Carnalation – Deathmask

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„Richte nie ein Buch nach seinem Einband“ – Eigentlich ein schlauer Spruch. Dennoch ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich mich von Oberflächlichkeiten fehlleiten lasse. Wie auch wieder in dem Fall von CARNALATIONs „Deathmask„. Mein erster Eindruck vom Cover ist nicht sonderlich gut. Irgendwie empfinde ich die Aufmachung „billig“. Es erinnert mich an viele Low-Budget Artworks, die ich vor fünf bis acht Jahren haufenweise in den Fingern hatte. Sollte man sich von solchen Äußerlichkeiten abschrecken lassen? Oder mit Vorurteilen belastet an die Musik gehen? Eigentlich nicht.

Doch irgendwie zieht sich das Gefühl der Durchschnittlichkeit von der Verpackung durch die gute halbe Stunde von „Deathmask„. Technisch sind die Finnen sicherlich fit und zaubern locker flinkes Drumming und frickelige Gitarrenläufe in einen tighten Kontext. Auch stilmittel wie Breaks, Tempowechsel, Stakkati oder Gravity-Blasts sind CARNALATION kein Fremdwort – nur wirken all diese Bausteine nicht songdienlich verwendet. Beispielsweise „Apathy Patterns“ ertrinkt in den übertrieben schnellen Blastbeats. „Resistance“ leidet unter den nervigen Stakkatos und Stop’n Go-Momenten. Und „Virus Design“ gewinnt nicht unbedingt durch Breakdown und Djent-Sounds.

Zwei gute Songs haben CARNALATION aber doch noch im Gepäck, „2000 Years“ klingt mit dem einzigen Solo auf der Scheibe ganz brauchbar und hätte mich vor fünf Jahren sicher gänzlich weggeblasen. Und trotz triolischer Stakkati mag ich „I Am God“ mit seinem sehr prägnantem Refrain.

Insgesamt ist dieses Death-Grind-Gemisch aber einfach zu durchschnittlich um wirklich zu zünden. Für Technik-Freaks sind die Riffs doch zu rhythmus-orientiert. Für Grind-Puristen wichsen CARNALATION zu viel rum. Für mich fehlt es einfach am Feeling in den Songs. Schlecht ist „Deathmask“ nicht. Nur eben ein durchschnittliches Album ohne bemerkenswerte Momente.

Infos:
Spinefarm Records – 2012
12 Lieder / 35:55 Min.

http://www.myspace.com/carnalation
http://www.spinefarm.fi/