Whoretopsy – They Did Unspeakable Things

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Ist es eigentlich ein Zeichen von Passion oder bewusster Gegenbewegung, wenn mitten in der OSDM-Welle auf einmal ein neues Label auftaucht und mit einer neuen Band einen momentan absolut un-hippen Style veröffentlicht? WHORETOPSY wurden gerade mal 2011 gegründet und stellen mit ihrem Debüt „They Did Unspeakable Things“ gleichsam das erste Lebenszeichen von Torture Music Records. Dabei begeben sich sowohl Band wie auch Label auf vergleichsweise sicheres Terrain und veröffentlichen ein Album, das wohl durchweg schmerzfrei für Fans der Plattenfirmen United Guttural, Sevared Records oder den verblichenen Unmatched Brutality Records in die durchschnittliche Biomasse des Slam Death Metals übergeht.

Bereits das Cover unterstreicht den fauligen Beigeschmack des Bandnamens: Frauenverachtende, gewaltverherrlichende und dreckige Musik wartet hinter diesem Artwork. Genre-Klischees, die in Szenekreisen wohl nie wirklich langweilig werden. Wenigstens wurde das Motiv sehr gut umgesetzt und zeigt sich alleine farblich und kompositorisch sehr stimmig. Gleichsam durchzieht eine ähnliche Ästhetik das restliche Booklet und macht die Verpackung sehr homogen und im Vergleich zu vielen anderen Platten dieser Subsparte recht ansehnlich – soweit man das beim Anblick von nackten, verstümmelten Frauen auf Müllhalden sagen kann.

Auf der knappen halben Stunde von „They Did Unspeakable Things“ geht es gemäß des ersten, optischen Eindrucks weiter. Samples von Prostituierten, Fliegen über Kadaverhaufen und zärtlichen Worten eines Pädophilen zieren die recht kompakt gehaltenen Songs. Mit durchschnittlich zweieinhalb bis drei Minuten Spieldauer, sind die Lieder angenehm auf den Punkt gebracht und versprechen genau die richtige Dosierung für den Live-Auftritt. Dort sollte „They Did Unspeakable Things“ auch am besten funktionieren. Denn im Endeffekt sind WHORETOPSY nichts weiter als ein gnadenloser Devourment Rip-Off! Breaks, Riffs, Grooves, tiefes, gutturales Gegurgel, alles schon auf „Molesting the Decapitated“ oder „Butcher The Weak“ gehört. Nur wesentlich kraftvoller und perverser.
Mitunter könnte das daran liegen, dass WHORETOPSY nur über einen Live-Drummer verfügen. Für ihr erstes Album scheint das Schlagzeug programmiert. Doch der Sound stört an dieser Stelle keineswegs. Im Gegenteil, ich finde die Produktion ziemlich genretypisch und gesichtslos. Trotz und/oder gerade wegen des Drumcomputers.

WHORETOPSY verschwenden allerdings etwas Potential. Neben den prototypischen Slams finden sich dezente Elemente, die den Australiern ein eigenes Gesicht geben könnten. Beispielsweise fast schon schwarzmetallische Parts mit verdammt garstiger Atmosphäre und verzerrten Schreien. Oder einige doch eher einprägsame und eigenständige Momente resultierend aus schön räudigen Melodien. Wie „DPI„, das leider am Ende etwas am Slowdown strauchelt. Oder „Cardiac Dececaction„, das ohne den etwas misslungenen Despondency-Part richtig fett hätte sein können. Am meisten misslingt aber „Human Error“ mit seinen Streichern. Die Idee ist wirklich sehr schön, doch in dem Experiment noch sehr unausgegoren. Aber der Wille zählt und lässt auch so mordslangweilige Nummern wie „Unspeakable“ verzeihen.

Wenn WHORETOPSY etwas mehr vom Devourment-Sound und den typischen Klischees Abstand nehmen, könnten da was daraus werden. Doch solange ist „They Did Unspeakable Things“ nicht mehr als ein solides Slam Death Album mit unverschämten Rip-Offs und dezenten eigenen Ideen. Dem Circlepit-Mosher mit Spaß am Handkantenhacken wird aber die aktuelle Gesichtslosigkeit von WHORETOPSY nichts ausmachen.

Infos:
Torture Music Recordings – 16.03.2012
10 Lieder / 29:18 Min.

https://www.facebook.com/Wtopsy
http://www.torturemusicrecords.com/