Gorod – A Perfect Absolution

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Bereits mit der „Embalmed Madness„-Split im Jahre 2005 konnten mich GOROD überzeugen. Damals firmierte die französische Band noch unter dem Namen Gorgasm. Doch um etwaige Verwechslungen mit ihren amerikanischen Namensvettern zu vermeiden, wurde man alsbald zu GOROD. Die letzten beiden Alben „Leading Visions“ (2006) und „Process Of A New Decline“ (2009) waren auf hohem Niveau. GOROD verstand es einfach, wie man gute Songs, technischen Anspruch und den gewissen Funken Originalität geschickt vermischt, um schlicht und ergreifend packende Alben zu schreiben. Entsprechend war ich auf das neueste Machwerk „A Perfect Absolution“ gespannt – und habe vielleicht ein wenig zu viel Vorfreude heranwachsen lassen.

Man könnte die Entwicklung als logische Konsequenz betrachten. Man ist als Musiker und als Band gewachsen, hat neue Einflüsse und verbesserte technische Fähigkeiten erfahren. Dennoch klingt „A Perfect Absolution“ eher nach trendverliebten Selbstdarstellern, als nach den furiosen GOROD, wie sie noch auf „Process Of A New Decline“ waren.

Was sollen bitte die Einlagen aus Funk, Jazz und Samba, wenn sie dem Song in keiner Art und Weise dienen? Sie wirken weniger logisch, als mehr zur Profilierung der Musiker integriert. Weniger drastisch, aber immer noch unverständlich sind die gesteigerten modernen Einflüsse. Der Gesang, der sehr häufig in Hardcore-typisches Brüllen verfällt. Oder gar in Spoken Words und Klargesang. Auch die vielen Stakkatos und fast schon Djent-artigen Riffs klingen nach schlechten Umgang mit Ion Dissonance oder Within The Ruins. Aber nicht mehr nach dem eigenen Gesicht, das GOROD mal hatten. Der getragene Instrumentalpart mit der schmerzfreien Gesangslinie in „The Axe Of God“ klingt fast schon nach radiotauglichem Metalcore. Wo ist das Feuer, wo die Energie? Wo ist der Death aus dem Metal hin? Soll dieses poppig melodische „Elements And Spirits“ etwa noch irgendwas mit Death Metal zu tun haben?
Und spätestens beim zweiten Prog-Solo hat wohl auch meine Großmutter verstanden, dass ihr voll auf euren Gitarren frickeln könnt. Hört sich dennoch leider alles gleich an.

Eigentlich hatte ich recht schnell mit „A Perfect Absolution“ abgeschlossen. Zu enttäuscht und genervt war ich von der neuen Ausrichtung GORODs. Doch bei genauerer Betrachtung fand ich doch noch zwei Perlen auf dem Album, die als Hoffnungsschimmer nicht unerwähnt bleiben dürfen: „Sailing Into The Earth“ wirkt im Gegensatz zu den restlichen 40 Minuten Spielzeit durchdacht und dynamisch. Gerade das eher thrashende Uptempo und die psychedelischen Läufe klingen nach älteren GOROD und machen das Lied hervorstechend auf der Scheibe.
Etwas zwiespältiger ist mein Verhältnis hingegen zu „Carved In The Wind„, das gleichermaßen einen Lichtblick auf diesem Full-Length bietet. Diese Nummer entwickelt sich angenehm intelligent, vermischt wieder den Death Metal mit Progression. Doch leider klingt der Song auch sehr von Obscura beeinflusst. Alleine der dominante Bass zeigt deutliche Parallelen. Mag das vielleicht auch am Gast-Solo von Christian Münzner (Obscura, Spawn Of Possession, Necrophagist) liegen? Die Eigenständigkeit ist also auch nur relativ. Und was der Funk-Part gegen Ende soll, weiß ich auch nicht.

Trotz dieser beiden hervorragenden Songs, bin ich am Schluss doch eher bitter enttäuscht. Dank dem starken Incurso von Spawn Of Possession, haben sich nun die „Machtverhältnisse“ unter meinen liebsten Technical Death Metal Bands deutlich verschoben. Ein kalter Krieg. Zum finalen Showdown um meine Gunst kommt es wohl noch, wenn ich mir das Triumvirat Obscura, Spawn Of Possession und Gorod am Ostersamstag auf der gemeinsamen Tour in Köln ansehen werde. Doch egal, wie ich „A Perfect Absolution“ nach der Live-Impression betrachte: Eigenständig als technisches Death Metal Album funktioniert das Teil genau so wenig, wie als Nachfolger der bisher umwerfenden anderen GOROD-Platten.

Infos:
Listenable Records – 12.03.2012
8 Lieder / 40:06 Min.

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