22.01.2012 – Blank, Siphilisation, Vestiges @ AZ, Aachen

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Infos:
Damage: €5,-
Einlass: 19:00h
Beginn: 20:55h

Bands: Blank, Siphilisation, Vestiges

Man ist ja beinahe versucht, dem Wetter mal wieder die Schuld zu geben. Immerhin war nach langer Durstphase der Sonnenschein zu verführerisch. Ich selber muss gestehen, dass mir nachmittags im Park nicht unbedingt die Lust nach dem schattigen Bunker des AZs stand. Sicherlich waren aber auch der Umstand des Sonntagabends und der lokal eher unpopulären Musik auch Grund dafür, dass sich nur wenige Besucher zum Konzert von VESTIGES, SIPHILISATION und BLANK in das Autonome Zentrum begaben.

Im großen Konzertsaal spielte keine der Bands auf der Bühne. Vielmehr wurde davor ein kleiner Bereich mit einem Teppich für das Schlagzeug ausgekleidet. Monitoring gab es nicht, was auch den ein oder anderen Musiker etwas gestört hat. Dafür waren die Boxen für das Publikum wohl auf der Bühne platziert und sorgten für einen verdammt guten Sound!

Der Anfang des Abends war vergleichsweise zeitig. Als regelmäßiger Gast der Location weiß man: Wenn der offizielle Einlass mit 19 Uhr angekündigt ist, wird vor 21 Uhr sicher keine Band die Bühne betreten. Ein wenig war ich dann schon überrascht, dass mehr oder minder gleichzeitig mit meinem Eintreffen in den Kellerräumen BLANK ihr erstes Stück intonierten. Nachdem mich die Band bereits mit Throwers im AZ überzeugen konnten, war die Erwartung und Vorfreude entsprechend hoch. Durch das Wohnzimmer-mäßige Setup bekam die ohnehin atmosphärische Show von BLANK noch einen weiteren, heimeligen Aspekt. Wieder gestützt durch Tonschnipsel aus einem neuen Sampler, wurde der Musik noch eine weitere Fassette verliehen. Dass gleichsam durch die neue Gerätschaft auch ein wenig Einarbeitung in der Handhabung den perfekten Ablauf gestört haben, viel wohl niemandem im Publikum auf.
Nach dem guten Auftritt, den BLANK selber als Generalprobe für ihre anstehende Tour mit Unrest sahen, konnte man auch endlich die neue Platte der erwerben.
http://blankhc.bandcamp.com/

Mit dem Wachstum der Zivilisation geht auch die Siphilisation einher. Ein Zitat, was unter anderem auch Verwendung in den Samples von SIPHILISATION fand. Doch neben den Samples war wohl die Geige der ungewöhnlichste Aspekt an den Belgiern, die unter anderem auch die Chaos Bar in Leuven veranstalten. Interessiert, aber teilweise auch skeptisch wurde die Mischung vom Publikum erwartet. Doch auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich die Mischung aus Doom-Hardcore, Crust und Geige nun gut finden soll, muss man SIPHILISATION einiges attestieren: Experimentierfreude, mächtige Atmosphäre und vor allen Dingen spieltechnisches Können! Es hat wirklich Spaß gemacht Drummer und Bassisten bei ihrer Arbeit zuzusehen. Die Bassläufe waren genre-untypisch und auch die Pattern an den Kesseln waren intelligent und voller Dynamik. Dazu kamen interessante Wendungen aus schleppenden Parts in D-Beat, Blastbeat und wieder absolut mürbendes Downtempo. Häufig begleitet von den schwermütigen Melodien des Streichinstruments. Ein wirklich großartiger Auftritt mit einer interessanten Interpretation der finsteren Musik. Leider gab es keine Tonträger, damit man daheim endgültig über die Qualität von SIPHILISATION richten kann. Darum werde ich weiterhin mal ein Auge auf die Band halten…
http://siphilisation.blogspot.nl/

VESTIGES kamen von weit her, aus Amerika. Auf ihrer ersten Tour außerhalb der USA freuten sich die Musiker, dass an einem Sonntagabend immer noch ein paar Leute rausgekommen waren, um sich ihre Musik anzuhören. Darum gab sich das Quintett auch alle Mühe, um ihr Material entsprechend zu präsentieren. Schnell bewegten sich große Teile des Publikums passend zum Rhythmus der Musik. Doch irgendwie fand ich keinen Zugang zum Sound. Schleppender Hardcore mit leichten Elementen aus dem Shoegaze kann nett sein, beispielsweise haben mich Rosetta total umgehauen. Bei VESTIGES sprang der Funke aber nicht über. Unterbrochen durch eine gerissene Gitarrensaite verlor die Show auch ein wenig an Dynamik. Nach gefühlten vier Liedern rissen abermals Saiten, dieses Mal an der anderen Gitarre. Dies sollte eigentlich das Ende des Abends sein, doch die Besucher forderten mehr. Doch da der Bassist bereits verschwunden war, ließ der eine Song Zugabe noch etwas auf sich warten. Anschließend kamen die Fans dann aber noch in den Genuss und verabschiedeten VESTIGES gebührend.
http://wearevestiges.bandcamp.com/

Kurz nach 23 Uhr war das Konzert beendet. Eine gute Zeit für einen Sonntag. Einem Wochentag, der sich für das AZ Aachen scheinbar langsam als beliebter Konzerttag etabliert hat. Hoffen wir, dass nach der Sommerpause wieder mehr Konzerte an arbeitnehmerfreundlicheren Tagen stattfinden. Und dann auch mehr Besucher ihren Weg in den Bunker finden.