Funeral Whore – Step Into Damnation

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Es ist keine Neuigkeit, Oldschool Death Metal boomt. Seit 2007 sprießen überall neue Bands auf einer riesigen Retro-Welle hervor. Und langsam stellt sich eine gewisse Sättigung ein. Bei einigen Releases fragt man sich, ob man den hundertsten Entombed-Klon wirklich braucht? Oder den tausendsten Grave-Abklatsch? Doch immer wieder, wenn ich gerade wieder etwas skeptischer gegenüber neuen Alben werde, wissen gewisse Bands doch noch zu überraschen. Kürzlich erst mit dem Debüt-Album von Horrendous geschehen, und nun, erst unwesentlich später, mit dem ersten Full-Length von FUNERAL WHORE.

Knapp vor den meisten Bands der NWOSDM, also schon 2006 und nicht 2007 (haha) gegründet, haben die Niederländer bereits drei Demos, eine EP und eine Split mit Profanal auf ihrem Konto verbucht. „Step Into Damnation“ ist jetzt das erste richtige Album, das über das mexikanische Chaos Records am 27.02. erschien.

Auch wenn FUNERAL WHORE und Horrendous gleichsam alter skandinavischer Death Metal-Schule huldigen und mich beide Bands total umgehauen haben, zeigen sich dennoch deutliche Unterschiede zwischen den Bands. Im Gegenzug zu Horrendous reduzieren FUNERAL WHORE ihre Interpretation des Genres deutlicher auf das Nötigste. Die Riffs sind sehr straight, roh und dreckig. Doch gerade durch diesen gelebten Minimalismus wird aus „Step Into Damnation“ ein tödliches Geschoss! Die Grooves kommen prägnant und packend, klingen locker aus der Hüfte geschossen. Die bretternden Uptempo-Part sind brutal und fast schon primitiv. Doch die dadurch erzeugte Authentizität entschuldigt gleichsam mangelnde Filigranität.

Weiterhin gewinnen FUNERAL WHORE durch das Konzept „downtuned and morbid“. Denn neben dickem Groove und wütender Aggression, findet auch verdammt finsterer, böser Vibe Platz in den gut 37 Minuten dieses Erstwerks. Gestützt wird die sinistre Atmosphäre durch die häufigen Downtempo-Passagen und darin eingebetteten, epischen wie hypnotischen Minimalismus-Soli. Darum klingt „Step Into Damnation“ tendenziell eher nach Demigod und Funebre, als nach Entombed und Grave. Das macht FUNERAL WHORE wieder etwas interessanter in der Masse an Retro-Bands.

Natürlich muss auch ein bisschen Stilkritik fallen. Eigentlich haben FUNERAL WHORE nur ein Schablonen-Schema: Intro, drückender Uptempo-Part, sehr prägnanter und minimalistischer Refrain, zäher Downtempo-Part und wieder ins Geprügel. Dafür wird dieser Stiefel immer wieder mitreißend und voller Herzblut zelebriert, dass die eigentliche Eindimensionalität des Albums eher sekundärer Aspekt wird. In erster Linie macht die Scheibe einfach nur perversen, primitiven Spaß. Zu „Camp Blood„, „Obedience„, „Failure Of The Sacrifice“ oder „Pierce My Flesh“ kann man einfach nur abfeiern. Und das Dead Kennedys-Whoreship-Riff zum Beginn von „The Bitch Died“ muss man auch einfach erwähnen und huldigen!


ComScore

Infos:
Chaos Records – 27.02.2012
CD – 11 Lieder / 37:36 Min.

http://www.facebook.com/pages/Funeral-Whore/162850173791403
http://www.myspace.com/funeralwhore
https://www.reverbnation.com/funeralwhore
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