Grimness 69 – The Bridge

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In „die Stadt hinter dem Strom“ führt nur eine einzige Brücke. Das wusste bereits Hermann Kasack. Nun haben GRIMNESS 69 wohl die gleiche Brücke entdeckt und widmen ihr ein komplettes Album. Das detailreiche und liebevoll gestaltete Artwork von Par Olofsson illustriert die Reise der Verstorbenen und Verdammten über den Strom in einer – bekannt – wundervollen Art. Ein echtes Sahnestück, dieses Cover.

Für die italienischen GRIMNESS 69 war es auch eine Reise über den Strom. Angefangen hat es 2001 als Grindcore-Band noch unter dem Banner GRIMNESS. Mittlerweile sind drei Splits und zwei Alben den Styx hinab geflossen und einhergehend mit der Erweiterung ihres Namens hat sich die Band auch stilistisch verändert. Von den Wurzeln im Grind hört man auf „The Bridge“ kaum mehr etwas. Auch wenn die Songstrukturen teilweise sehr archaisch sind und gelegentlich ein etwas punkigeres Riff samt Beat auftaucht. Viel mehr fundieren GRIMNESS 69 die Eckpfeiler ihrer Brücke in den Death Metal. Doch trotz der neuen Nebentätigkeit von Gitarrist Dr. Fausto als Saitenzerrer bei Undead Creep, klingt „The Bridge“ nicht nach den typische Retro-Bands oder einer aktuell alltäglichen oder gar angesagten Interpretation des Genres!

Für mein Verständnis schwingt die Musik zwischen Avulsed und in manchen Momenten auch ein klitzekleinwenig My Cold Embrace. Leider fehlt es aber an den wahnwitzigen Ideen und furiosen Melodien der Kasseler Death-Punks und dem brachialen Vorgehen mit gleichzeitigem Händchen für gutes Songwriting, was die Band um Dave Rotten so besonders macht. Viel mehr verlieren sich die Songs auf „The Bridge“ gegen Ende zu sehr in den doch recht einfallslos aneinandergereihten Wiederholungen von eh schon ziemlich eindimensionalen Abfolgen (so in etwa, wie dieser Satz). Gerade in so zäh-schleppenden Nummern wie „Doomsday Carillion„, wo auch das Riff nicht wirklich viel kann, driftet die Musik sehr in die Mittelmäßigkeit. Und trotz netter Ideen ist das Gesamtkonzept von „Feeding“ auch eher unbefriedigend. Besser funktioniert da schon „The Shining Key„, auch wenn dieses gegen Ende an benanntem Problem etwas strauchelt.
The Bridge“ ist aber breit genug gebaut, als dass man sich einem schmalen Balance-Akt hingeben muss. Von genanntem Doom-Versuch im Rauswerfer kann man auch zu besseren Songs in der ersten Album-Hälfte wanken, wo „Down To The Bones“ oder „Chariot Of Acrimony“ recht brauchbare Tracks markieren. Selbst das Instrumental „The First Words Of A Dead“ macht mit seinen teilweise zweistimmigen Morbid Angel/Carcass-Soli richtig Spaß.

Neben dem eh schon eher durchwachsenen Songmaterial, leidet der Hörspaß auch ein wenig unter dem Beckensound. Schnell gehen die synthetisch scheppernden Dinger einem auf den Sack. Schade, denn ansonsten klingt „The Bridge“ eigentlich stimmig und bietet allen Instrumenten genug Luft zum Atmen.
Auch bin ich mir nicht ganz schlüssig, warum man dieses Album auf siebzehn Songs strecken musste. Die Spuren neun bis sechzehn sind nur Leerrillen, die zwei Minuten (unnötige) Verschnaufpause vor „Doomsday Carillion“ erzwingen.

Mit wankelmütigem Liedgut erschaffen GRIMNESS 69 mit „The Bridge“ dennoch ein nicht ganz alltägliches Album. Jenseits von Wellen und Trends haben sie einen doch recht eigenen Sound. Zwar noch unausgegoren und auf dem aktuellen Album nicht sonderlich essenziell, doch wer Death Metal abseits von aktuellen Strömungen hören mag, kann „The Brigde“ mal antesten. Das sollte man aber schnell tun! Bei Rising Nemesis Records ist das Teil bereits vergriffen. Vielleicht bekommt man noch eine Kopie bei einem der Partner für dieses Release, bei Sevared Records oder Butchered Records.

Infos:
Rising Nemesis Records / Sevared Records / Butchered Records – 2011
CD – 17 Lieder *hust* / 39:49 Min.

https://www.facebook.com/Grimness69
http://risingnemesisrecords.bigcartel.com/
https://www.facebook.com/RNRecords
http://www.sevared.com/index.htm
http://www.butcheredrecords.com/