12.06.2012 – Gottesmorder und Early Man im AZ, Aachen

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Infos:
Montag, 12.06.2012 im Autonomen Zentrum, Aachen
Einlass: 21:00h // Beginn: 21:30h
Damage: €5,00

Bands: Gottesmorder, Early Man

Eigentlich genießt Black Metal in der linken Szene keinen sonderlich guten Ruf. Oft hört man, dass die Antifa mal wieder ein Konzert wegen vermeintlich rechter Ideologie bei Band und/oder Musiker torpediert hat. Umso besonderer erscheint es, dass gerade aus dem autonomen Lager viele Empfehlungen kamen. Aus den Squads aus Belgien und Italien, aus der Roten Flora und dem Zorro, von überall hörte man nur gutes über GOTTESMORDER. So dann auch aus dem lokalen AZ, das nach Embers nun schon die zweite schwarzmetallische Band innerhalb von vier Tagen in seinem Bunker beherbergte. Dazu konnte man noch die Thrash Metal Band EARLY MAN gewinnen, die sich gleichsam aktuell auf Europatour befinden. Ein rundes Paket, besonders in Anbetracht des fairen Eintrittspreises von nur fünf Euro. Doch wo waren bitte die örtlichen Metaller?

Zugegeben, ein Montag ist vielleicht nicht der beste Veranstaltungstag. Dafür genießt der Tag selber schon zu sehr die Position der verhassten Schwiegermutter unter den Wochentagen. Noch dazu hat es zuvor geschüttet wie aus Eimern. Da kann man verstehen, wenn bei einigen Hobby-Metalheads die Motivation im Keller sitzt und weint. Doch dass man kein einziges Gesicht der Szene im Autonomen Zentrum sehen konnte, war schon sehr verwunderlich.

Die Crew hatte zumindest mit den arbeitenden Besucher ein Erbarmen. Punkt 21:30h wurden GOTTESMORDER auf die Bühne gebeten. Direkt von der ersten Sekunde an war auch schon klar, was das italienische Trio von anderen Bands des Genres abhebt: GOTTESMORDER scheißen auf Klischees! Mit ihren relativ kurzen Haaren, Karo-Hemd und Nerd-Brille, hatte man eher das Gefühl drei Hipster auf der Bühne zu sehen. Und auch wenn die Musik im ersten Moment schon recht bilderbuchmäßig aus den Boxen scheppert, waren es doch die kleinen Details, die die musikalische Interpretation des Black Metals besonders machte. Seien es die intelligenten und atypischen Fills im stoischen Gepolter, die epischen, ruhigen Passagen, die ausgearbeiteten Bassläufe oder die Hardcore-Vocals. Black Metal, aber eben nicht gewöhnlich. Dafür äußerst kraftvoll vorgetragen.
Für einen angemessenen Sound, war ein eigener Mann hinter dem Mischpult. Das Ergebnis war kalt, klirrend und dennoch wuchtig. Ein paar Details fehlten aber an der Gitarre. Gerade die leichten Variationen um die Hauptakkorde klangen sehr undifferenziert. Doch vielleicht kam gerade diese tonale Armut dem minimalistischen Gestaltungsbild einiger Passagen zu Gute. GOTTESMORDER spielten gerade mal drei Songs. In einer halben Stunde. Davon war nur „Abyss Of Throats“ bereits veröffentlicht. Als B-Seite der selbstbetitelten EP, deren Vinyl-Version bereits ausverkauft war. Interessierte konnten nur noch die zweite Auflage der Kassettenfassung von „Gottesmorder“ erwerben.
http://gottesmorder.wordpress.com/
http://gottesmorder.bandcamp.com/

GOTTESMORDER waren schon lange für den Abend bestätigt, als EARLY MAN dazukamen. Gerade auf ihrer ersten Europa-Tour, spielten sie bereits mit Embers, die kurz zuvor auch erst im AZ residierten, in Aalborg, Dänemark. Ob sich die beiden unterschiedlichen Ausrichtungen des Heavy Metals im Zusammenspiel vertragen? Bei furiosem, angeschwärzten Thrash Metal mit Sicherheit. Doch EARLY MAN tendieren eher zum klassischen Speed Metal…
Anfänglich gab es aber erst mal Probleme mit dem Sound. Irgendein Gerät gab ordentlich Rückkoppelung. Sänger und Tonmensch wurden sich nicht ganz eins, somit übernahm der Mischer von GOTTESMORDER wieder die Regler. „We came 6000 Miles…“ – Den Rest der Aussage habe ich dann nicht mehr ganz verstanden. War das eine Beschwerde? Richtig Zufrieden wirkten EARLY MAN auf jeden Fall nicht. Ob es an den leichten Sound-Problemen alleine lag? Oder an dem doch recht geringen Publikum? Scheinbar verträgt sich zumindest das Post-Black Metal/Hardcore-Publikum nicht so richtig mit Thrash Metal Musik. Für EARLY MAN war nur noch grob die Hälfte der ursprünglichen Leute anwesend.
Ein paar Feedbacks hin, wenige Zuschauer her, die Thrasher gaben sich dennoch Mühe. Kopfschüttelnd spielten die drei Jungs und die Bassistin Tzusumi Okai Material aus ihrer neunjährigen Bandgeschichte. Die Mischung aus „Kill’em All“ und frühen Megadeth (besonders der Gesang), war jedenfalls unterhaltsam. An die Intensität und Extremität von GOTTESMORDER konnte die Show aber nicht anknüpfen.
http://www.earlymanarmy.com/
http://earlyman.bandcamp.com/

Was recht „pünktlich“ begann, endete auch zeitig. Um 23:30h war Schicht im Schacht. Eine genehme Uhrzeit für einen Montagabend. Das Konzert war, den Umständen zum Trotz, sehr fein und hat – besonders bei GOTTESMORDER – richtigen Spaß gemacht. Schade, dass beide Bands – wie in Aachen fast schon üblich – zu wenig Publikum hatten. Und auch schade, dass sich die lokale Metalszene nicht blicken ließ. Hoffentlich bekommen ein paar mehr Leute ihren Arsch zu Obituary am 23.06. in den Musikbunker. Sonst weiß ich nicht, ob Aachen als Veranstaltungsort langfristig interessant bleibt. Das wäre wirklich kacke! Darum noch mal Danke an die AZ-Crew für diesen coolen Abend, macht bitte weiter so!