Dephosphorus – Night Sky Transform

 , , , , , , , ,

Nicht nur der Nachthimmel wandelt sich, auch DEPHOSPHORUS durchlebten eine konsequente Veränderung in ihrem Stil. Vor mehr oder minder einem Jahr hinterließ das Debüt-Album „Axiom“ bei mir einen bleibenden Eindruck. Die Griechen konnten sich nicht mit einer Genre-Schublade zufrieden geben, und eröffneten mit Einflüssen aus Grindcore, Hardcore, Sludge, Crust und etwas Black Metal flux die eigene Nische „Astrogrind“. Über Sinn und Unsinn von solchen Neologismen kann man gerne streiten – und tut es als Musik-Fan sicher auch. Doch die etwas eigenwillige Interpretation des extremen Sounds war auf jeden Fall ein richtig fettes Brett. Da strauchelten DEPHOSPHORUS bei meinem zweiten Kontakt schon ein wenig. Auf der Split mit den brachialen Wake konnte man nur den zweiten Platz belegen, wirkte durch die komprimierte Spielzeit etwas eingeengt. Auf dem aktuellen Album „Night Sky Transform„, das wohl von der Spieldauer am ehesten den Namen Full-Length verdient hat, nimmt man sich hingegen die benötigte Zeit und liefert die längste DEPHOSPHORUS-Platte bisher ab.

In zehn Songs über knapp 32 Minuten verlebt „Night Sky Transform“ aber eine etwas andere Ausrichtung als der Vorgänger. Der Grindcore ist deutlich in den Hintergrund gerückt. Auch wenn es immer noch brutale Blastpassagen gibt, die räudiger den je klingen. Vielmehr pendeln DEPHOSPHORUS nun zwischen einer abartig dreckigen Form des Black Metals und dem wohl schwärzesten Hardcore. Welche Seite nun dominiert, variiert über die Spieldauer. Mal ist ein dissonanter Black Metal mit leichten Parallelen zu Deathspell Omega vorherrschend und prägt „Cold Omen„, „The Fermi Paradox“ oder „The Astral Putch„. An anderer Stelle steht eindeutig Hardcore als führendes Element, formt maßgeblich „Identify The Encapsulator“ oder den Titeltrack.
Einhergehend mit den unterschiedlichen Ausprägungen, mutieren auch die Herangehensweisen auf „Night Sky Transform„. „Starless“ ist in seinem gelebten Minimalismus sehr düster und mürbend. Man kann von vertontem Nihilismus sprechen. Gleichsam reduziert ist „The Astral Putch I„, das aber wieder schwarzmetallische Auswüchse annimmt. Als krasser Kontrast steht „Identify The Encapsulator“ fast schon vertrakt und mit verschrobenen Riffs dagegen. Gänzlich neue, fast schon experimentelle Züge nehmen „The Fermi Paradox“ oder „Unconscious Excursion“ an, wenn mit klarem Gesang eine verdammt verstörende Atmosphäre erzeugt wird.
Dennoch sind die Highlights des Albums eher in der goldenen Mitte dieser abgefahrenen Klangkollage zu finden. Das geniale „Night Sky Transform“ zieht den Hörer mit seinem fetten Doom-Rock-Groove mit und das abschließende „Aurora“ brettert geradewegs alles nieder, knüpft fast schon wieder an den Grind von „Axiom“ an.

Zunächst war diese Entwicklung vom furiosen Grind zu noch experimentierfreudigen, reduzierten und dennoch nicht weniger extremen Klängen so befremdlich, wie DEPHOSPHORUS sicherlich ihr Album auch konzipiert hatten. Es brauchte schon einige Durchläufe, bis ich mit dem neuen Sinn für Langsamkeit und gelebtem Minimalismus klar kam. Vielleicht lag das auch am etwas dumpfen Klang der Scheibe? Oder dem etwas penetranten Schreigesang? Doch dann hat sich „Night Sky Transformation“ in seiner vollen Klangwelt entfaltet. „Axiom“ ging schneller auf. Dafür wächst die neue Platte immer und immer weiter – und bietet fast noch mehr zu entdecken als die Vorgänger.

Damit der Fan auch neben der Musik noch einiges zum Entdecken hat, haben sich Band und Label wieder mächtig ins Zeug gelegt. Von 7degrees Records kennt man ja bereits die opulenten Aufmachungen seiner Releases. Doch „Night Sky Transform“ hat mich schlicht wieder umgehauen! Im dicken Gatefold mit verdammt packendem, düsterem Artwork findet sich eine schwere 180g Schallplatte auf schwarzem Vinyl, stilecht im gleichfarbigem Innersleeve. Neben einem kräftigen Einleger mit den Texten findet sich auch ein großes Poster mit einem Schädel/Widder-Chimären als Gimmick dabei. Und wie auch schon bei seinen letzten Releases, ist Simon für „Night Sky Transform“ wieder eine Kooperation mit DIYLoad.com eingegangen. Also bekommt man zur LP auch noch einen Download-Code, damit man das Album auch unterwegs auf dem iPod oder anderem MP3-Abspielgerät konsumieren kann. Dieses extrem dicke Package gibt es für einen verdammt fairen Preis von 14 Euro zuzüglich Porto und Verpackung direkt von 7degrees Records.

Wer also mit einer Weiterentwicklung von DEPHOSPHORUS leben, sich langsamere Momente und mehr Black Metal gut im dreckigen Hardcore/Crust-Gewand der Band vorstellen kann, sollte unbedingt zuschlagen, bevor dieses Value-For-Money-Paket ausverkauft ist. Wer aktuell noch zögert, hört gefälligst auf Bandcamp in die Scheibe rein und lässt sich überzeugen. Vom Titeltrack, „Starless“ oder „Aurora“ als Höhepunkte der Platte. Und im Anschluss vom Rest. Denn Ausfälle gibt es auf „Night Sky Transform“ keine!

Infos:
7degrees Records – August 2012
LP – 10 Lieder / 31:29 Min.
http://dephosphorus.com
https://www.facebook.com/dephosphorus
http://dephosphorus.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/pages/7DegreesRecords/443059589044797?fref=ts
http://www.myspace.com/7degreesrecords