Manipulator – Voidbound / Unearthed

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Das Spiel mit der finstren Mystik, dem archaischen Minimalismus. Viele wollen es spielen, wenige schaffen den Sprung von infantilem Dilettantismus zu ernstzunehmender Erhabenheit über einen Kunstbegriff, der nicht aus der Selbstdarstellung des eigenen Könnens erwächst. So wie Archgoat, die mit ihrem stumpfen Streitkolben, den sie „Musik“ nennen, wahrlich die Knochen der Hörer zermahlen. Doch andere schaffen diesen Schritt mit dem durchaus schwierigen Versuch des kalkulierten Minimalismus nicht. So wie MANIPULATOR, die aller höchstens den Die-Hard-Fans von Archgoat überhaupt gefallen dürften.

Voidbound“ ist eine Veröffentlichung, bei der ich mich fast gänzlich nach dem Sinn frage. Es gibt lediglich drei neue Lieder dieses französischen Einzelsoldaten mit dem schlichten Synonym M.. Nach dem Darkthrone-Cover „Cromlech„, gibt es als Bonus-Material nochmal das ursprünglich 2009 erschienene Demo „Earthbound“ mit knapp 25 Minuten Spieldauer. Doch zuvor hatte Soulseller Records dieses Ende 2010 bereits als LP neu veröffentlich. Die einzige Berechtigung besteht also darin, dass dieses Material nun auch als CD und Download verfügbar wurde.

Doch ganz der Reihe nach! Was will der Mensch hinter MANIPULATOR überhaupt? So richtig kann ich es an dieser Stelle auch nicht benennen. Anhand des Cover-Artworks und der doch recht mangelhaften Informationspolitik der Band, würde ich auf den Versuch einer mystischen Aura tippen. Einen durchaus okkulten Touch kann man „Voidbound“ und „Unearthed“ sicher nicht absprechen. Doch irgendwie funktioniert der gelebte Minimalismus weder bei „Passing The River„, noch bei „Massgraves“ so richtig und hinterlässt eher Langeweile, als Trance-artige Zustände. Zwischen Frühwerken von Deathspell Omega und einer schlechten Kopie von Archgoat ist es schlicht und ergreifend vernachlässigbarer Lärm. Erst „Voyage“ arbeitet zielführend mit seiner stoischen Monotonie und kann tendenziell überzeugen. Doch die Gitarren sind im Stockwerk unter dem Keller, gell?

Der große Höhepunkt ist sicherlich „Cromlech„, das noch am dynamischsten wirkt und nicht auf die ersten beiden Saiten und die oberen vier Bünde von M.s Gitarre limitiert ist. Bei einem Cover ist das Arrangement aber sicher nicht die geeignete Beurteilungsgrundlage. Die Ausführung ist dennoch ganz okay.

Produktionstechnisch macht das leicht angestaubte Demo „Unearthed“ einen gewaltigen Sprung vom aktuellen Material in die Richtung „brauchbar“. Man kann die einzelnen Instrumente wesentlich besser differenzieren, wenngleich der Drumcomputer auch nerviger klingt. Dafür lässt aber leider das Liedgut selber auch rapide nach. Mehr und mehr frage ich mich nach dem Sinn hinter der Darbietung. Doch man muss gestehen: Die Songstrukturen des Demos sind im Vergleich zu den aktuellen Riffs fast schon progressiv, haha!
In „Pyre No Fire“ denkt man fast, dass der rockige Venom-Touch etwas Potential hätte – doch dann wird das coole Thema in Dauerrotation zu Grabe getragen, der Song wird unter dem Strich nur ein mäßiges Instrumental. Auch die eigentlich brauchbaren Ideen in „Lost In The Woods“ werden schneller zu einem „WTF?!?“, als dass es MANIPULATOR doch eine positive Fassette geben könnte.

Für mich waren diesen 50 Minuten fast schon verschwendete Zeit. Wenn ich nun bedenke, wie oft ich die Platte für diese Kritik gehört habe… nun, da will ich eigentlich nicht weiter drüber nachdenken. Wenn ich angeschwärzten Death Metal mit nekrotischen Schreien hören will, haue ich mir lieber noch mal das Necrowretch Tape in die Anlage. Wenn ich ultrastumpfen Haudrauf mit leicht schwarzen Tendenzen will, gebe ich mir Archgoat. Und wann will ich MANIPULATOR? Schlicht gesagt: gar nicht!

Infos:
Soulseller Records / 16.03.2012
12 Lieder / 49:24 Min.

http://www.soulsellerrecords.com