Wake – Leeches

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Wie kann man etwas so unglaublich pessimistisches und finsteres nur so wunderschön verpacken? In einem unglaublich brillanten Coverartwork, das viele erdenkliche, sozialkritische Komponenten aus Crustcore, Hardcore und Grindcore in sich vereint, und trotz gelebtem Minimalismus immer noch mit liebevollen Details besticht. Als wunderschöne, grau-schwarz marmorierte LP in 433er Auflage. Oder für die richtigen Die-Hards auf 77 klaren Schallplatten? Hier bieten sowohl Sänger Shane Hameo, der für das Design zuständig war, und Simon von 7Degrees Records dem Käufer ein wunderschönes, haptisches Erlebnis.

Mit dem Moment, wo die Nadel das Vinyl berührt, ergänzt sich das Bild rapide um die musikalische Komponente von „Leeches„. WAKE sind keine Egel, die den Hörer aussaugen. Sie „schenken“ ihm etwas: Unglaublichen Pessimismus. Pechschwarzen Nihilismus. Angestaute Wut und Aggression. Als Transportmedium für diese intensive, negative Energie mischen WAKE Grindcore mit Hardcore, klingen etwas nach reduzierten Misery Index oder Maruta. Gerade, wenn gelegentlich unglaublich düstere Metal-Riffs in den Songs die Oberhand gewinnen, wie in „Vice„, „The Means Of The End“ oder „Plague Of The Roach“ mit seinen Gangshouts, erinnern die Kanadier sehr an Netherton und seine Mannen.

WAKE leben aber verschiedenen Interpretationen des Hardcores; die Ausprägung des Grinds variieren gleichsam deutlich auf „Leeches“ und erweitern ihre Palette. Einige Songs laden mehr zum Moshen ein und sind im straighten Uptempo sehr zerstörerisch. Selten liefern WAKE so schwere, absolut finstere Kost, wie am Ende der A-Seite, wenn „Dire“ mit seinem dissonanten Lead den Auftakt für den Titeltrack des Albums vorgibt. Die letzten Minuten dieser Hälfte sind einfach nur zäh, hoffnungslos und postapokalyptisch. Dagegen wirken die Melodien und der leichte Hoffnungsschimmer in „The Aversion Code„, dem Ende der B-Seite, fast schon als Gegengewicht.

Persönlich gefällt mir die erste Seite von „Leeches“ besser. Doch im Gesamtbild ist dieses Full-Length immernoch ein kompaktes, intensives Stück Musik. Außerhalb von festen Genre-Grenzen mischen WAKE geschickt die nötigen Zutaten aus Metal, Hardcore und Grind zu einem sehr hoffnungslosen Hassbrocken. Sicher kein Album für die breite Masse. Aber auf jeden Fall ein starkes Album für die eigene Katharsis nach einem beschissenen Arbeitstag.

Dank moderner Informationswege, kann man sich vor dem Kauf einen Eindruck von „Leeches“ verschaffen und bei den Kollegen von Cvltnation alle Songs des Albums anhören. Bei Gefallen gab es die durchsichtige Platte für extrem faire 11 Euro bei 7Degrees Records. Da ich aber bezweifele, dass es davon auch nur noch ein Exemplar gibt, sollte man für einen Euro weniger die marmorierte Version erwerben. Und vielleicht auch schon mal die Vorbestellung für den nächsten Release von Simon platzieren. Das ist nämlich eine 7″-Split zwischen WAKE und den großartigen Dephosphorus. Also los, sputet euch!

Infos:
Hearing Aids/7 Degrees – 2011
CD, 12″ – 14 Lieder

https://www.facebook.com/pages/WAKE/144398458930674
http://hearingaidsrecords.bandcamp.com/album/leeches
http://www.wakegrind.com/
http://wake.bigcartel.com/
http://www.myspace.com/7degreesrecords