Tormented – Graveyard Lust

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TORMENTED sind jung. Zumindest als Band, wo sie gerade mal 2008 zusammen kamen. Dennoch sorgten sie bereits für etwas Aufmerksamkeit im Underground. Ohne Umschweife über ein Demo, kam 2009 das Debüt „Rotten Death“ über Iron Fist Productions heraus. Schnell folgten Empfehlungen vom Mystical Music Fanzine und ich meine auch der Necromaniac hatte eine gute Meinung über die Band. So fand das Debüt schnell seine Neuauflage über Listenable Records. Und alsbald folgte eine Split mit Bombs Of Hades.

Ob das Name-Dropping hinter TORMENTED etwas zu dieser Aufmerksamkeit beigetragen hat? Immerhin spielt dort Roberth Karlsson, der vielen wohl durch Scar Symmetry und ein paar durch Facebreaker oder Edge Of Sanity bekannt sein sollte. Bei letzteren war auch Dread, der bei TORMENTED seine Stimmbänder quält. Zuvor konnte man sein Goldkehlchen unter anderem bei Marduk oder Necronaut hören.

Die großen Namen hinter den Musikern sind an dieser Stelle aber vielleicht eher verwirrend. Kaum einer wird dem aktuellen Sound von TORMENTED gerecht. „Graveyard Lust“ knüpft nahtlos an das Debütalbum an – die Split kenne ich leider nicht. Es ist ein dicker Stinkefinger an Freunde von modernen oder trendverliebten Metal. Wie bereits das Einstandsalbum wurde die neue EP live eingespielt und erhält dadurch noch einen deutlich räudigeren Charakter als andere Overdub-Produktionen. Die Musik ist gleichsam nichts für Schöngeister. Die Hommage an die frühen, morbiden Tage des Death Metals ist finster, roh, geradeaus. Mit vielen Ecken und Kanten. Und gerade dadurch so sympathisch!

Genau wie Crucifyre oder Death Breath holzen TORMENTED angenehm reduziert und dreckig durch die 25 Minuten von „Graveyard Lust„. „Horror Of The Faceless Dead“ oder der Titeltrack sind verdammt eerie. Dreads Gesang ist heiseres Brüllen, die prägnanten Refrains schön Hall-unterlegt rausgewürgt. Die Riffs sind simpel und auf den Punkt, das Drumming teilweise schon stoisch auf die zwölf.

Ein wenig werden die großartigen Zutaten von „Graveyard Lust“ der EP aber auch zum Verhängnis. Bis auf das eher rockige und nicht so überragende „Sick In The Head„, sind die Songs recht gleichförmig. Nur der Rausschmeißer „Horror Of The Faceless Dead“ ist in seiner Grundatmoshäre deutlich böser als die restlichen Lieder.

An dieser kleinen Schwäche werden TORMENTED aber nicht scheitern! „Graveyard Lust“ ist immer noch ein verdammt unterhaltsames Album, das in seiner Dreckigkeit angenehm aus der Masse an Retro-Bands heraus sticht. Zwar ist es nicht einmalig, macht aber genau so viel Spaß wie Crucifyre, Caliber 666 oder Bastard Priest – wenn man sich bei letzteren etwas den Crust-Schlag wegdenkt.

Infos:
War Anthem Records – 28.02.2012
6 Lieder / 24:59 Min.

http://graveyardlust.wordpress.com/
https://www.facebook.com/pages/Tormented/161161300563301
http://www.war-anthem.de/cms/