Dust – Distortion Empire

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Ich bin ehrlich: Grindattack haben mich überrascht. Alleine vom Labelnamen und den Tacheless-Releases hätte ich zunächst eine monolitische Ausrichtung zum Grindcore vom Bielefelder Label erwartet. Doch zu den aktuellen Veröffentlichungen von Chef Andi gehört auch das nunmehr dritte Album der ebenfalls in Bielefeld beheimateten DUST. Mit seinem doomigen Sound wirkt „Distortion Empire“ nicht unbedingt passend zum Namen Grindattack. Das soll dem Album aber nichts an Qualität absprechen. Prinzipiell muss man sich „Distortion Empire“ als Hörer lediglich öffnen, dann bieten die knapp fünfzig Minuten Spieldauer eine interessante Reise. Am besten funktioniert das, wenn man sich Zeit nimmt, auf der Couch zurücklehnt und die Boxen aufdreht, bis der ohnehin warm-verzerrte Sound nochmals über die Sättigung der Endstufe springt.

In den (Stoner) Doom DUSTs fließen Elemente des Sludges. Und auch psychedelische Einflüsse lassen sich angesichts der abgedrehten Rotor-Sounds am Anfang von „Back To Light“ oder den Exzessen in „Smell The Burn“ nicht leugnen. Dabei gipfelt die abgedrehte Experimentierfreude im Titeltrack, der als dreizehnminütiges Epos wohl am ehesten unter dem Einfluss von Rauchwerk verständlich wird. Sehr reduzierte Riffs, Drones und viele Pausen sind kein leichter Toback. Zwischen Rückkopplungen und Schwebungen ist „Distortion Empire“ (also der Song) wirklich abgedrehte Scheiße, die zum Glück ganz weit hinten in der Tracklist versteckt ist. Anderenfalls könnte dieser Track ohne Vorbereitung durch etwas eingängigere Songs den Hörer stark verstören. Eher findet das griffige „My Addiction“ gefallen bei all denen, die sich dem Vibe des Albums geöffnet haben. Etwas opulenter, aber mit seiner dichten Atmosphäre noch packender, ist „Smell The Burning„, das in seiner Dreckigkeit etwas an The Atlas Moth erinnert.
Gänzlich andere Assoziationen schürt da „Contact„, das zumindest mit dem Anfangsriff sehr nach „Welcome Home (Sanitarium)“ von Metallica klingt. Später verliert sich der Sound dann etwas mehr in die abgedrehten Momente von Black Sabbath, was insgesamt wohl die bessere Referenz für DUST darstellt. Gleichzeitig verliert sich „Contact“ selber aber ein wenig und wird zum schwächsten Moment des Albums.
Mit relativ reinrassigem Doom überrascht dann „Dying To Be„. Schleppend, zäh und mit vergleichsweise klarem Gesang ist es schon fast eine klassische Nummer. Dennoch sehr fein.

Distortion Empire“ wird von einem eigentlich sehr rediziertem Sound regiert. Doch die Ausflüge in experimentelle Momente, dichte Atmosphären und räudigen Sludge lassen diesen Monolithen sehr abwechslungsreich werden. Natürlich muss man sich sehr dem Vibe öffnen, der bewussten Entschleunigung anschließen. Dann spielen DUST eine sehr unterhaltsame Interpretation des Stoner Dooms.

Grindattack verpackt das ganze als schwere 180g Vinyl LP. Mit Text-Einleger kommt die Platte handnummeriert und limitiert auf 500 Einheiten für vergleichsweise geringe € 12,90 über den labeleigenen Shop. Als Bonus gibt es noch das Album als CD dazu. Verpackt im Cardsleeve sieht es ein wenig aus, als ob eine Miniatur-Variante der Platte beigefügt wurde.

Infos:
Grindattack – 2012
7 Lieder / 48:35 Min.

http://dustdoom.bandcamp.com/album/distortion-empire
http://www.dust-doom.de/
http://www.grindattack.de/