No One Gets Out Alive – Like A Lamb To The Slaughter

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Das ist ja mal ein Ding! Eine CD mit Animal Liberation-Thematik über Rotten Roll Rex? Über das kleine, perverse Label, wo Label-Inhaber Marco mit seinen GUT und Satans Revenge On Mankind eine Split veröffentlicht hat? SROM postulieren bekanntlich „Anti-Vegan und Pro-Atom“. NO ONE GETS OUT ALIVE zieren ihren Silberling hingegen mit „Good Night Human Pride“. Auch Songtitel wie „Stop Animal Experiments (Use Rapists!)“ sprechen eine deutliche Sprache und erinnern an die Attitüde von Cattle Decapitation. Sicherlich wollen sich viele waschechte, beinharte Metaller nicht das Steak verderben lassen und werden die tierfreundliche Message als „Peta-Dreck“ abtun. Doch ich finde die Einstellung klasse!
Die Distanzierung zu Vergewaltigern ist in diesem Kontext gleichsam sehr köstlich, bedenkt man andere Label-Releases wie von Cemetary Rapist oder manch anderer Porngrind-Truppe.

Wo man nach dieser politischen Stellungnahme nun vielleicht Death-Grind im Stile von Cattle Decapitation vermutet, wird man musikalisch allerdings etwas „enttäuscht“. Also im Sinne von „der Täuschung entledigt“. NO ONE GETS OUT ALIVE bedienen sich in einer Dreistigkeit bei den Urvätern des Slam-Deaths, bei Devourment. Die Songstrukturen hat man bereits hundert mal gehört. Die Riffs sogar tausend mal. Und die Breakdowns und „Wendungen“ dürften spätestens seit dem Release von „Butcher The Weak“ selbst meine Nachbarn im Schlaf vorhersagen können. Auch wenn an manchen Stellen die Gitarren schön in zwei Stimmen aufgeteilt sind und in den technischen Höhepunkten sogar derbe, fast schon beklemmende Klangteppiche erzeugen – wie in „Violent Fit Of Temper“ -, ist das Riffing so simpel und eindimensional gehalten, dass man innerhalb von Sekunden einen Song verstanden und verinnerlicht hat.
Gelegentlich klingen auch schon mal andere Ideen durch. Die Spoken-Word-Passage in „Correction Through Punishment„. Oder der Einfluss von Despondency in „You Are Better Off Dead„. Doch insgesamt ist „Like A Lamb To The Slaughter“ ein prototypisches Slam Death Album.

ABER: So sehr NO ONE GETS OUT ALIVE auch die stumpfe Groove- und Mosh-Nummer fährt, so sehr gegen Ende des Albums auch die Luft entfleucht und man den Titeltrack für eine Selbstkopie der vorhergegangenen Leistung hält, so sehr unterhält „Like A Lamb To The Slaughter“ gleichermaßen. NO ONE GETS OUT ALIVE sind trotz – oder gerade wegen ihrer Reduktion auf die Essenz des Genres eine der besseren Slam Death Bands. Und „Cannibalism By Imprisonment“ oder „Stop Animal Experiments“ sind schlicht richtig fette Songs, die definitiv häufiger in meiner Playlist landen werden.

Etwas gewöhnungsbedürftig finde ich aber immer wieder diesen typischen Slam Death Sound. Die Gitarren sind mir etwas zu bissig in den Höhen und Mitten und etwas zu kraftlos in den Bässen. Auch der meist ultratiefe Froschgesang lässt etwas die Brachialität und Energie von Majewski vermissen.

Dafür präsentiert sich NO ONE GETS OUT ALIVE optisch wohl überlegt. Sowohl das Coverartwork weiß zu überzeugen, wie auch die „Band-Bilder“ wunderschön über den Umstand hinwegtäuschen, dass hinter allem eigentlich nur Andreas steckt. Lediglich das Drumming übernimmt Sebastian von Clit$split. Doch bei der geschickten Kollage der Bilder, hätte ich persönlich wirklich zunächst eine „komplette“ Band vermutet.
Gut, dass Andreas einen Drummer für das Album verpflichtet hat. Im abschließenden Song „Time For Human Discreation“ kann man hören, wie sehr das Vergnügen unter dem Klang eines Drumcomputers gelitten hätte. Trotz des gesteigerten Wumms der Gitarren auf dieser Aufnahme.

Sebastian war aber nicht die einzige helfende Hand hinter „Like A Lamb To The Slaughter„. Auch einige Guest-Vocals fanden ihren Weg auf die Scheibe und verhalfen manchen Nummern doch zu etwas mehr Fassettenreichtum. So zum Beispiel der Gesang von Jost/Lay Down Rotten in „Cannibalism By Imprisonment„. Richtig schön brutal und passend zum Song. Weitergehend waren Marty von Kraanium, Hannes von Chordotomy, Peter von Motf und Bjoern von Arcanius mit von der Partie.

Wer also keine Angst vor klischeemäßigem Sound und genre-untypischer Thematik hat und kurzweiliges Slam-Futter sucht, darf gerne bei NO ONE GETS OUT ALIVE zuschlagen. Zumal Rotten Roll RexLike A Lamb To The Slaughterzu äußerst fairen €8,95 unter die Leute haut. Sicher darf man keinen Tiefgang oder bahnbrechende musikalische Revolution erwarten. Doch zum fröhlichen Circle Pit im heimischen Wohnzimmer reicht die Scheibe allemale. Egal, ob nun mit veganer oder carnivorer Snack-Beilage.

Infos:
Rotten Roll Rex – 2011
CD – 13 Lieder / 34:24 Min.

http://rottenroll.de
http://www.myspace.com/nxoxgxoxax
https://www.facebook.com/pages/No-One-Gets-Out-Alive/158076510902663?ref=ts&sk=wall