Spawn Of Possession – Incurso

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Für die Feinschmecker des technischen Death Metals sind SPAWN OF POSSESSION lange keine Unbekannten mehr. Zu Recht, denn qualitativ war die Band schon immer auf hohem Niveau unterwegs. Vielleicht ein wenig zu kopflastig, aber immer noch hörbarer als ihre Landsleute Anata. Mit „Incurso„, ihrem Labeleinstand bei Relapse Records, erklimmen SPAWN OF POSSESSION wieder eine neue Stufe. Ob das nun daran liegt, dass man sich für die Arbeiten an diesem Album doppelt so lange Zeit gelassen hat, wie zwischen dem Debüt „Cabinet“ und dem letzten Album „Noctambulant“ lag? Sechs Jahre sind schon eine lange Zeit im aktuellen Musikbusiness. Im gleichen Zeitraum haben Anata übrigens auch nichts mehr veröffentlicht. Doch wenn man die Wartezeit seit dem letzten Necrophagist Album bedenkt, relativieren sich die Dimensionen auch wieder schnell, da ist seit 2004 nichts mehr passiert. Ob da noch was kommt, ist auch fraglich. Dachte sich Christian Muenzer vielleicht ähnliches? Der zweite Gitarrist von Necrophagist spielt nämlich seit 2009 die erste Klampfe bei SPAWN OF POSSESSION.

Und wenn ich schon bei dem deutschen Tech-Death Wunderkind bin: Seit der „Epitaph“ hat mich kein verfrickeltes Album mehr dermaßen umgehauen, wie es „Incurso“ tat. Von den Vorgänger-Alben ist mir nicht mehr viel im Kopf geblieben, außer, dass ich sie gut fand. „Incurso“ ist da prägnanter und deutlich intelligenter, arbeitet nicht nur verkopft zur Selbstdarstellung der Musiker. Immer wieder wird bewusst das Tempo aus den Strophen genommen und ein gewisser Groove untermalt die jeweiligen Gesangspassagen. Auch sind thrashige Riffs ebenso häufig vertreten, wie griffige Hooklines an den Gitarren und doch recht eingängige Melodieverläufe. Für eine Death Metal Band auf höchstem technischen Level, klingen SPAWN OF POSSESSION nun einfach auch anhörbar.

Kleine Overkills gibt es zwar immer noch. Prinzipiell kanalisiert sich der Frickelwahn jedoch auf „The Evangelist„, das wohl der überladenste Song auf „Incurso“ ist. Trotz vieler Eckpfeiler der Wiedererkennung und makabren Melodien, ist dieser Song wohl der härteste Tobak des Albums und fordert viel Aufmerksamkeit vom Hörer. Gleichzeitig ist es aber auch eine der stärksten Nummern. „Bodiless Sleeper“ verbindet die coolsten Ideen von Jack Slater, den zermürbenden Parts von „From Wisdom To Hate“ (Gorguts) und lässt eigentlich direkt zu Beginn die Frage offen: Quo vadis, Necrophagist?

Die absoluten Höhepunkte finden sich aber in „Spiritual Deception“ und dem letzten Song der überaus anspruchsvollen 55 Minuten von „Incurso„. „Spiritual Deception“ hat die coolste Atmosphäre unter den neun Liedern und ist vergleichsweise straight – bis sich die Musiker am Ende doch noch in Ekstase spielen. Eine unglaublich geile Kombination zwischen Eingängigkeit, furioser Technik und originellem Songwriting. „Appartion“ ist nicht weniger originell und ein direkter Schlag ins Gesicht von Fleshgod Apocalypse. Besser als SPAWN OF POSSESSION kann man orchestralen Sound und derben Technical Death Metal nicht mehr in Einklang bringen. Die Wechsel der Rhythmen und der absolut zerstörerische Schluss des Songs sind einfach einmalig.

Cabinet“ und „Noctambulant“ – nette Experimente auf dem Weg zu etwas Großem! Und da sind SPAWN OF POSSESSION gerade angelangt. So groß, wie das fiese Monster aus einer anderen Dimension, was das wunderschöne Cover von „Incurso“ ziert. Ist dies vielleicht eine Anlehnung an Yog Sothoth aus „The Dunwich Horror“ von Lovecraft? Ich würde es zumindest so interpretieren…

Nachdem ich von Gorods aktuellem Werk „A Perfect Absolution“ doch eher enttäuscht war, ist „Incurso“ die richtige Überraschung dieses Jahres. Kein Wunder, dass die deutsch/schwedische Kooperation zusammen mit den Franzosen (Gorod) und Obscura aktuell die Clubs Europas unsicher machen. Tja, Necrophagist. Der Zug ist weg. SPAWN OF POSSESSION stehen nun auf meinem Götzenaltar der Tech-Bands. An Eurer Stelle.

Infos:
Relapse Records – 13.03.2012
CD – 9 Lieder / 55:44 Min.
https://www.facebook.com/pages/Spawn-of-Possession/228661297189224
http://www.myspace.com/spawnofpossession
https://www.facebook.com/RelapseRecords
http://relapse.com/