Party San Open Air 2012

Nach fünf Jahren Festival-Abstinenz sollte das Party San Open Air dieses Jahr meine Durststrecke beenden. Nicht nur auf Grund des Line-Ups ein hervorragendes Ereignis, sondern auch wegen des besonders guten Wetters. Wenn ich meinem Camp glauben darf, war seit einigen Jahren nicht mehr so schönes Wetter auf dem PSOA. Leicht bewölkt mit gelegentlichem Sonnenschein war sehr angenehm für ein paar Bierchen und laute Musik. Erst in den späten Abendstunden wurde es ein wenig frostig. Doch durch ein bisschen Bewegung im Pit und ein adäquaten Alkoholkonsum war man aber auch gegen diese etwas schattigeren Momente gewappnet.

Der Mittwoch Abend diente eigentlich nur einem Zweck: Ankommen, Zelt aufbauen und dann ordentlich Trinken. Am besten im Zelt bei der Metal-Disko. Und da man bereits am ersten inoffiziellen Abend des Festivals auf viele bekannte Gesichter stieß, wurde der Abend sehr schnell sehr alkohollastig. Gut, dass am Donnerstag die erste Band erst um die humane Uhrzeit 16:30 auf die Bühne ging. Genug Zeit für alle Parteien ihren Rausch auszuschlafen und sich etwas zu kurieren…

Donnerstag

Düstere Musik hat auf Festivals zwei Gegner: Zu große Flächen, in denen sich die sinistre Atmosphäre verläuft und Sonnenschein. Gerade wenn eine finstere Black oder Death Metal Band zu früh auf die Bretter muss, kann zu gutes Wetter der Stimmung weniger zuträglich sein. Eine Gefahr, die sich auch DEAD CONGREGATION androhte. Doch durch den eher wolkenbehangenen Himmel, konnten die Griechen ihr Glück versuchen. Leider war das Unglück der Band eher irdischer Natur: Das Instrument von Gitarrist und Sänger A.V. hatte einen Wackelkontakt und verweigerte an einigen Stellen des Sets ihren Dienst. Nicht nur die dadurch entstandene Pause nagte am Gesamteindruck der Band, sondern auch das Fehlen von Riff-Fragmenten während einiger Lieder schmälerte das Hörvergnügen. Darüber war auch A.V. ziemlich angepisst und schlug gelegentlich auf die vermeintliche Ursache des Problems ein. Wo die Lieder aber unzerhackt waren, waren DEAD CONGREGATION richtig gut. Die Jungs zeigten sich der frühen Spielzeit zum Trotz sehr motiviert und die errichteten die „Graves of the Archangels“ auf dem Flugplatz von Obermehler.

Derweil ich mir IN SOLITUDE aus purem Desinteresse geschenkt hatte, waren NECROS CHRISTOS wohl nicht nur für mich eine Pflichtveranstaltung. Deutlich mehr Leute wollten vor der Bühne dem Ritual der berliner Okkultisten in den feinen Roben beiwohnen. Mit großem Fokus auf „Doom Of The Occult“ wurden die druckvollen, schweren Songs dem Publikum eher statisch präsentiert. In Anbetracht der dargebotenen Doom-Death Zeremonie konnte man die mangelnde Bewegungsfreude der Musiker aber verkraften. Spätestens zu „Necromantic Nun“ bewegten sich die Fans ausreichend für beide Parteien. Der Song wurde – zu Recht – ordentlich abgefeiert und brachte NECROS CHRISTOS sehr gute Resonanz ein.

Ursprünglich war an dieser Stelle wieder eine kleine Pause für mich eingeplant. NIFELHEIM machen absolut nicht meine Musik. Doch aus den Augenwinkeln betrachtet, zog die Show sehr schnell mein Interesse auf sich. Bestückt mit Nieten und mit mörderischer Energie im Leibe, haben die alten Säcke Gustavsson eine verdammt gute Show abgerissen. Schnell ging das Feuer auch auf das Publikum über, die gleichermaßen vor der Bühne Party machten. Es mag zwar absolut nicht meine Musik sein, aber die Show lohnt alle Male. Respekt NIFELHEIM!

VALLENFYRE wollte ich mir eigentlich gar nicht ansehen. Irgendwie bin ich dieser All-Star-Projekte überdrüssig. Es gibt so viele, gute und talentierte junge Bands dort draußen, aber scheinbar verkaufen sich altbekannte Namen wesentlich besser. Und im Falle VALLENFYTE fallen viele Namen: Extinction Of Mankind, At The Gates, Paradise Lost, My Dying Bride, The Haunted und noch einige mehr. Gerade Drummer Adrian Erlandsson ist Hans Dampf in allen Gassen. Entgegen meiner Voreingenommenheit und Skepsis, wurden mir VALLENFYRE doch von Leuten mit verlässlichem Geschmack empfohlen. Enttäuscht wurde ich an dieser Stelle sicher nicht. Die Band war überraschend derbe und gut, von einem Name-Dropping-Projekt hätte ich nicht so rohen Sound erwartet. Doch mehr als ein guter Eindruck blieb nicht. Schnell waren die einzelnen Songs vergessen und ein weiteres Interesse an VALLENFYRE konnte bei mir nicht entfacht werden.

Ähnlich wie VALLENFYRE haben mich SOLSTAFIR bisher nicht sonderlich interessiert. Einziger Unterschied – vom musikalischen abgesehen – ist, dass ich SOLSTAFIR schon über Jahre hinweg ignoriere. Wieder auf Empfehlung – wohl diesmal von einer anderen Person – wollte ich mir die eigenwillige Mischung aus Black Metal, Rock und Post Metal selber mal ansehen. Leider ist aus dem guten Vorsatz nicht mehr als ein Versuch geworden, schnell langweilten mich SOLSTAFIR und ich ließ meine Aufmerksamkeit von einem freilaufenden Bierwagen auf sich ziehen. Naja, immerhin war der Wille da… bevor die Band richtig anfing…

Thrash Metal ist bekanntlich auch nicht meine Baustelle. Doch bei ein paar Bierchen kann man sich gerne mal eine Runde SODOM geben. Zumal Herr Angelripper mit seiner Band just ihr 30-jähriges feierten. Im Laufe der Jahre sind auch genügend gute Songs zusammengekommen, dass dieses Jubiläumsset ordentlich krachen konnte: „M-16„, „Agent Orange“ oder „Outbreak Of Evil“ waren der Soundtrack zu einem guten, wenngleich ein wenig routiniertem Auftritt. Lediglich „Ausgebombt“ fehlte an diesem Abend. Dafür zeigte sich Angelripper sehr Basis-solidarisch und bedankte sich bei den Fans artig für ihren jahrlangen Support. Nur über die etwas kurze Spielzeit musste er dann doch maulen. Aber recht hatte er, SODOM waren so kurzweilig, da hätte sicher noch ein Song gepasst.

Der Headliner des Donnerstag Abends machte bereits kurz vor er offiziellen Eröffnung des Festivalgeländes einiges an Stimmung. BOLT THROWER sind berühmtberüchtigt für ihr Merchandise und so gab es schon vor Einlass lange Schlangen an den Kontrollen. Vor dem dedizierten Stand, der nur für die Shirts des britischen Urgesteins errichtet wurde, war bald eine größere Menschentraube, als vor dem restlichen Verkaufsstand rund um das PSOA. Natürlich waren sämtliche Klamotten innerhalb kürzester Zeit restlos vergriffen. Abseits von diesem Konsum-„Event“ schafften es BOLT THROWER auch auf der Bühne eine kräftige Show. Wie immer, muss man an dieser Stelle sagen, denn die Band hält seit Jahren konsequent ihr Niveau. Mit oder ohne neues Album, denn seit „Those Once Loyal“ (2005) warten wir ja vergeblich auf neues Futter. Dafür gab es von besagter Scheibe „Anti-Tank„, wie auch die Klassiker „For Victory„, „The IV Crusade“ und „No Guts, No Glory“ nicht fehlen durfen. Was ein Brett!

Freitag

Ganz so gemütlich wie am Donnerstag, war der Freitag leider nicht. Bereits die erste Band um 12:00 war interessant und erforderte zeitiges Aufstehen. Immerhin verlangt MALIGNANT TUMOR eigentlich einen gewissen Grundpegel. Doch auch ohne viele Bier machten die Tschechen ordentlich Spaß. Durch die richtige Entwicklung vom puren Gebolze zu rotzigem Rock’n Roll birgt die Band um Bilos mächtiges Party-Potential. Ergänzt um den schrägen Humor der Truppe, wirkt die inhuman frühe Spielzeit fast wie ein Hohn. Doch mit Zebrahosen, Kutten, Minipli und Anklebschnauz bewaffnet, trotzten MALIGNANT TUMOR schlicht der Tatsache, dass ihr Publikum nicht annähernd genug getrunken hatte. Die Rechnung ging auf und die Messlatte für andere Bands des Tages wurde verdammt hoch gelegt.

Zwei Bands, die sich dem bereits im Vorfeld schon verlorenen Kampf gegen MALIGNANT TUMOR stellen mussten, waren IRON LAMB und GOSPEL OF THE HORNS. Zwei Bands, die ich im Vorfeld eigentlich nicht auf meiner Rechnung hatte, und auch mal wieder nur durch Empfehlung in meinen an sich überfüllten Zeitplan gequescht hatte. IRON LAMB haben mit „The Original Sin“ ein solides Album in der Hinterhand. Doch zu mehr als einem soliden Gig hat es dann leider nicht gereicht. Nach drei Liedern hat die Band mit ihrem punkigen Rock’n Roll eigentlich alles gesagt.
GOSPEL OF THE HORNS wurden mir auf der einen Seite wegen ihrem schweren Black Metal Einschlag ans Herz gelegt. Auf der anderen Seite wurden die Thrash-Einflüsse und die Verbindungen zu Destroyer 666 lobend hervorgehoben. Am Ende waren GOSPEL OF THE HORNS wie räudigere Celtic Frost. Im Verlauf des Sets wurden die Songs besser, aber einen wirklich umwerfenden Gesamteindruck konnten die Australier damit nicht hinterlassen.

ENTRAILS sind wohl der Shooting-Star des OSDM der letzten Jahre gewesen. Nach jahrelanger Pause von Nihilistic Holocaust zu FDA Rekotz und nun Metalblade. Auftritte auf illustren Festivals wie dem Obscene Extreme genau so inklusive wie begeisterte Meinungen von Fans und Medien zu den beiden Alben. Vielleicht waren das alles Faktoren, die meine Erwartung in ENTRAILS etwas zu hoch gesteckt haben. Immerhin hatte ich auch noch Jocke und Adde von Birdflesh im Hinterkopf, die eigentlich immer für eine gute Party zu haben sind. ENTRAILS gaben hingegen eine recht statische Show. Vielleicht lag es am etwas dumpfen Sound, aber richtig Power konnten sie nicht vermitteln. Trotz guter Songs wie „Undead“ oder „Eaten By The Dead„. Vielleicht hätte mich „Voices“ etwas versöhnlicher stimmen können, haha! Doch so fand ich ENTRAILS mehr oder minder nur solide.

GENERAL SURGERY waren ein guter Vorsatz von mir. Irgendwie kam aber das ein oder andere Bier und Gespräch dazwischen und aus dem Augenwinkel konnten mich die blutverschmierten Schweden auch nicht wirklich interessieren. Dafür war ich aber rechtzeitig für CHAPEL OF DISEASE im kleinen Zelt. Auf der einen Seite finde ich die Intention super, dass das Party San kleinen Bands ein Forum bieten will. Schade sind aber die Überschneidungen der kleinen Bands mit den großen Namen. So sollten später sowohl DECEMBER FLOWER wie auch OBSCURE INFINITY durch ihre Überlappung mit IMMOLATION meiner Aufmerksamkeit entzogen werden. Doch zunächst sollte der aktuelle Shooting-Star des deutschen Undergrounds auf die Zeltbühne. Das Demo in 166er Auflage war innerhalb von einer oder zwei Wochen restlos ausverkauft, das schürt Interesse bei den Die-Hards. So war das Zelt auch ordentlich gefüllt, als die Band nach stotterndem Intro losbretterte. Dass dies gerade mal ihren dritten Gig an dieser Stelle absolvierten, fiel wohl niemanden auf. CHAPEL OF DISEASE gaben Vollgas und haben wirklich gefetzt. Die Songs gefielen mir in diesem Kontext noch besser, als auf Kassette und stanken nur so vor ranzigem Death Metal. Dass Sänger und Gitarrist Laurent ein unglaublich hässliches, kopfloses Instrument hatte, sei ihm gerade mal dadurch verziehen, weil er verdammt filigran und mitreißend darauf spielte. In Verbindung zum vergleichsweise gutem Sound waren die kölner Newcomer eines der Highlights für mich.

Durch besagte Überschneidung mit IMMOLATION stand der Auftritt von DECEMBER FLOWER unter keinem sonderlich guten Stern. Und auch das wiederum stotternde Intro verhieß nichts gutes. Dass der Sound im Vergleich zu CHAPEL OF DISEASE auf einmal unglaublich dumpf war und nur noch das Schlagzeug dominierte, war die fatalste Komponente an diesem Gig. Was das gute Album „When All Life Ends…“ ausmacht, ist die Verbindung von virtuosen Leadgitarren und Melodien mit brutalem Geballer. Leider bliebt hier nur noch letzteres erkenntlich, derweil die Saiteninstrumente auf recht undifferenzierten Klangmatsch reduziert wurden. Schade, denn DECEMBER FLOWER waren motiviert und zeigten sich spielfreudig. Wenigstens Drummer Daniel wurde gebührend hervorgehoben. Das komplette Set konnte ich mir aber nicht geben. IMMOLATION, ihr wisst schon?!

Nachdem ich IMMOLATION das letzte Mal auf einer kleinen Clubshow im Musikbunker Aachen gesehen hatte, war ich schon etwas skeptisch wie denn das ganze auf einem Festival funktioniert. Zumal die frühe Abendstunde von 19:35 nicht unbedingt die beste Atmosphäre für diese Art des Death Metals bot; es war schlicht immer noch zu hell. Doch auf der anderen Seite sind IMMOLATION einfach eine Institution. Und so haben Ross Dolan und seine Männer schlicht einen dicken Auftritt hingelegt. Von „Dawn Of Possession“ vom gleichnamigen, ersten Album bis zu „What They Bring“ von der aktuellen „Providence„-EP boten die New Yorker eine breite Palette, die im Verlauf des Sets immer besser wurde. Einzig den Hit „Father, You are not a Father“ habe ich an dieser Stelle vermisst. Dafür gab es „No Jesus, No Beast„, was mindestens genau so gut war. Dass die Snaredrum etwas zu dominant im Sound war, verzeihe ich an dieser Stelle gerne. Dafür waren IMMOLATION insgesamt einfach zu mächtig.

Über so eine fantastische Entität wie IMMOLATION kam ich gerne etwas zu spät zu OBSCURE INFINITY. Und das, obwohl die Band mit dem Namen eines ebenso fantastischen Grave-Songs momentan mein absoluter Favorit im deutschen Underground ist. Mit wesentlich besserem Sound als DECEMBER FLOWER, fast wieder auf dem Niveau von CHAPEL OF DISEASE, konnten OBSCURE INFINITY meine Erwartungen vollends erfüllen. Mit gutem Songmaterial von ihrem Einstand „Dawn Of Winter“ und dem aktuellen, neuen Album „Putrefying Illusions“ konnte auch eigentlich nicht viel schief gehen. Hörte ich da „Ascension-Kenosis„? Sicher bin ich mir nicht. Meinen absoluten Lieblingssong „Flight Of The Nightsky“ von der Split-EP mit Profanal haben sie auf jeden Fall gespielt, ein richtiger Leckerbissen. Zum Schluss des Auftritts holte der sympathische Maniac und Frontmann Jules noch einen dermaßen abgeranzten Totenschädel hervor, dass Mayhem wie ein Kindergeburtstag wirkten. Großartig, so muss Death (!) Metal gehuldigt werden!

Mittlerweile hat sich mein allgemeiner Musikgeschmack etwas erweitert und ich höre mich auch gerne schon mal Sachen außerhalb des extremen Metals an. Darum war ich im Vorfeld sehr offen gegenüber GHOST BRIGADE, die mich mit Hörbeispielen aus dem Internet und ihrem Beitrag zur PSOA-DVD 2010 doch neugierig machten. Leider passte an diesem Abend der Kontext absolut nicht. Nach fünf Death Metal Bands am Stück, war melodischer, atmosphärischer Hardcore irgendwie nicht das richtige. Ich habe einen unglaublichen Respekt vor der Leistung und fand die Ideen von GHOST BRIGADE sehr interessant, sogar wesentlich besser als von SOLSTAFIR. Aber irgendwie hatte ich einfach keinen Bock auf die Musik. Zumindest in diesem Moment. Dennoch habe ich mir GHOST BRIGADE mal notiert, um mich vor der heimischen Anlage näher damit zu beschäftigen.

Nachdem aus NILE mit „Annihilation Of The Wicked“ etwas die Luft für mich raus war, bin ich etwas skeptisch an ihren Auftritt als Co-Headliner rangegangen. Durch die 15 Minuten Verspätung wurde meine Haltung auch nicht viel besser. Doch dann wurde der Auftritt besser als gedacht. Natürlich blieb es auf Dauer schon recht eintöniges Getacker mit technischem Gewichse, aber ein gewisses Feeling kam schon rüber, auch durch die viel zu laute Snare hinaus. Selbst die Songs von „At The Gates Of Sethu„, „Those Whom The Gods Detest“ und „Ichtyphallic“ wirkten in dem Kontext durchaus zu gebrauchen. Als Besonderheit vom „In Their Darkened Shrines„-Album gab es den selten live gespielten „Sarcophagus„. Kurz bevor ich meine Aufmerksamkeit doch dem Zelt zuwenden wollte, kam noch „Black Seeds Of Vengeance“ als krönender Abschluss.

Noch durch den letzten Song von NILE gebannt, kam ich mitten in den Auftritt von TORMENTED, die geschickt genau in die Umbaupause zwischen den Ägyptologen und IMMORTAL platziert wurden und somit als einzige Band der Tent-Stage keinerlei Überschneidung erlitten. Zumindest theoretisch, hätten NILE nicht später angefangen… Auf der Bühne gab es bereits nur noch Nebel. Aus den Boxen oldschool swedish death metal. Wie Dismember, nur ohne die geilen Melodien. Mit ihrer stumpfen Geradlinigkeit auf jeden Fall ein schönes Kontrastprogramm zum Gefrickel von NILE und immer ordentlich auf die Fresse. Dabei ließen sich TORMENTED mächtig abfeiern, forderten vom reichlich vorhandenen Publikum Anfeuerungsrufe und erfreuten sich der positiven Resonanz. Als Gegenleistung gab es von „Rotten Death„, den Opener des gleichnamigen Debüts bis zur akuellen EP „Graveyard Lust“ eine breite Palette geballter Schwedenpower. Wer waren noch mal ENTRAILS?

Von IMMORTAL kann man denken, was man will. Auch, ob die (noch) aktuelle Scheibe „All Shall Fall“ überhaupt noch Black Metal ist, kann man sicherlich streiten. Fakt ist auf jeden Fall, dass das norwegische Trio eine verdammt coole Bühnenshow abzieht. Dafür, dass gerade mal drei Leute auf der riesigen Bühne rumhüpfen, machen sie ordentlich Krawall und überzeugen als professionelle Musiker. Immer wieder stoppten die Songs, nur damit sich Abbath vom Publikum feiern lassen kann. Anschließend setzen wieder alle zusammen ein und spielen nahtlos weiter. Verdammt beeindruckend dieses Timing und dieses Zusammenspiel als Band. Gleichsam trommelt Horgh nicht, der thront! (Danke Krieger für dieses Bild!) Garniert mit guten Songs von „Call Of The Wintermoon“ über „One By One“ zu „All Shall Fall“ eine sehr energiegeladene Mischung. Ob nach einem langen Festivaltag eine Spieldauer von einer Stunde und fünfundvierzig Minuten noch angebracht ist? Für die Fans auf jeden Fall. Ich für meinen Teil habe mich nach der Hälfte des Sets von der Bühne weg bewegt…

Samstag

Verglichen zum Vortag startete der Samstag gediegen. Als erste Bands wurden RECTAL SMEGMA und TRASH AMIGOS verheizt. Erstere waren als Ersatz für Rompeprop eingesprungen und machen bei einer Clubshow in Wermelskirchen richtig Spaß. Aber ob ich mir bereits um 12 Uhr mittags auf einem Festival eine rumplige Gore/Porn-Grind-Band geben muss, ist mehr als fraglich. Der schwedische Slayer-Ripp-Off war mir hingegen bereits auf CD viel zu langweilig und uninspiriert, als dass ich mich aus dem Zeltlager auch nur einen Millimeter freiwillig weg bewegt hätte.

Etwas verwundert war ich, dass CATTLE DECAPITATION bereits um 13:30 verheizt wurden. Zugegeben, der extreme Death-Grind mit progressiven und technischen Elementen ist sicher nicht so massenkompatibel wie einige der späteren Bands. Dafür war die Show verdammt schicker Lärm! Mal wieder war das Schlagzeug etwas zu dominant und die feinen Details in den Riffs gingen schlicht unter. Auch der Umstand, dass keine füllende zweite Gitarre die Soli unterstützten, nagte schwer an dem Auftritt. Dafür hat die Spielfreude der Musiker, und im Besonderen die Bühnenshow von Sänger Travis Ryan einiges rausgehauen. Natürlich musste das neue Album „Monolith of Inhumanity“ fleißig mit „A Living, Breathing Piece of Defecating Meat“ oder „Kingdom Of Tyrants“ beworben werden. Highlight für mich persönlich war aber „Regret & The Grave„, das Meisterwerk von der letzten Scheibe „Harvesting Floor„.

NOCTE OBDUCTA schenkte ich mir nach dem recht coolen Intro. Und wenn ich von meinen Zeltnachbarn höre, dass die Band auf der Bühne extra betonte, sie verpasse wegen diesem Auftritt drei Geburtstage, kann ich das nur noch Kindergeburtstag schimpfen. Black Metal ist es auf jeden Fall nicht mehr. Da waren ARCHGOAT schon mehr meine Kragenweite. Natürlich hatte die Band alle schlechten Karten, die man so auf der Hand halten kann: Nur drei Leute für die große Bühne, stumpfe Riffs und noch stumpfere Songstrukturen. Doch richtig kombiniert, kann das auch Spaß machen. Gerade durch die radikale Fuck-Off-Attitüde von ARCHGOAT war der Gig zumindest zeitweise amüsant: Keine Ansagen und kein Danke am Ende, sondern einfach umgedreht und gegangen. Ziemlich assi, und in Verbindung mit dem Schnitzelhammer, den ARCHGOAT schangen einfach ein grobes Brett. Haben die da zwischendurch Knochen ins Publikum geworfen? Zum übertriebenen Corpsepaint und der Deko am Drumset hätte es auf jeden Fall gepasst. Und bei einer Show in einem miefigen Kellergewölbe wäre die Nummer sicher auch sehr gut angekommen. So auf dem Festival wurde es schnell etwas zu monoton.

Im Anschluss sorgten RAGNAROK für etwas Chaos. Durch immense Verspätung mussten zunächst WARBRINGER ihre Position tauschen und anschließend wurden noch TOXIC HOLOCAUST vorgezogen. Beide Thrash Bands genießen bei mir eher nebenläufiges Interesse. WARBRINGER haben den ein oder anderen guten Song. Doch wirklich begeistern konnten mich die ersten Minuten auf dem Party San nicht wirklich. Da platzierte ich mich lieber schon mal mit einem Bierchen im Zelt…

Die Tentstage war an diesem Tag nicht ganz so spannend bestückt, wie am Freitag. Dennoch gab es zwei Pflichttermine. Der erste war REVEL IN FLESH um kurz nach fünf Uhr. Ebenso wie bei CHAPEL OF DISEASE war es gerade mal der dritte Auftritt für die Jungs um Ralf Hauber, Macher des Mystical Music Fanzines und ex-Bassist von Immortal Rites. Die gelinde Anspannung war den Musikern zu Beginn auch anzumerken. Doch im Verlauf des Auftritts wurden alle lockerer. Mit brauchbarem Sound, der auch die Details in den Leadgitarren und Soli erkennen ließ, und den Hymnen „Iron Coffin“ oder „Wings Of Death“ war das Publikum schnell begeistert. Spätestens zum abschließenden Benediction-Cover „Subconcious Terror“ waren die vorderen Reihen ausnahmslos am Headbangen. Ein solider Auftritt, der mir besser als TORMENTED gefallen hat. Doch da ist noch Luft nach oben!

Immer noch durch die Verspätung durcheinander gewürfelt, tönten draußen bereits TOXIC HOLOCAUST. Das sehr angeschwärzte, letzte Album „Conjure And Command“ war eigentlich nicht schlecht. Ein Grund, der Band mal eine Chance zu geben. Doch trotz ordentlichem Gebolze und richtig rohem Sound kam irgendwie nicht der Punk auf. Fleißmärkchen gibt es von meiner Seite, mehr aber nicht!

Einer meiner vorfreudigst erwarteten Acts dieses Jahr waren wohl INCANTATION. Scheinbar war ich damit nicht alleine, denn Frontmann John McEntee stand gleichsam ein breites Grinsen ins Gesicht gemeißelt. Voller Spielfreude und mit wirklichem Enthusiasmus mussten natürlich Klassiker wie „Golgotha“ oder „The Ibex Moon“ präsentiert werden. Aber auch der recht neue Track „Absolved in Blood“ von der aktuellen Split mit Denial Fiend wurde mit der Aussicht auf das neue Album gespielt. Da der eigentliche Drummer von INCANTATION nicht mit auf Tour konnte, hatte man Sam Inzerra mit dabei, der unter anderem aktuell bei MORTICIAN und zusammen mit McEntee bei FUNERUS spielt. So wurde also die Gelegenheit genutzt und man spielte zusätzlich noch das MORTICIAN Cover „Mortician“ und von FUNERUS *hust* vom „Reduced To Sludge“ Album. Ein verdammt guter Auftritt, der gefühlt viel zu kurz war. Dafür aber unerwarteten Bonus mit sich brachte. Ich bin begeistert!

Die zweite Pflichtveranstaltung der Tentstage waren an diesem Abend VENENUM, die gerade mal eine selbstbetitelte Mini-CD auf dem Markt haben. Dennoch war es ein angesagter Tipp, das Zelt war gut gefüllt. Auf der Bühne sah man primär Nebel, wo gelegentlich Pfähle mit Totenschädeln als Deko aufblitzten. Die Bühnenshow war reduziert auf minimalistisches Headbanging und pointierte Choreografien aller drei Saiteninstrumentalisten. Gleichsam wie ARCHGOAT wurde keine Zeit mit Ansagen vergeudet, sondern durch Rückkopplungen in die passende Atmosphäre versetzt. Durch den etwas besseren Sound, waren die Lieder auch leichter zugänglich, als auf „Venenum„. Besonders „Crown Of Reversion“ kam verdammt mächtig! Garniert mit der kraftvollen Präsenz der Band als Einheit waren VENENUM die wohl schwärzeste Band des Party Sans und richtig böse. Besonders geil war da auch das Ende, als alle Musiker die Bühne verließen und die Instrumente zur Rückkopplung an die Verstärker stellten. Erst ein Techniker kam irgendwann auf die Bühne, um die Amps abzuschalten. Grandios.

Nach der infernalischen Raserei von VENENUM im Zelt, wirkte die Mainstage wie ein Kasperletheater. TANKARD feiern dreizigjähriges – hatten wir das dieses Jahr nicht schon mal vor ein paar Tagen? -, mussten also beste Bier- und Feierlaune mitbringen und großzügig verteilen. Da durfte auch ein aufreizendes Mädel mal den Gerre zu „A Girl Called Cerveza“ über die Bühne jagen. Der sympathische Frontmann betrieb an diesem Abend eh Hochleistungssport – zumindest für seine Verhältnisse – und lief unentwegt umher. „(Empty) Tankard“ oder „Freibier„, das kennt man. Partystimmung haben TANKARD auf jeden Fall verbreitet – sofern man gewillt war, diese auch entgegen zu nehmen. Nach VENENUM verweigerte ich mich zumindest ein wenig. Ein Bierchen ließ ich mir aber doch aufschwatzen.

NAGLFAR habe ich das letzte Mal vor gefühlten tausend Jahren in der Westfalenhalle in Dortmund gesehen. Damals fand ich die Band so unglaublich nervig, dass ich eigentlich erstmal bedient war. Doch mein einziger Album-Kontakt „Pariah“ stimmte mich etwas versöhnlich. Darum gab es hier die zweite Chance. Leider wieder ohne sonderlichen Erfolg. „The Perpetual Horrors“ habe ich mir noch mit leichtem Kopfnicken angehört, dann war mein bisschen Interesse an NAGLFAR auch schon wieder verflogen. Vielleicht beim nächsten Mal wieder.

Nachdem DEICIDE sich im Vorfeld aus dem Billing zurückgezogen haben – wer hätte was anderes erwartet? – wurden BEHEMOTH als Headliner für den letzten Tag verpflichtet. Eine Band, die mich gelinde gesagt nicht sonderlich interessiert. Doch wiedermal gab ich einer Empfehlung nach, dass die Band zumindest live einen gewissen Unterhaltungswert besitzt. Mit fast einer halben Stunde Verspätung durch immense Umbaupause wurde meine Geduld schon im Vorfeld ordentlich strapaziert. Doch das Warten lohnte sich überraschenderweise doch. BEHEMOTH machen immer noch vergleichsweise uninteressante Musik. Aber die Kombination mit der opulenten Show ist schon verdammt imposant. Okkulte Mikrophonständer, brennende Kreuze, wohl durchdachte Bühnenausleuchtung und verdammt professionelle Choreografien ließen den Auftritt zu einem kleinen Event werden. Dennoch war für mich nach einer halben Stunde alles gesagt. Da erschienen mir ein paar Bierchen am Zeltlager doch akut attraktiver…

the end of all things to come

Insgesamt wusste das Party San auf voller Linie zu überzeugen. Hervorragende Koordination rund um das Festival, kein sonderlich nennenswerte Ausfall bei den Bands, viele großartige Auftritte und ein Haufen cooler Leute. Warum bin ich nicht schon früher dahin gefahren? Ich kann es mir selber nicht erklären.

Es war schön alte und neue Bekannte mal (wieder) treffen zu können und somit muss an dieser Stelle auch ein dickes Danke für ein großartiges Festival rausgehen: Heiko und seiner Familie von Mortem.records/Voenger.de, Patrick von Voenger.de, Michael vom Tod & Teufel-Blog, Matthias dem Frankfurter, dem Rest vom Camping-Ground C5, dem Crustfrosch, Fabian von DESERTED FEAR, Stefan von HARM, Krieger von CHAPEL OF DISEASE, Ralf von REVEL IN FLESH/Mystical Music Fanzine, Stefan von OBSCURE INFINITY, Søren von WOUND, René von PURGATORY, Manuel von DECEMBER FLOWER, Dirk von MY COLD EMBRACE, Christoph von CELEBRATE HATE, Alex von NAGELFAR, René von EVIL HEDGEHOG, Rico von FDA Rekotz, Marco und Roger von Rotten Roll Rex, Tom von Power It Up, Jerry von Detest Records, Hannes von Weed Hunter Records, Roy von Trümmer Pogo Records, Mr. Deichkot von Possessed.de/Radio Mähdrescher/EMA, Adrian von Powermetal.de/Totgehoert-Blog, Lobi, Marcus, Hage und der restlichen Crew vom Ancient Spirit Webzine, Rene von Time-For-Metal.eu, Thorsten und Daniel vom AJZ Wermelskirchen, und natürlich den coolen Bands, den Veranstaltern und nicht zuletzt der hervorragenden Crew, die wirklich einen verdammt guten Job gemacht haben! So locker und erfreulich muss ein Festival verlaufen!

Um ausreichend mit allen und jedem ein Bierchen zu trinken oder zu quatschen, reichte die Zeit einfach nicht. Darum hoffe ich, man sieht sich nächstes Jahr wieder!

http://party-san.de/