Breed Of Bacchus – Liberalia

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Was muss man sich vorstellen, wenn (ehemalige) Musiker von den mighty Sons Of Tarantula, Lemming Project, Suffocate Bastard oder Grober Knüppel eine Band gründen? Richtig, etwas sehr angepisstes, schnelles, rohes. Auf jeden Fall nichts für die breite Masse. Doch bei diesem Name-Dropping wurde meine Neugierde definitiv geweckt und auch nicht wirklich enttäuscht – Auch wenn Timbus, der Mensch aus Suffocate Bastard, mittlerweile durch „The Incrediblde Punknix“ ersetzt wurde, der in den mir unbekannten Fresh Meat wohl aktiv ist.

Tendenziell dürften BREED OF BACCHUS wohl am meisten den Freunden alten Grindcores gefallen. So ranzigen Typen, die Extreme Noise Terror als Götter verehren und Tacheless als Apostell feiern. Die Wurzeln im Punk, Crust, Hardcore, die Fäuste wütend in die Höhe gestreckt. So brettert ein Großteil von „Liberalia“ zwischen zackigem Uptempo und brutalen Blastbeats aus den Boxen.
Gelegentlich finden aber auch Einflüsse aus dem Death Metal, sowohl älterer, wie auch neuerer Schule ihren Weg in die Songs, die dann noch einen Ticken brutaler sind. Und damit wohl auch für Fan des heute etwas verbreitereren Grind-Sounds interessanter werden. So ist die Metal-Seite in „Snort Up Your Remains“ sehr deutlich und „A Taste Of Blood“ zeigt leichte Spuren von etwas härteren (us) Brutal Death Metal. Insgesamt gefallen mir diese stilistischen Auswüchse aber nicht so sehr. Die archaischere Seite passt einfach besser zu BREED OF BACHUS. Hingegen funktioniert die Konstellation in „Can You Take It“ oder „Spucke & Sekt“ mit den thrashy Gitarren wieder sehr gut.

Durch das Pendeln zwischen den unterschiedlichen Ausprägungen des Grinds, erschaffen BREED OF BACCHUS ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Debüt-Album. Zwischen all den ziemlich angepissten und wütenden Liedern findet man hin und wieder mitsingbare Gangshouts, die sogar einiges an Party-Potential bieten. Den Refrain zu „Can You Take It“ kann man sehr schnell mitgröhlen. Auch unter erheblichem Alkoholeinfluss. „De-Educate, Depopulate, Disintegrate“ verlangt dem Publikum da etwas mehr Aufmerksamkeit ab, liegt der Karaoke-Faktor immer noch im brauchbaren Bereich. Besonders witzig ist der Frauenchor in „Psycho Kindergarten Vortex„.
Wenn man nicht unbedingt selber mitsingen mag, kann man einfach dem Castor Fiber lauschen, wie er seinen Job sehr gut, aber gleichzeitig auch nicht unbedingt gewöhnlich macht. Der richtig angefressene Gesang mit den ungestümen, heiseren Schreien und dem wütenden Bellen erinnert gelegentlich an die Sons Of Tarantula, auch wenn er bei weitem nicht so abgedreht ist. Auf jeden Fall sind die Vocals fernab von den gängigen Metal und Grindcore-Extrema und immer noch sehr brutal. Gefällt mir, auch wenn es sicherlich für manchen gewöhnungsbedürftig ist.

Wer sich etwas für die Inhalte der Texte interessiert, kann diese im Booklett der CD nachlesen. Und erfreulicherweise gibt es auch immer ein paar Zeilen Liner-Notes unter jedem Text. Das ist wirklich mal cool! Verpackt wird alles in schönstes Ruhrpott-Prolletarium. Blut, Plastik-Wikingerhelme, falsche Riesenzähne und unzählige Flaschen Bier gehören einfach zum gepflegten Asitum, haha!

Heile Welt macht Krank„, darum sind BREED OF BACHUS wohl nur was für die ganz Kaputten. Doch diese werden Spaß an der räudigen Truppe haben. Sowohl zum Abtanzen, wie auch Abreißen. Am besten in besetzten Häusern und Autonomen Zentren. Bei Interesse bekommt man die CD für 9,90 bei Grindattack.

Infos:
Eigenproduktion – 2012
CD – 14 Lieder / 28:16 Min.

http://breed-of-bacchus.de/
https://www.facebook.com/pages/Breed-of-Bacchus/252285671507584