Boiler – Der Mann umgekehrt proportional zur eigenen Maske

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Zu ihrer letzten Veröffentlichung, der 2009 erschienenen Promo „Mit Druckluft durch die Prärie, war ich BOILER noch sehr wohlwollend gesonnen. Ich mochte die selbstironische und untypische Herangehensweise außerhalb der Musik. Das Steampunk-Comic-Cover der Promo war richtig schnieke und auch so Wortwitzen wie „Atüla der Druckluftkönig“ (Debüt-Album von 2008) stießen bei mir auf Gefallen. Musikalisch musste BOILER hingegen noch einiges an Nachholbedarf attestiert werden.

Seit der Druckluft-Promo und dem aktuellen Album sind nun drei Jahre ins Land gezogen. Eine Zeit, in der ich vielleicht noch etwas mehr mein Verständnis für die Art von Musik abgebaut habe. Aber auch eine Zeit, die BOILER gar nicht für eine Weiterentwicklung genutzt haben. Eigentlich vermute ich fast das Gegenteil, dass der stuttgarter Band ein wenig die Ideen ausgegangen sind. Bis auf „Atüla“ und das Intro wurden alle Lieder der Demo-EP wieder verwendet. In der Resteverwertung ist man sogar noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit gegangen, und hat „Fürchtet euch“ vom ersten Full-Length exhumiert und überarbeitet.

Fünf alte Schinken, unnützes In- und Outro, am Ende bleiben acht neue Songs, verpackt unter dem bereits verwursteten Namen „Der Mann umgekehrt proportional zur eigenen Maske„, rausgebracht auf dem Label vom Fleshless Vladimir, Nice To Eat You Records. 33 Minuten zwischen tschechischem Goregrind, Slam und Brutal Death Metal. Und zu keiner Sekunde hört man einen minimalen Fortschritt der Band. So unwirrsche und zusammenhangslose Songs wie „Behemecoatyl“ klingen fast schon wie ein Schritt in die falsche Richtung. Komisch, denn gerade der „älteste“ Track des Albums, die überarbeitete „Fürchtet Euch 2.0„-Fassung ist neben „Bullseye“ wohl das herausragendste und beste Lied der Scheibe. Letzteres wurde in seinem Gesamtbild auch von Borman von Pigsty veredelt, was aber kaum Einfluss auf die etwas interessantere instrumentale Komposition gehabt haben wird.

Neben diesen gelungeneren Momenten und einigen eher durchschnittlichen Augenblicken wie in „Schätzholz“ oder dem CBT-artigen „Cryptiuwa„, befindet sich aber hauptsächlich belangloser Krach auf „Der Mann umgekehrt proportional zur eigenen Maske„. Die Grooves sind nur selten richtig ausgearbeitet und erinnern nur sporadisch an Spasm oder CBT. Die Wechsel zu hyperschnellen Blastbeats der Marke Mastaba, Brodequin oder Resection ergeben für mich selten Sinn. Zumal diese Begleitung häufig nicht zur Gitarre passt, die wesentlich langsamer spielt. Dass die Riffs allesamt recht langweilig, austauschbar sind und keine Aussage haben, bleibt an dieser Stelle nur eine Randbemerkung. Denn die Mankos von BOILER liegen mehr im Gesamtbild, als bei den einzelnen Musikern. Die Slams und Grooves sind weiterhin schlicht prollig und stumpf wie sau. Was diese abartig schnellen Blastbeats sollen, verstehe ich einfach nicht. Die schnellen Snare-Schläge klingen nicht wirklich brutal, sondern oft hohl und kraftlos. Am Ende bleibt häufig nur blitzeschneller Krach, zu schnell für die tanzfreudigen Goregrinder, mit zu wenig Kawumms für die Brutalo-Hardliner und für jeden wohl zu undifferenziert und gesichtslos.

In dieser sehr vernichtenden Kritik muss Sänger Mario aber positiv hervorgehoben werden. Seine Stimmbandakrobatik umfasst ein weites Spektrum, von Schreien, Shouten, Grunzen, Blubbern, Pig-Squeals/Inhales, über den vergessenen Frog-Noise zum angesagten Bree-Bree. Wo ihn Drummer Marc unterstützt hat und ihm vielleicht manche Lorbeeren zuspielt, kann ich leider nicht sagen. Wohl aber, dass der Gesang noch das abwechslungsreichste an „DMupzeM“ ist.

Doch am Ende ist das Album nichts weiter, als eine konsequente Fortsetzung von „Per Druckluft durch die Prärie“ und wahrscheinlich auch „Atüla der Druckluftkönig„, was ich nicht kenne. Vielleicht ist gerade diese stoische Verweigerung jedweder Entwicklung eher mein Problem mit BOILER, als mein über die Jahre gesunkenes Verständnis vom Brutal und Slam Death Metal. Oder gar ihrer Musik selber. Wobei die schon ziemlich stumpf und prollig ist, nach wie vor. (;

Infos:
Nice To Eat You Records / Sevared Records – 2012
15 Lieder / 32:29 Min.

https://www.facebook.com/boilerdeathgrind
http://boiler.bandcamp.com/
http://www.myspace.com/nicetoeatyourecords