WOUND – Klaus Kinski: Wahnsinn und Genie in einer Person

Richtig ordentlich verpackt, liefern WOUND mit ihrem Demo „Confess To Filth“ ordentlich Value-For-Money ab. Mit Textblatt und Sticker garniert, enthält das professionell aufgemachte Tape kraftvollen Death Metal gespickt mit Elementen aus Thrash, Black und Crust. Selbst die melodische Marke von AT THE GATES oder DARK TRANQUILITY kommt nicht zu kurz. Ein beeindruckender Einstand einer jungen Band. Grund genug, um mit Gitarrist Søren sein erstes Interview zu führen…


1. Hey Søren alles klar bei Dir? Euer Demo ist ja noch recht frisch draußen, gerade mal seit Anfang des Monats. Bist Du soweit zufrieden mit dem Resultat?

Salve Chris!
Dem Feedback nach zu urteilen haben wir anscheinend irgendwas richtig gemacht…
Der Sound ist für ne Demo schon recht geil, wie ich finde. Klar… im Nachhinein fällt einem beim hören der Songs immer mal das ein oder andere verbesserungswürdige Detail auf, aber im Großen und Ganzen bin ich absolut zufrieden. Ich glaube da kann ich für die komplette Band sprechen.

2. Kein Interview ohne langweilige Standardfragen! Darum zunächst das obligatorische „Stell Euch mal vor“! WOUND ist noch verdammt jung, gerade 2011 gegründet und das erste Demo keinen Monat erhältlich. Wie hat alles bei euch angefangen? War jemand von euch schon zuvor in einer Band? Eure Musik legt zumindest die Vermutung nahe…

Johannes unser Trommler und ich haben schon früher zusammen in einer Band gespielt. Irgendwann war es dann mal wieder soweit und wir haben uns spontan für ein Jam verabredet. Christian, ein guter Kumpel von mir, der vor ca. 10 Jahren das letzte Mal ein Mikro in der Hand hatte, kam spontan mit. Auf diesem Jam entstanden bereits im groben die Songs „The Unsolved Obscurity“ und „Among You“. Nach dem Jam war klar, dass es nicht dabei bleiben wird. Etwa 3 Monate bevor wir mit der Demo-Aufnahme begannen, stieg Alex mit ins Boot. Alex und ich kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Von daher ist eine große Vertrautheit innerhalb der Band vorhanden. Banderfahrung haben wir auch zur genüge… was wahrscheinlich auch ein Stück weit unsere Probefaulheit erklärt. Wenn wir es mal schaffen uns im Proberaum zu treffen, haben wir immer ein riesen Spaß! Bandroutine Fehlanzeige… bisher war jedes Zusammentreffen etwas besonderes. Wir versuchen auch nicht auf Teufel komm raus stundenlang an irgendwelchen Details rumzufeilen, dafür ist uns die Zeit zu schade… Stumpf ist Trumpf!

3. Euer erstes Lebenszeichen erscheint direkt über Weed Hunter Records. Ein kleines Label, aber immerhin. Wie kam da der Kontakt zu Hannes zustande? Kanntet ihr ihn schon vorher? Wie habt ihr ihn für euer Demo gewinnen können? Habt ihr ihm Hörproben zukommen lassen?

Hannes ist durch unsere MySpace-Seite auf uns aufmerksam geworden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir lediglich 2-3 knarzige Rehearsals hochgeladen. Kurioser Weise hatten wir innerhalb von 2-3 Wochen gleich zwei Labelanfragen im Briefkasten. So richtig verstanden haben wir das bis heute noch nicht hähä… Hannes war uns von Anfang an sympathisch, zumal uns seine DIY- Einstellung absolut zusagte. Im übrigens kann man einem Label mit dem Namen „Weed-Hunter-Records“ einfach keine Absage erteilen! Kult!

4. Ist ein Tape heute eigentlich noch ein probates Medium? Immerhin leben wir in einer Zeit, wo die aktuelle Jugend u.a als „Digital Natives“ bezeichnet werden. Wir haben Smartphones, Streaming-Angebote und MP3-Player. Wie kommt man da auf die Ideen, die totgesagte Musikkassette wiederzubeleben? Ist das die logische Konsequenz aus der Retro-Bewegung? Oder vielleicht sogar ein wenig Hipstertum? (; Und warum eigentlich diese komische Auflage von 152 Kopien?

Ich dachte Hipster wären diese Steve Urkel-Typen?! Furchtbar… Als Wiesbadener kann ich dir davon ein Liedchen trällern! Wobei das Urkel-Mekka wohl Berlin sein dürfte, wo ich Anfang des Jahres ein Freund besuchte und nebenbei die Gelegenheit nutzte mit Hannes (WHR), der ebenfalls dort wohnt, ein paar Bierchen zu süffeln und ein Wound-Masterplan zu schmieden. Zurück zum Thema… Das Tape ist doch ein prima Tonträger?! Wer hat früher nicht gern stundenlang vor der Anlage gesessen und Mixtapes zusammengestellt?! Die CD hat für mich einfach nicht den Stellenwert Musik zu transportieren wie eine Kassette oder allem voran Vinyl. Den Trend finde ich daher sehr begrüßenswert. Die Praktikabilität der digitalen Medien möchte ich allerdings nicht schlechtreden. Für unterwegs gibt es nichts praktischeres als ein MP3 Player – ganz klar! Zu Hause bevorzuge ich allerdings lieber die analoge Variante.

Ich muss dich enttäuschen, hinter der 152 verbirgt sich leider kein okkulter antikosmischer Beschwörungscode oder sonst irgendein Firlefanz. Der MC-Hersteller legt jeder Fertigung noch 2 Testkopien bei. Da in Deutschland alles mit Recht und Ordnung zugeht, wird natürlich auch die korrekte Auflage angegeben…

5. Für sehr faire vier Euro bekommt man eine Menge geboten: Gut 22 Minuten Musik, alle Songs auf beiden Seiten, professionell gedrucktes Inlay, Text-Blatt und Tape. Dazu noch ein Sticker. Ich denke, die Gewinnmarge an diesem Paket liegt bei Null. Wer hatte die Idee zu diesem Gesamtbild? Ein Text-Blatt ist heute für ein Tape oder ein Demo generell nicht immer selbstverständlich. Und der Sticker ist ein nettes Gimmick, was den Rest noch mal etwas aufwertet.

Bei der ganzen Sache geht es ja auch nicht darum den großen Reibach zu machen. Wir wollen, dass die Mucke bei den Leuten im Player dudelt, nicht mehr und nicht weniger. Ich hab eh noch nie verstanden, wieso Bands für eine schäbige „CD-R+kopiertes Cover“-Demo Geld verlangen.
Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der Musik, allerdings sollte bei einer Veröffentlichung auch das „Drumherum“ stimmig sein. Meine Freundin arbeitet in einer Druckerei, von daher hatten wir die besten Möglichkeiten die Demo aufzuwerten. Lyrics finde ich persönlich immer wichtig! Schließlich interessiert mich was die Band von sich gibt.

6. Wie wichtig ist eigentlich die optische Komponente von WOUND? Auf den Bandfotos spielt ihr nun nicht unbedingt die größten Poser. Aber das Cover von „Confess To Filth“ und das Symbol, was im Inlay des Tapes und auf dem Sticker auftaucht, lassen ein Konzept vermuten. Wer hat das Cover gezeichnet? Was bedeutet dieses Auge mit den Tentakeln? Ist es eine Anlehnung an Lovecraft? Und was steckt hinter der Symbolik des Aufklebers?

Patronengurte, Nieten und Gedöns gehören zwar 100% zum Metal – was wären Nifelheim ohne Spikes and Leather?! – aber zu uns passt’s nicht. Wir müssen uns nicht für die Bühne verkleiden um unsere Mucke anständig rüberzubringen. Wir sind lieber die Dudes von nebenan hähä…
Das Cover hab ich gezeichnet… mit Lovecraft liegst du absolut richtig. Das ist schon ne Sache, die uns alle interessiert. Cthulhu saves the world! (Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn. – Anm. d. Kultisten)
Wenn du dir das Symbol genauer betrachtest, findest du die Buchstaben C.T.F. wieder…
Black Flag haben ihre Barrels und wir halt unser C.T.F.-Kreuz. (Und was bedeutet nun das C.T.F.? Chweites Toitsches Fernsehen? – Anm. d. Verf.)

7. Die Haunted Studios gehören eurem Bassist Schulz, der dort Horror Soundtracks macht? Ist es ein richtiges Tonstudio oder euer verkabelter Proberaum? Wie ist die Aufnahme zu „Confess To Filth“ abgelaufen? Habt ihr alles zusammen eingespielt oder mit Overdubbing gearbeitet? Das Ergebnis finde ich auf jeden Fall sehr gut, die Instrumente sind alle sehr differenziert und ich finde den Kompromiss im Bass-Sound sehr cool. Habt ihr viel Arbeit in Mix und Mastering gesteckt?

Die Haunted Studios sind quasi eine Kreativschmiede ergänzt durch ein portables Tonstudio. Ein weiteres Hobby von unserem Bassisten. Aufgenommen haben wir das Material im Proberaum. Den Herrn Schulz hat die Aufnahme auf alle Fälle einige Nächte und genauso viele Flaschen Rotwein gekostet. Da wir ne Deadline hatten, wurde es zum Ende hin etwas stressig. Aaaaber die Arbeit hat sich ja gelohnt! Freut mich, dass du den Basssound erwähnst! Ich finde es schade, dass man bei vielen Aufnahmen den Bass nur erahnen kann. Diese Bands sollten sich alle mal ein Beispiel an AUTOPSY nehmen hähä!

8. „Export, Cthulhu, Schmutz, Kinski“ – laut Facebook eure Einflüsse. Bier und Lovecraft kann ich verstehen. Doch was haben Dreck und Kinski in der Liste zu suchen? Sind das nun musikalische oder lyrische Einflüsse?

Wer mag nicht die großartigen Kinski-Wutausbrüche oder die „Jesus Christus Erlöser“-Aufführung?! Der Kerl ist der Hammer! Wahnsinn und Genie in einer Person.
Dreck… wahrscheinlich der größte Einfluss. Gemeint ist die teils abgefuckte, verquere, heuchlerisch Welt da draußen. Schalte den Fernseher ein und du siehst den Dreck in seiner ganzen Pracht und Perfektion! Christian greift in seinen Texten neben fiktiven Geschichten auch reale existierende Themen auf. Die gesellschaftskritische Komponente ist uns schon wichtig. Das liegt eventuell auch daran, dass wir zwei Sozialpädagogen in der Band haben…

9. Als Grundgerüst besteht euer Sound sicher aus Death Metal. Doch im Riffing hört man auch Einflüsse aus dem Thrash, „Forever Denial“ zeigt Momente des Black Metals. „Pandemonic“ unterstreicht deutlich den Crust-Schlag in eurer Musik. Wie würdet ihr euch selber beschreiben? Wo zieht ihr musikalisch eure Einflüsse her?

Im Prinzip hast du bereits alle Genres aufgezählt aus der wir unseren Inspiration beziehen. Mein Musikgeschmack ist recht breit gefächert. Ich will jetzt keine Bands aufzählen… dafür ist zu wenig Platz, hähä! Wobei der große Nenner innerhalb der Band ENTOMBED und AT THE GATES sein dürften. Unser Drummer hat sogar mal vor Urzeiten einen deutschen ENTOMBED-Fanclub aufgezogen.

10. Für mich ist „Confess To Filth“ zweigeteilt. Die ersten drei Songs sind relativ geradlinig. Den Titeltrack lasse ich mit seinem griffigen Riff mal außen vor. „Pandemonic“ markiert einen Wendepunkt in der Tracklist. Zumindest der Anfang ist experimentierfreudig und zeigt die Fähigkeiten der Musiker in einem dichten, polyphonen Klangteppich. Mit dem Kontrast zum folgenden Crust-Riff ein schöner Aufbau. „Forever Denial“ ist melodischer und hat wohl die stärkste Atmosphäre des Tapes. „Moloch“ sticht aber am meisten aus dem restlichen Material hervor und ist sehr melodisch. Welche Intention hattet ihr mit der Abfolge der Songs? Ganz wahllos war das ja nicht…

Stimmt! Die Abfolge machte nur so wie sie letztlich auf dem Tape zu hören ist Sinn. Die Songs sind alle recht unterschiedlich, was eventuell auch daran liegt, dass wir noch eine junge Band sind und unsere Richtung erst noch finden müssen. Das ist ja das schöne und spannende an einer Demo. Es repräsentiert die Band in einer Entstehungsphase. „Moloch“ war allerdings ein Wackelkandidat, da er fast schon zu extrem von den anderen Songs abweicht. Im Nachhinein war es jedoch eine gute Entscheidung die Nummer mit aufs Tape zu packen. Live funktioniert der Song übrigens prächtig!

11. Wo der übermelodische „Moloch“ schon eine Besonderheit auf „Confess To Filth“ darstellt: Ist es eine Hommage an Dark Tranquillity oder an At The Gates? Gab es zu dem gesteigerten Melodieanteil des Liedes eine besondere Bewandtnis?

Ganz klar: AT THE GATES! Die Schweden haben einfach Songs für die Ewigkeit geschrieben. Ich hab mir erst neulich wieder die DVD angeschaut! Einfach der pure Wahnsinn! Von DARK TRANQUILLITY hab ich lediglich die „The Mind’s I“ im Schrank.

12. „Confess To Filth“ ist noch keinen Monat draußen. Gab es dennoch schon Rückmeldungen von Fans oder vielleicht sogar Blogs und hochoffizieller Metal-Presse?

Über positives Feedback können wir uns momentan echt nicht beklagen. Demnächst erscheinen ein paar Reviews auf Blogs und in Fanzines u. a. im Mystical Music welches ich selbst gerne lese… und das obwohl ich bisher noch keine einzige Promo rausgeschickt habe.

13. Scheinbar ist der Download, den man zum Metal-Archives.com-Eintrag für „Confess To Filth“ findet, wirklich von euch. Immerhin liegt er auf dem Server der Haunted Studios. So richtig bewerbt ihr diese Option aber nicht, oder habe ich da einfach was verpasst?

Wie vorhin schon erwähnt, der freie Download ist offiziell. Den Link findet man u.a. über unsere Facebook Seite. Da (leider) nicht mehr jeder ein Tapedeck zu Hause stehen hat, ist die digitale Variante eine sinnreiche Ergänzung um das Demo unters Volk zu bringen. (Das ist Service am Fan, könnten ruhig ein paar mehr Bands zusätzlich zu ihren Demo-Tapes machen! – Anm. des mobilen Musikfreunds)

Ist das quasi euer Schritt, um den ganzen Download-Blogs vorzubeugen? Habt ihr über diese Kanäle schon Rückmeldungen bekommen?

Früher oder später wäre die Demo eh im Netz gelandet und bevor irgendwelche qualitativ minderwertigen MP3s kursieren, entschieden wir uns für den freien Download. Sicherlich haben bereits einige Download-Blogs die Demo aufgeführt. Immerhin hat uns über diesen Weg Jakub vom Chaos Vault Fanzine entdeckt und stellt nun WOUND in seiner nächsten Ausgabe vor.

14. Mit langweiligen Fragen begannen wir, mit langweiligen Fragen enden wir. Was gibt es in absehbarer Zukunft von WOUND? Ist ein Full-Length in Planung oder vielleicht schon in der Mache? Kommt es überhaupt als CD raus, oder ist ein Vinyl-Release nach dem Demo-Tape eine zwangsläufige Konsequenz? Eigentlich unfair, keinen Monat nach euren ersten Lebenszeichen nach neuem Material zu fragen. Alternativ kannst Du auch einfach Deine fünf liebsten Biersorten aufzählen!

Also nächstes Jahr gibt’s definitiv ein Release, soviel steht fest. Ob es nun eine Full Length wird oder nur eine EP können wir noch nicht abschätzen. Mr. Weedhunter ist auf alle Fälle einer Vinyl nicht abgeneigt…

Und nun zum Bier! An erster Stelle steht definitiv Hansa aus der Dose 0,33 – Eine verdammt rare Komponente im Rhein Main Gebiet! Ein guter Kumpel schafft es aber trotzdem immer wieder irgendwo Nachschub zu ordern… dicht gefolgt von Astra, Henninger, Becks und dem Geheimtipp Germania Export! (Was? Germania gibt es noch? Den Müll habe ich mit 15 gesoffen, weil er billig war… *brrrrr* – cs)

15. Søren, vielen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten. Ich werde den Namen WOUND definitiv im Auge behalten. Die letzten Worte gehören Dir…

Erstmal ein dickes Dankeschön für dein Interesse an der Band und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Necroslaughter! Im Hintergrund lief übrigens während des Beantwortens der Fragen drei mal die „For God Your Soul…“ von PUNGENT STENCH durch! Brutalste Pladde ever!

so long

http://www.myspace.com/wound-deathmetal
https://www.facebook.com/wound.deathmetal
http://weed-hunter-records.blogspot.de/



Interview: Chris (Necroslaughter) / Søren (Gitarre @ WOUND) · 24.06./26.06.2012
© Bilder: WOUND