RazorRape – Revenge Of The Hermaphrodite Whores

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Martin Schönherr singt nicht mehr bei Deranged. Dafür kann er sich wieder mehr seinem eigenen Projekt RAZORRAPE hingeben. Drei Jahre nach dem Debüt (Label-Inhaber Marco behauptet, es wäre nur ein Jahr gewesen) „Unleashing The Shemales Of Vengeance“ gibt es nun die „Revenge Of The Hermaphrodite Whores“. Wesen mit sexuellen Merkmalen beider Geschlechter scheinen es Herrn Schönherr angetan zu haben. Das liebevoll illustrierte Artwork untermalt diese doch etwas ungewöhnliche Liebe. Trotz einiger Macken, mag ich das Cover, es hat sowohl die üblichen Guts’n Gore-Klischees, Titten, Schwänze. Aber auch fröhliche Kinder und einen doch angenehmen Charme. Wenn ich hingegen an dieses grafische Unglück des Debüts denke… Da zeigen sich RAZORRAPE deutlich gereift und professioneller.

Ähnliches kann man auch über die Musik sagen. Vielleicht liegt es einfach nur an der coolen Produktion, die genug Wumms und Druck hinter die Songs legt. Aber auch insgesamt wirken die Lieder mitreißender und mit mehr Gefühl gespielt. Vermessen so etwas über eine CD zu sagen, auf der „Shemale Snuff Scatorgy“ oder „“Diarrhea Bucket“ repräsentative Namen für die lyrische Ausrichtung sind. Doch da muss man RAZORRAPE auch zu Gute halten: Auf dem zensierenden Einlegeblatt vor dem Cover heißt es: „RAZORRAPE is against all forms of sexual abuse of children, women, men and Shemales! Make Love Not Rape!!!“ – Und entsprechend kann man dem Duo Schönherr/Roth auch guten Gewissens die Hingabe in ihre Musik abkaufen!

Revenge Of The Hermaphrodite Whores“ ist an und für sich immer noch simpler und geradliniger Goregrind. Doch finden sich immer mehr tanzbare Grooves als noch beim Vorgänger. So als ob Last Days Of Humanity mit Spasm ein – zugegebenermaßen hässliches, entstelltes und perverses – Kind gezeugt hätten. Entsprechend gestaltet sich das Hörvergnügen auch abwechslungsreicher. Mal gibt es auf die Fresse wie in „Three On A Meathook„. Mal kann man fröhlichen Polka-Ringelrei zu „Castration By Children“ tanzen, das dicke CBT und tscheschen-Grooves fährt. Und erinnert mich „Diarrhea Bucket“ vielleicht sogar an etwas ernster gemeinte Momente von Gronibard? Nur das wiederverwertete „Foreskin Facemask“ wird durch seine Neuauflage auch nicht besser.

Als Bonus gibt es zum Schluss noch zwei Proberaum-Aufnahmen. Ohne Gesang. Und mit sehr wackeliger Aufnahmequalität. Also eigentlich ein Feature, was man sich hätte sparen können.

Am Ende sind RAZORRAPE mit ihrem neuen Album dennoch die Gewinner. Mit deutlicher Steigerung zu „Unleashing The Shemales Of Vengeance“ haben sie ein nettes und kurzweiliges Goregrind-Album für Fans von Spasm, frühen CBT, Ahumado Granujo, Last Days Of Humanity oder Gronibard erschaffen. Sicher kein Meilenstein des Genres, aber durchaus eine Platte, die man sich bedenkenlos geben kann.

Infos:
Rotten Roll Rex – 2011
CD – 13 Lieder / 33:04 Min.

http://www.myspace.com/razorrape69
https://www.facebook.com/pages/RazorRape/252295100699
http://rottenroll.de/