Horrendous – The Chills

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Die Liste der großen Bands der New Wave Of Oldschool Death Metal wird aktuell mehr oder minder von skandinavischen, genauer genommen sogar fast ausschließlich schwedischen Bands dominiert. Doch das wird sich nun ändern, denn Anfang Januar haben die amerikanischen HORRENDOUS ihr Debütalbum über Dark Descent Records veröffentlicht! „The Chills“ steht in keinerlei Hinsicht der Konkurrenz nach und zeigt sicher noch mancher alten, re-aktivierten Band, wo der Hammer hängt!

Im groben sind schwedische Gitarren und der HM2-Sound die Ausgangs-Situation für das Trio. Wenngleich man auch nicht den typischen Sunlight oder Unisound serviert bekommt. Vielleicht macht gerade dieser doch etwas hervorstechende Sound „The Chills“ schon mal etwas eigenständiger zwischen all den „Left Hand Path„-Klonen?
Doch auch die Instrumentarisierung unterscheidet sich deutlich von anderen Bands der Retro-Welle. Die Basis mag zwar die gleiche sein, doch HORRENDOUS spielen zum einen so passioniert und furios, dass sie richtig Energie erzeugen und über ihren Tonträger an den Hörer weitergeben können. Der Anfang von „Ripped To Shreds“ spricht da Bände! Gleichzeitig drischt die Band aber auch nicht einfach drauf los, sondern arbeitet zusehend intelligent. Angefangen bei den doch vielschichtigen Songaufbauten, die allesamt in sich schlüssig und logisch wirken. So wie „The Slomber“ aus dem Mittelpart wieder in den Anfang findet. So wunderschön kohärent und gleichzeitig immer noch kraftvoll zu spielen, schaffen nicht viele Bands!

Dass HORRENDOUS genau wissen, was sie tun, merkt man auch an vielen kleinen Details auf „The Chills„. Zum einen scheut die Band keine D-Beats, punkigen Momente und noch so simplen Riffs. Und auf der anderen Seite überrascht sie mit unglaublich dichten Konstrukten zwischen zwei Lead-Gitarren und dem Bass. Sei es am Schluss vom Opener „The Womb„, in „The Ritual“ oder dem überaus geilem, zweistimmigen Solo in „The Eye Of Madness„. Dazu kommt ein sehr gelungenes Melodie-Verständnis, was niemals zu cheesy ist, aber genau den richtigen Gehalt an Wiedererkennung in die Songs zaubert. Besonders die getragenen, fast schon epischen Intermezzi in manchen Songs sind einfach nur großartig.
Besondere Erwähnung hat der Bass verdient, der schlichtweg perfekt in den Lieder eingesetzt wird. Wenn möglich schlicht im Hintergrund zum Druck aufbauen. Wenn nötig, kommt er in den Vordergrund und spielt schon mal progressive bis technische Leads – ohne dabei aufdringlich zu wirken!

So bringen HORRENDOUS ihre Interpretation des OSDM wirklich gekonnt über den simplen Worship alter Helden hinaus. Doch wo den alten Helden Tribut gezollt wird, da werden nur die Besten ausgewählt. Mal klingen die Ideen nach Autopsy. Mal erkennt man Dismember im Aufbau und Riffing. Der Gesang klingt nicht selten nach Asphyx. Und gelegentlich schimmert in der forschen herangehensweise alte Death und ganz alte Gorguts durch. Dann gibt es aber auch wieder die morbiden Momente, finster wie die Nacht und so obskur wie das Coverartwork mit den fleischigen Strukturen im Fels andeutet. Dann haben Convulsed oder Demigod einem mindestens genauso großen Einfluss auf HORRENDOUS gehabt, wie die genannten Bands.

The Chills“ entbehrt sich in seiner knappen dreiviertel Stunde jedwedem Füllmaterials. Die Songs sind so kurz wie nötig und so ausschweifend wie möglich. So sehr die Lieder auf den Punkt kommen, so sehr verstehen HORRENDOUS gleichzeitig auch, dass etwas in den Tracks passieren muss, damit es für den Hörer interessant bleibt. Und so schaffen sie wirklich no filler, just killer! Das Jahr ist noch jung, und „The Chills“ ist sehr früh im Kalendarium erschienen. Dennoch ist diese Platte definitiv eine der Top-Scheiben des noch frischen Jahres. Und was am Ende des Maya-Kalenders übrig bleibt, kann eh keiner sagen. Vielleicht haben HORRENDOUS vorher eh schon alles in Schutt und Asche gelegt. Kauf die Scheibe und lasst euch selber umhauen!

Infos:
Dark Descent Records – 02.01.2012
CD – 9 Lieder / 43:26 Min.
http://www.facebook.com/HorrendousDeathMetal
http://www.myspace.com/horrendousdeathmetal
http://www.darkdescentrecords.com/