shouts ergänzt, die ihre Wurzeln wohl im Hardcore haben sollen. Im Kontrast stehen melodische, wenngleich sehr generische Thrash Riffs und grauenvolle Metal- oder Deathcore-Breakdowns, die eigentlich immer die vorangegangenen, teilweise brauchbaren Ideen einfach zerkloppen. Die selbst zugeschriebenen Grindcore-Einflüsse beschränken sich dabei auch eher auf den leichten Death-Grind-Einfluss der Musik. Denn zu keiner Sekunde gibt es auf „Invasion“ richtigen Grindcore zu hören. Dafür sind die Blastbeats zu kraftlos und die stumpfen Riffs zu sehr im Metal beheimatet.

Gelegentlich erinnert mich die Herangehensweise an Greed Killing. Einfache Gitarrenarbeiten und betonter Groove im Midtempo sind dabei aber die einzigen Parallelen. Die leider verschiedenen Grindpunks sind immer im Punk und Crust zuhause gewesen, wodurch die Musik dreckig und räudig war. Und zu guter Letzt in ihrer Simplizität durchaus Sinn machte und funktionierte. Bei PARASITE werden hingegen viel zu häufig unnötige, neue Parts in die Songs eingefügt, die gänzlich gegen einen schlüssigen Aufbau arbeiten. Seien es minimalistische Drei-Ton-Soli, ein zwanghaft eingeschobener Breakdown oder auch nur die wirrsche Mischung aus Slam Death und Thrash Riff. Es wirkt nicht rund! Und wenn ich ehrlich bin, fehlt es auch den Midtempo-Passagen am richtigen Groove, den beispielsweise Goregrind-Bands locker zwischen ihr chaotisches Geboller packen können und dennoch stimmig klingen.

Neben diesen musikalischen Unzulänglichkeiten, bleiben mir zwei Fragen und eine gelinde Enttäuschung: Ist „Desaster 21“ ein Protestlied gegen Stuttgart 21 – ich habe keine Lust den Text zu lesen…? Und wie kommt so ein Debüt direkt über ein Label heraus? Zugegeben, Garage Records ist verdammt klein und undergroundig. Dennoch ist die Qualität von „Invastion“ so mangelhaft, dass ich tendenziell eher eine Eigenproduktion vermutet hätte. Am Ende des Albums verschenkt PARASITE dann deutlich an Potential. Statt Guns’n Roses mit „Paradise City“ zu Covern – selbst Guns’n Roses kann Death-Grind sein, hört mal „You could be mine“ von Poostew! -, wird ein taugenichtser, eigener Song gespielt. Schade, hier wäre die Möglichkeit zu einem netten Gimmick gewesen.

Infos:
Garage Records – August 2012
CD – 14 Lieder / 38:40 Min.

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https://www.facebook.com/pages/Garage-Records/174599165922170