Obscenity – Atrophied In Anguish

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Lange Zeit war es verdammt still um OBSCENITY. Das letzte Album „Where Sinners Bleed„, das seinerzeit (2006) mit voller Punktzahl Album des Monats auf NecroSlaughter.de wurde, liegt schon etwas länger zurück. Zwischenzeitlich wurde die Band 2009 sogar komplett aufgelöst. Rund ein Jahr später arbeitete Gitarrist Henne aber schon wieder am Neuanfang. Für den Gesang fand er den US-Amerikaner Jeff Rudes. Für das Schlagzeug kam Ex-Drummer Sascha Knust, der bis zur „Intense“ bei den Oldenburgern spielte, wieder ins Boot. Von Tears Of Decay komplettierte Bassist Jörg Pirch das Line-Up. Abermals verging etwas Zeit, doch nun ist das achte Album „Atrophied In Anguish“ fertig. Für die Veröffentlichung nahm sich Apostasy Records, vormals Delicious Bowels Agency, in die Pflicht.

Dass sechs Jahre zwischen „Where Sinners Bleed“ und dem aktuellen Full-Length liegen, hört man gar nicht. Im Gegenteil, eher hat man das Gefühl, als ob OBSCENITY sich eher an ihren früheren Werken orientieren. So klingt „Atrophied In Anguish“ wesentlich brutaler und härter als der Vorgänger. Gleichzeitig vermisst man aber auch etwas dessen hohe Hit-Dichte. Tendenziell fühle ich mich stark an „Intense“ erinnert, was vielleicht auch am Wiedereinstieg von Drummer Knust liegen kann. Aber auch bei diesem Vergleich muss man Abstriche machen. Denn der 2000er Output war noch derber und roher. An dieser Stelle sind OBSCENITY doch gewachsen.
Auch technisch gab es eine Evolution: Ohne zu aufdringlich zu sein, finden sich einige sehr anspruchsvolle Momente auf dem Album. Kleine Einwürfe und ein etwas ausgiebiger Teil in „Hysterical Illusion“ und einige Passagen in „All You Can Kill„, „Neurotic Pain“ oder „Diary Of A Scapegoat„, die mich gar an Deadborn denken lassen. In der Tat eine interessante Entwicklung, da gleichzeitig ein wenig der Cannibal Corpse-Sound zurück gegangen ist. Aber nur ein wenig und auch nur im direkten Vergleich zum Vorgänger, denn an allen Ecken und Enden hört man noch die Florida-Einflüsse heraus, sowohl von den genannten Kannibalen, als auch von Monstrosity oder Malevolent Creation.

In der Kombination gelingen OBSCENITY richtig geile Songs. „Diary Of A Scapegoat“ ist ein vielschichtiger Track, in dem viel passiert, und der mit seinem geilen Break und nachfolgendem Scorpions-Solo richtig rockt. „Perfect Pain“ überzeugt gleichsam mit einem eher rockigen Solo. „Monoistic Living“ sticht mit seinem untypischen Anfang und seinem coolen Ende hervor. Dagegen ist „All You Can Kill“ schon klassischer aufgebaut, aber nicht weniger umwerfend.
Dass in der Album-Mitte ein kleiner Durchhänger ist, fällt eigentlich kaum ins Gewicht. Denn selbst die eher gleichförmigen Songs sind immer noch auf gutem Niveau. Doch wäre es sicher nicht verkehrt gewesen, wenn OBSCENITY etwas mehr des Hit-Verständnisses von „Where Sinners Bleed“ auf „From Heroic To Depraved“ oder „Swine To The Slaughter“ übertragen hätten. Andererseits kann man verstehen, dass die Band nach sechs Jahren Ruhe mit einem ordentlich brutalem Knall wieder auf der Bildfläche erscheinen wollte.

Atrophied In Anguish“ ist sicher nicht das beste Album von OBSCENITY. „Where Sinners Bleed“ ist wesentliche eingängiger, „Intense“ roher, „Cold Blooded Murder“ eine gute Schnittmenge dazwischen. Doch für eine Welcome-Back-Scheibe ist es immer noch amtlich. Nun kann man sich freuen, wohin die Oldenburger ihren typischen Sound mit dem nächsten Output hinführen.

Infos:
Apostasy Records – 14.09.2012
10 Lieder / 37:15 Min.

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