Morstice – Deathography 1992-1995

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In der angesagten Retro-Bewegung finden sich bekanntlich nicht nur viele junge Bands nach alter Schule, stoische Kämpfer der ersten Stunde oder alte Herren bei mehr oder minder spannenden Reha-Versuchen. Gleichsam ist es nicht sonderlich unüblich, alten Krempel wieder aus der Rumpelkammer auszugraben und neu aufzulegen. An mancher Stelle mag das durchaus seine Berechtigung haben. So beispielsweise beim Full-Length und den Demos von Funebre, Purtenance oder Unbonded Terror über Xtreme Music. Doch an anderer Stelle ist der historische Wert der Neuveröffentlichung nicht so deutlich.

Ein Beispiel für einem Re-Release mit fragwürdiger Daseinsberechtigung, ist die „Deathography“ der britischen MORSTICE. Gerade zu Beginn der gut 55 Minuten langen CD fragt man sich, warum das chilenische Compilation Of Death, welches aktuell eher wegen seiner gleichnamigen Anthologien in der Szene für Aufsehen sorgt, diese Zusammenstellung veröffentlichte.

Vielleicht wäre es allgemein sinnvoller, wenn man Demo-Compilations in chronologisch umgekehrter Reihenfolge sortieren würde. Also vom jüngsten bis zum ältesten Werk. Dies hätte zumindest bei MORSTICE die doch recht hohe Einstiegshürde etwas niedriger angelegt. Doch hier hätte die stilistisch etwas andere Ausprägung der Band in ihrer Spätphase vielleicht auch das falsche Bild abgegeben.

Insgesamt finden sich alle drei veröffentlichten Demos von MORSTICE auf „Deathography 1992-1995„. Anders als der Name vermuten lässt, erschien das erste mit dem Namen „As My Suffering Grows“ 1993. Für den Umstand, dass dieses Demo angeblich 2010 remastered wurde, klingt es immer noch nicht sonderlich gut. Doch das mag auch dem Ausgangsmaterial von einer ausgeleierten Kassette geschuldet. Die sechs Lieder zuzüglich einem Outro machen gut 22 Minuten Spielzeit aus. Dabei beinhalten aber lediglich die eher mittig platzierten Songs nettere Momente. Insgesamt ist „As My Suffering Grows“ ein eher stumpfes Death Metal Album, das nicht sonderlich essenziell ist.

Mit etwas homogeneren, wenngleich immer noch eher suboptimalem Tape-Sound, zeigt das zweite Demo „Reflections Remain“ einen deutlichen Schritt nach vorne. Dabei wurde dieses Demo gleichermaßen 1993 aufgenommen, lediglich ein halbes Jahr nach „As My Suffering Grows„. Technisch zeigen sich die Gitarren doch schon wesentlich ausgefeilter und spielen nett morbide Melodien. Immer noch kein wirklich bedeutsames Liedgut für die Geschichte des Death Metals, aber durchaus interessanter als das erste Demo.

Zwei Jahre nach den ersten Demos, hat sich einiges bei MORSTICE getan. 1995 fehlen in der Besetzung Lead-Gitarrist Wallis Hodgson und Sänger Steve Gilham, der später u.a. bei Winds Of Genocide seine Stimmbänder quält. Der Bassist Garry Barker übernimmt zusätzlich noch Gitarren, Gesang und Synthies. Der Gesamtsound von MORSTICE bewegt sich deutlich weg vom Death Metal hin zum Black Metal. Eine Entwicklung, die man beim „Left Hand Path„-mäßigen Intro nicht direkt vermutet hätte. Doch so schlecht steht der Band dieser Werdegang eigentlich nicht. Um ehrlich zu sein, empfinde ich diese Spätphase sogar als interessanteste Periode von MORSTICE. Es ist zwar keine weltbewegende Interpretation des Genres und vergleichsweise auch sehr melodisch. Doch die Attitüde stimmt und kommt authentisch rüber. Wenn man aber Intro, Outro und die zwei geklimperten Interludes abzieht, bleiben aus den gut 18 Minuten von „Invoking The Storms“ nur noch drei Lieder übrig.

Auf sechs Seiten Booklet gibt es die üblichen Meta-Informationen zu den Releases, zwei alte Reviews zu den ersten Demos, alte Anzeigen und Bandfotos zwischen einer Menge Bildern von Schädeln. Soweit passt es als Background-Infos für den interessierten Fan und rundet die Compilation eigentlich gut ab.

Nur bleibt am Ende immer noch die Frage nach der Relevanz eines solchen Releases. Als Death Metal Historiker mit fanatischer Sammelleidenschaft und archäologischen Tendenzen zu vergessenen Underground-Bands, ist „Deathography 1992-1995“ sicher eine nette Stunde Exkursion. Ansonsten braucht man diese Zusammenstellung allerdings nicht wirklich.

Offizielle Distributoren für diese CD sind Detest Records, Konqueror Records und natürlich Compilation Of Death.

Infos:
Compilation Of Death – 2011
CD-Compilation – 18 Lieder / 55:39 Min.

http://www.compilationofdeath.cl
https://www.facebook.com/pages/MORSTICE-UK-DEATH-METAL/106593016040654