F.I.D. – Flagitious Idiosyncrasy In The Dilapidation

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Im Grind-Bereich gibt es immer und immer wieder Bands, die sich selber keinen Gefallen tun. Zugegeben, mit solchen komplizierten Zungenbrechern wie FLAGITIOUS IDIOSYNCRASY IN THE DILAPIDATION bekommt man vielleicht etwas Credibility, aber aussprechen oder gar merken können sich wohl die wenigsten Leute einen solchen Namen. Gleichsam ist es auch wenig hilfreich, wenn man dann noch ein selbstbetiteltes Album herausbringt. Da ist das weniger ansprechende, nichtssagende Artwork noch glatt das kleinste Übel. Hingegen tut der aachener Enthusiast Georg sowohl der Band, wie auch der Szene einen dicken Gefallen. Ursprünglich wurde „Flagitious Idiosyncrasy In The Dilapidation“ nämlich bereits von Bizarre Leprous Productions im Jahre 2008 veröffentlicht. Da diese Auflage aber scheinbar nur schwer erhältlich ist, nahm sich der Fan in der Pflicht, das Album selber noch mal zu veröffentlichen. Kurzerhand wurde für dieses erste Release das Label Tu Nicht Gut eröffnet und das Album noch mal um 1000 Einheiten reproduziert. Ob diese Menge in Zeiten von Downloads, sinkenden CD-Verkäufen und der Renaissance der LP noch sinnvoll ist, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Wichtiger und ehrenwerter ist hingegen der Umstand, dass ein Fan die Initiative ergriffen hat und für die Musik, die er liebt, in die Vollen gegangen ist. Meinen größten Respekt dafür!

In Unkenntnis der ursprünglichen Pressung, kann ich um die Änderungen an der Verpackung nur wenig Aussage treffen. Doch für ein Re-Release ist das Booklet schon etwas mager. Neben dem etwas dunkel geratenem Artwork finden sich nur ein paar Meta-Daten zum Album auf der Rückseite des vierseitigen Einlegers. In der Mitte ziert Eigenwerbung des jungen Labels die Fläche. Der Fokus liegt an dieser Stelle also ganz klar auf der Musik von F.I.D..

Auf diesem – meines Wissens nach einzigem – Album spielen F.I.D. geradlinigen und ziemlich kompromisslosen Grindcore. An einigen Stellen erinnert das brachiale Gekloppe ein wenig an die tschechische Schule, doch dann zeigen die vier Mädels erst richtig ihre räudige Seite. Richtig gelesen, hinter F.I.D. verstecken sich vier harmlos aussehende, japanische Frauen. Mit dieser Randinformation klingt das Album noch wesentlich rotziger und dreckiger. Rein vom Bandfoto her, hätte man so ein abgefucktes Inferno wohl niemals erwartet, haha! Aber F.I.D. brauchen keinen Exoten-Bonus, denn ihr gnadenloses Gebolze spricht auch so für sich. Zu dem Standardrepertoire des klassischen Grindcores, hektische Gitarren, punkige Attitüde und wirklich atemberaubendes Drumming, kommen im späteren Albumverlauf auch noch ein gewisses Verständnis für rockige Riffs, tonnenschwere und drückende Grooves und diverse Einflüsse aus Punk, Hardcore und Rock hinzu. Aller Bausteine zum Trotz bleiben F.I.D. aber immer sehr straight und hauen geradewegs auf die Fresse. Zu Beginn auch schon ordentlich, aber gewissermaßen eher im generischen Sound beheimatet, entwickeln sich die Songs in Strukturen und guten Ideen mit jeder Minute des halbstündigen Albums immer weiter. Gerade das mittlere Drittel der Scheibe ist eine gute Mischung aus derben Geholze, eingängigen Gitarren und purer Raserei.

Tu Nicht Gut tat sicher gut daran, dieses Album noch mal einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Ob sich für diese doch sehr rohe Form des Grindcores aber auch ein ausreichender Absatzmarkt finde, um die neue Auflage auszureizen, bleibt an dieser Stelle nur zu hoffen. Es wäre Schade, wenn ein solcher Enthusiast direkt bei seinem ersten Release enttäuscht würde und den Spaß an seinem Underground-Label verliert. Darum kann ich nur Appellieren: Mögt ihr Unholy Terror, Insect Warefare (mit denen F.I.D. auch eine Split veröffentlichten) oder Lycanthrophy? Dann unterstützt Georg und sein Label und natürlich auch die japanischen Mädels!

Infos:
Tu Nicht Gut – Re-Release 2012
CD – 17 Lieder / 31:42 Min.

http://www.geocities.jp/inthedilapidation/
https://www.facebook.com/pages/Flagitious-Idiosyncrasy-in-the-Dilapidation/71106425258
http://tu-nicht-gut.de/
https://www.facebook.com/tentaclesofterror