Human Paranoid – Shut The Fuck Up!

 , ,

Im Herzen sind HUMAN PARANOID richtige Punks! Ranziges DIY-Coverartwork, assige Sprüche auf dem CD-Aufdruck („Kein unerlaubtes Kopieren usw. sonst gibt’s was auf’s Maul!“) und die wütende Behandlung von aktuellen Themen des sozialen und politischen Geschehen. Zumindest deuten Namen wie „Fukushima Nevermore“ oder „9/11 Reloaded“ sozialkritische Texte an. Ohne weitere Lyrics im recht mageren Booklet, kann ich an dieser Stelle aber auch nur mutmaßen.

Auch auf den Sound schlägt sich die angepisste Attitüde nieder. HUMAN PARANOID spielen Thrash Metal abseits von Pizza-Party, Neo-Interpretationen oder Bay Area Retro-Hype. Am ehesten könnte man ganz alten Teutonen-Thrash noch als Orientierungshilfe nehmen. Die Gitarren sind verdammt schnell, der Bass scheppert schön blechern. Das Drumming ist schlicht, geradeaus. Und holpert fast schon dilettantisch mit der Kickdrum. Ergänzt wird diese aggressive und geradlinige Herangehensweise durch sehr angepissten Gesang. Mit wütendem Keifen, bissigem Fauchen und rotzigen Bellen, wird dem Unmut über Gott und die Welt Luft gemacht.

Diese Zutaten versprechen zunächst ein kurzweiliges, wenngleich eindimensionales Unterhaltungsprogramm. Nur verpassen HUMAN PARANOID ihrem dritten Album noch gleichzeitig einen abwechslungsreichen Aufbau. Tendenziell bewegt sich die halbe Stunde von „Shut The Fuck Up“ permanent im reitenden Uptempo. Besondere Akzente setzt „The Undertaker’s Lullaby„, das etwas an Geschwindigkeit, aber nicht an Energie aus dem Album nimmt. Im Kontrast scheppert „Blind“ wüst voran. „Fukushima Nevermore“ überzeugt mit seinem dicken Groove. Und auch das etwas aus der Masse fallende „Go To Hell“ mit seinem Wechsel zwischen tanzbarem Ufta und sehr archaischem Geballer, fügt „Shut The Fuck Up“ eine Fassette hinzu.

Am Ende sind HUMAN PARANOID doch vielschichtiger, als man zunächst annimmt. Dabei lebt die Musik größtenteils von der richtig wütenden Attitüde. Es ist sicherlich kein Album für Freunde von getriggerten Drums, poliertem Sound oder angesagtem Pizza-Thrash. Wer aber aggressiven Thrash Metal ohne Schnörkel, geradewegs auf die Fresse haben will, bekommt von HUMAN PARANOID ordentlich was auf die Kauleiste.

Infos:
Grindattack – April 2012
9 Lieder / 30:00 Min.

http://www.grindattack.de/
https://www.facebook.com/HumanParanoid
http://www.grindattack.de/