Funebre – Children Of The Scorn

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Im Zuge des großen Retro-Hypes kommt man natürlich nicht um ein paar Re-Releases von „damals“ herum. Alben, die in der ersten großen Welle des Death Metals für Aufsehen gesorgt haben. Oder einfach nur Anfang der 90er veröffentlicht wurden. Einige Wiederveröffentlichungen scheinen ja nur deswegen zu geschehen, weil die Leute auf „alten Sound“ stehen. Und nicht etwa auf Qualität.

Im Falle von „Children Of The Scorn“ liegt der Sachverhalt aber schon ein wenig anders. Sicherlich ist dieses erste und einzige Album von FUNEBRE aus den glorious Times von 1991. Doch durch die finnisch geprägte Interpretation des Death Metals, war dieses Werk eher abseits der Popularität des unweit entfernten schwedischen Sounds. Qualitativ verdient dieses Album aber definitiv mehr Beachtung, dies hat Dave Rotten, Label-Boss von Xtreem Music, schon vor langer Zeit bemerkt. Darum gab es den ersten Re-Release dieser Scheibe, ursprünglich bei Spinefarm Records erschienen, bereits 2004 über das spanische Label des Avulsed-Sängers. 2011 erfolgte eine weitere Wiederveröffentlichung, dieses Mal aber nicht nur auf CD, sondern auch als schicke, braun/schwarz gesplatterte Vinyl-Scheibe.

Stilistisch ist der finnische Death Metal nicht weit vom schwedischen Sound entfernt. Doch überzeugen Bands wie Demigod, Convulsed oder eben FUNEBRE durch eine morbidere, dunklere Herangehensweise. Gleichsam sind die Finnen auch etwas experimentierfreudiger. Zwar sind FUNEBRE nicht so abgedreht wie Xysma oder Demilich. Dennoch sind die Lieder trotz manch simplen und eingängigem Riffing mit vielen Parts und Wendungen teilweise überraschend aufgebaut. Besonders die Verschachtelung der verschiedenen Teile in „Shiver“ mutet sehr obskur an und erschafft zusätzlich zum bösen Vibe des Songs eine weitere morbide Fassette.

Blood On White“ beginnt mit leichter, finnischer melancholie, wächst aber schnell zu einem brutalen Song, der mit geschicktem Melodieverständnis eine ausgewogene Mischung zwischen Härte und Eingängigkeit erzeugt. Neben „Walls That Held Screams„, das gleichsam sehr eingängig und voller griffiger Gitarrenlinien ist, ist „Blood On White“ wohl einer der repräsentativsten Songs von „Children Of The Scorn„. Auch wenn der komplette Umfang von FUNEBREs Fähigkeiten schlecht auf zwei Songs komprimiert werden kann. So wäre „Redeemed From Time“ beispielsweise ein harter Kontrast, scheppert ziemlich derbe aus den Boxen. „Grip Of Insanity“ klingt fast schon punkig. Und so morbide manche Leads sind, so geil sind die Gitarren-Soli mit Herz und Seele gespielt. Die Blastbeats strotzen nur so vor Aggression, wie der abgrundtiefe Gesang schlicht mega brutal ist. FUNEBRE verbinden Leidenschaft und Experimentierfreude und erschaffen damit einen zeitlosen, obskuren Klassiker.

 

Derweil die Platte lediglich die zehn Lieder des „Children Of The Scorn„-Albums enthält, unterscheiden sich die beiden CD-Versionen inhaltlich nicht voneinander. Beide Pressungen wurden um die beiden Demos FUNEBREs ergänzt. Zuerst das 1990er „Demo II“ und dann das etwas längere erste Demo „Cranial Torment“ von 1989. Damit wird die Gesamtspieldauer von 38:37 Minuten für das Full-Length auf amtliche 76 Minuten angehoben. In Anbetracht des veranschlagten Preises von knapp 9 Euro über den Shop von Xtreem Music, ist das wirklich Value for Money!

Ob man nun die Demos zusätzlich zu dem wirklich genialen Album braucht, ist aber fraglich. Wie zu erwarten, ist die Klangqualität höchstens auf Kassetten-Niveau. Das erste Demo klingt sogar noch etwas krachiger und undifferenzierter als „Demo II„. Dafür habe ich aber auch den Eindruck, dass der Gesang eine ganze Nummer tiefer ist. Persönlich gefällt mir „Grip Of Insanity“ in der Demo-Version zwar besser als auf dem Album, und auch „Imminent Salvage“ oder „Brainspoon“ sind ziemlich coole Songs. Dennoch kann ich persönlich auf die eher knapp überdurchschnittlichen Frühwerke von FUNEBRE verzichten und habe mir lediglich die LP von „Children Of The Scorn“ bestellt, da diese Kritik mal wieder auf Promo-MP3s basiert. Eine interessante Dokumentation der Bandentwicklung ist dieses Bonusmaterial aber ohne Frage.

Mit den beiden Demos und dem einzigen Album, hat Xtreem Music auch fast die komplette Schaffensphase von FUNEBRE abgedeckt. Lediglich die 2-Song-EP „Brainspoon“ fehlt in der Reihe. Doch die beiden enthaltenen Lieder „Brainspoon“ und „Necropolis Discomposure“ sind gleichsam als Demo-Version mit auf dem Re-Release. Ob es klangliche Unterschiede zwischen der EP und den Kassetten gab, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen.

 

Bereits die erste CD-Neuauflage hatte ein neues Artwork. Die aktuelle Re-Release hat wieder ein anderes Cover. Dieses Mal ist es eine Neuinterpretation des Originalbildes, derweil 2004 eher eine grobe thematische Anlehnung Mutter der Illustration war. Das ursprüngliche Artwork soll aber gleichsam mit einem Interview im Booklett von „Children Of The Scorn“ enthalten sein, und somit für Fan und Sammler einen weiteren Aspekt an dem Gesamtbild erschaffen. Da meine Platte leider noch nicht angekommen ist, kann ich auch nicht näher ins Detail gehen. Vielleicht wird dieses Review später noch ergänzt, wer weiß? (;

tl;dr – oder altmodisch ausgedrückt: Lange Rede, kurzer Sinn: „Children Of The Scorn“ ist ein unterbewerteter Klassiker des Death Metals. Sowohl für die finnische Ausprägung des Stils, wo FUNEBRE mit Abhorrence einer der Vorreiter des Genres waren, wie auch für den skandinavischen Sound im Allgemeinen. Die wiederholte Neuveröffentlichung von Xtreem Music ist mehr als Berechtigt, denn dieses Album gehört in jede Death Metal Sammlung. Punkt um!

Infos:
Spinefarm Records 1991 / Xtreem Music (Re-Releases) CD 2004, CD/LP 2011
Children Of The Scorn – 10 Lieder / 38:37 Min.
Demo II – 3 Lieder / 10:36 MIn.
Cranial Torment – 5 Lieder / 26:36 Min.
Gesamt 18 Lieder / 75:50 Min.

http://www.myspace.com/funebrefinland
http://xtreemmusic.com/