07.04.2012 – Obscura, Spawn Of Possession, Gorod, Exivious im Underground, Köln

Infos:
Oster-Samstag, 07.04.2012 im Underground, Köln
Einlass: 18:00h // Beginn: 19:30h
Damage: ~€22,-

Bands: Exivious, Gorod, Spawn Of Possession, Obscura

Offenbar habe ich in letzter Zeit zu viele Konzerte in besetzten Häusern und dem Autonomen Zentrum in Aachen besucht. Selbst im Musikbunker der Karlsstadt wäre ein pünktlicher Konzertbeginn vollkommen undenkbar. Umso überraschter war ich, dass der letzte Tag der Europa-Tour von EXIVIOUS, GOROD, SPAWN OF POSSESSION und OBSCURA wirklich Punkt 19:30h begann.

EXIVIOUS irritierten mich auf mehrfache Weise. Vorher hatte ich den Bandnamen noch nie gehört. Und ich habe das Prinzip, dass ich mir im Vorfeld keinen Eindruck von einer (Vor-)Band über Hörbeispiele aus dem Internet mache. Etwas skeptisch wurde ich zunächst, als die Musiker im weißen Feinrip auf der Bühne standen, mit komischen Hüten und Perücken geziert. Dieser Aufzug war natürlich dem Tour-Ende geschuldet, wie die Band auch in einer späteren Ansage mitteilte. Dafür nahm das Quartett ihre Musik schon etwas ernster. Dennoch konnte ich mich nicht dem Eindruck erwehren, ob ich nicht doch vielleicht gerade auf dem Prog Power Europe sei. Sehr sphärische Prog-Klänge mit endlosen Soli, dynamischen Drums und sehr dominanten Bassläufen dudelten die gut 200 Besucher vor der Bühne ordentlich ein. Als reine Instrumental-Show. Insgesamt ein wenig zu seicht, um in den Kontext der restlichen Tech-Death Bands zu passen. Ich fand es langweilig, auch wenn ich mit dieser Meinung wohl zu einer Minderheit an diesem Abend gehörte.

Mit gemischten Gefühlen ging ich an den Auftritt von GOROD. Bisher war die Band für mich neben Kronos ein Geheimtipp des anspruchsvollen französischen Death Metals. Hätte mich „A Perfect Absolution“ nicht so gänzlich enttäuscht, wäre ich nicht so kritisch in diese Show gegangen. Schnell waren aber alle Zweifel weggeblasen, denn GOROD breschten direkt in die Vollen. Von den moderneren Sperenzchen war kaum etwas zu merken. Dafür zeigte sich Sänger Julien sehr energiegeladen. Die stärkste Bühnenpräsenz hatte aber Bassist Benoit, der wirklich sympathisch schien. Als Versöhnung für mich, gab es die Knaller-Songs „Thirst Of Power“ und „Programmers Of Decline„. Und auch der Höhepunkt des aktuellen Albums „Carved In The Wind“ konnte live richtig überzeugen. „A Perfect Absolution“ werde ich nun zwar auch nicht toller finden. Aber GOROD haben weiterhin einen verdienten Platz in meiner Gunst (;

Nachdem „Incurso“ ein absolutes Brett war, hatte ich entsprechend hohe Erwartungen an SPAWN OF POSSESSION. Doch leider passierte genau das Gegenteil zum Auftritt von GOROD, ich wurde etwas enttäuscht. Ein wenig klang der Auftritt so, als ob man eine pressluftbetriebene Rüttelplatte angeschaltet und dann eine halbe Stunde lang vergessen hätte. Das Drumming war technisch zwar äußerst anspruchsvoll, aber dabei auch unglaublich undynamisch. Gleiches galt auch für die Saiten-Instrumentalisten, die sehr statisch auf ihren Positionen verharrten. SPAWN OF POSSESSION wirkten einfach sehr emotionslos bei ihrem Auftritt. Ob das daran lag, dass die Band bereits 30 Tage am Stück gespielt hatte? Oder ist technischer Hochgeschwindigkeits-Death Metal vielleicht wirklich eher Musik für die Anlage und nicht für die Bühne?
Als kleine Auflockerung in dieses ziemlich gefühlslose Spektakel, kam Tymon von EXIVIOUS wieder auf die Bühne und verband Aushilfsgitarrist Danny Tunker (GOD DETHRONED, ex-PROSTITUTE DISFIGUREMENT), der auf dieser Tour Christian Münzner vertrat, die Augen. Irgendwann auf der Tour konnte Tymon wohl mal sein Griffbrett wegen schlechter Beleuchtung nicht genau erkennen. Darauf hin habe Danny gespottet, dass er auch blind spielen könne. Nun war die Stunde der Wahrheit und Danny musste sich beweisen. Und was soll man sagen? Er hat seine Aufgabe mit Bravour gemeistert, Lead und Rhtythmus saßen genau so tight wie seine Soli. Respektabel.

OBSCURA merkte man deutlich an, dass sie die letzten Jahre quasi nur auf Tour waren. Steffen Kummerer zeigte sich als erstklassiger Frontmann, sympathisch und mit heroischer Bühnenpräsenz. Da wäre so eine Albernheit wie der Bodenventilator für das wehende Haupthaar gar nicht nötig gewesen. Immerhin machen OBSCURA Death und nicht Hair Metal (; Dass der Tour-Tross bereits seit einem Monat ohne Pause unterwegs war, merkte man Steffens Stimme nur bedingt an. Gleiches galt für das Gitarrenspiel Christian Münzners, der aus gesundheitlichen Gründen nur bei OBSCURA und nicht noch zusätzlich bei SPAWN OF POSSESSION spielte. Auch das neue Gesicht in der Band, Bassist Linus Klausenitzer wirkte gut in das Bandgefüge integriert.
Mit lässigen Ansagen, tightem Zusammenspiel und guten Songs festigten OBSCURA ihre Headliner-Position im Billing. Da durften „Incarnated„, „Vortex Omnivium“ oder „Anticosmic Overload“ genau so wenig fehlen, wie das Death-Cover „Flesh And The Power It Holds“ als Zugabe. Hierfür holte man sich Tymon von EXIVIOUS an das Mikro, um Steffens mittlerweile doch angeschlagene Stimmbänder zu schonen. Wow, der Junge hat ein äußerst mächtiges Organ! Warum macht der nicht auch in seiner Band mal das Maul auf? Eine sehr geile Zugabe zu einem sehr souveränen Auftritt. Doch dem engen Zeitplan hatte man zu verdanken, dass um kurz nach 23 Uhr auch schon wieder Ende war. Denn immerhin erwartet das Kölner Underground noch partyfreudiges Publikum für die folgende Veranstaltung….

Durch dieses Konzept, dass man an den frühen Abend ein Konzert und in die frühe Nacht dann eine Party-Veranstaltung legt, erscheint der Ablauf des Konzerts ein wenig gehetzt. Natürlich ist es auf der einen Seite schön, wenn die Umbaupausen nicht übertrieben lang sind, und man schnell die nächste Band sieht. Dennoch hinterlässt die mangelnde Option auf Zugaben und der doch recht stringente Beginn einen etwas fahlen Beigeschmack.
Das eigentliche Programm war fassettenreich. Es bot von ruhigerem Prog bis hin zu Hyperspeed, von Überraschung zu Enttäuschung eine Menge. Gerade diese heterogene Mischung aus Eindrücken und Empfindungen machten den Abend interessant. Ob der Tour-Abschluss für die Bands gelungen war? Kapazitäten hätte das Underground definitiv noch gehabt, war es doch gerade mal etwas mehr als zur Hälfte ausgelastet. Doch die anwesenden Gäste hatten definitiv ihren Spaß, und das ist die Hauptsache!