Deadborn – Mayhem Maniac Machine

 , ,

Der deutsche Underground hatte mal einiges an gutem technischen Death Metal zu bieten. Doch einzig Obscura scheinen aktuell die Lanze aufrecht zu halten. Wo sind Sinners Bleed geblieben? Jack Slater? Aufgelöst! Das nächste Necrophagist Album wird sehnlichster Erwartet, als die Wiederkunft des Messiahs. Ingurgitating Oblivion lassen sich auch Zeit. Und Defeated Sanity? Nun, die fristen ein mehr oder minder unbeachtetes Dasein im tiefen Underground und sind wohl den meisten Metalheads doch eine Nummer zu brutal. Fast hätte man auch DEADBORN vergessen, denn deren letztes Album erschien auch schon vor fünf Jahren, also 2007. Lange Zeit war es dann auch still, bis „Mayhem Maniac Machine“ doch mehr oder minder überraschend über Apostasy Records veröffentlicht wurde. Nichtsdestotrotz wurden die Band mit den ehemaligen Necrophagist-Musikern vielerseits als beste Tech-Death Bands im (deutschen) Untergrund gefeiert. Auch bei den Kollegen genoss man einen sehr guten Ruf, so dass Chris Neumann von Jack Slater bereitwillig den Bass auf „Mayhem Maniac Machine“ einspielte. Mittlerweile findet sich auch der Gitarrenhexer aus der letzten Jack Slater Inkarnation, Kevin Olasz, als fester Posten in den Reihen der Baden-Badener.

Mayhem Maniac Machine“ ist ein Gesamtkonzept. Angefangen beim Namen und sprechenden Songtiteln wie „Bionic Abomination„, „Second Order Cybernetics“ oder „Premise Of Cryonics“ bis hin zum leicht Steampunk-angehauchtem Biomech-Artwork zieht eine dystopische Zukunftsvorstellung unter Herrschaft der Maschinen den blutroten Faden durch das Album. Um Edge Of Sanity kontextgerecht zu zitieren: „Blood Coloured„!
Und dann sind da die kleinen Details. Teilweise wird dieses Konstrukt durch stoisches Drumming gestützt. „Profanatic Reanimation“ startet beispielsweise mit dieser harten, mechanischen Brutalität. Und auch an anderen Stellen limitiert sich Drummer Slavek Foltyn bewusst in seinem Spiel. Eine Eigenschaft, die nicht viele technische Drummer beherrschen und in dieser Beharrlichkeit echt bewundernswert ist. Gleiches gilt aber auch für die Saiten im Getriebe der „Mayhem Maniac Machine„. Selten habe ich ein Album im technischen Death Metal gehört, was so sehr mit gelebten Minimalismus arbeitet. Die Soli sind wahrlich überschaubar gesät. Sweepings hört man gleichsam nur in homöopathischen Dosierungen. DEADBORN betreiben keine Selbstbeweihräucherung der Musiker. Gleichsam verliert sich Sänger und ex-Gitarrist Mario nicht in irgendwelchen Superlativen, sondern arbeitet zielführend mit Doppelung seiner Gesangslinien. Alle arbeiten zusammen für ihre Tötungsmaschine.

Dennoch oder gerade deswegen sind die Riffs intelligent und heben sich von anderen Genre-Kollegen ab. Im erschreckend pointierten „Reinvention Power Process“ ist die Gitarrenarbeit gut zu verstehen. „Replicants Device“ ist ein schönes Beispiel dafür, wie DEADBORN daraus ihre Marke erarbeiten. Es ist eine typische Handschrift. Fortgesetzt in „Second Order Cybernetics“ oder „Slaves Of Megatron„, die beide auch ohne Problem auf „Decades Of Decapitation„, die überaus genialen Debüt-EP der Band, gepasst hätten. Gerade „Slaves Of Megatron“ ist ein ein Aushängeschild für „Mayhem Maniac Machine„. Doch beschreibt „Bionic Abomination“ das Album wohl am einfachsten und besten. Die Tempo-Wechsel vom schweren, drückenden hin zum brutalen Metzeln, die Gitarren mit griffigen Hooks im Kontrast zu zermürbenden Dissonanzen, ausgeklügelte Spannungsbögen, ein schönes Gesamtkonstrukt zwischen den Extrema, das DEADBORNs Fähigkeiten am besten illustriert.

An dieser Stelle muss ich etwas ernüchternd zugeben: Mein liebstes Werk von DEADBORN ist „Mayhem Maniac Machine“ nicht. Dafür finde ich die erste EP einfach zu stark. Doch soll das keine Aussage über die Qualität dieses Zweitwerks treffen. Denn DEADBORN sind nach wie vor eine hervorragende Band mit einem eigenständigen Verständnis für technischen Death Metal. Und „Mayhem Maniac Machine“ ist eine konsequente stilistische Entwicklung nach „Stigma Eternal„, das als Gesamtkunstwerk gesehen werden kann, muss. Und gerade in diesem Kontext ist es ein kompromisslos gutes, brutales Death Metal Album mit Verstand.

Infos:
Apostasy Records – 20.04.2012
CD – 9 Lieder / 35:48 Min.

https://www.facebook.com/pages/DEADBORN/218704144817043
https://www.facebook.com/apostasyrecords
http://apostasyrecords.com/