Vastum – Death Metal zu dem man ficken kann

VASTUM sind aktuell noch auf dem Weg zum eigenen Sound. Ihr erstes Lebenszeichen „Carnal Law“ hat noch den ein oder anderen unstimmigen Moment. Doch die Richtung ist gut, der Einfluss von Desecrecy/Slugathor genau das richtige für mich. Und als lyrisches Konzept nennt Metal-Archives.com „Abjection, Eroticism, Death“ – da muss ich doch glatt mal genauer nachfragen…

(Legende: KH = Klye, LR = Leila, DB = Daniel)


1. Hallo Leute! Wie geht es euch? Als ich Earsplit PR nach einem Interview mit VASTUM gefragt hatte, meinten diese, dass mehrere Bandmitglieder die Fragen beantworten und man üblicherweise mindestens von zwei Leuten die Antworten bekommt. Nun, darum habe ich gerade absolut keine Ahnung, wer meine dummen Fragen beantwortet, haha! Bitte stellt euch kurz vor! Ich kann mir vorstellen, dass ihr nebenbei etwas gute Musik hört, also was ist gerade in eurer Anlage?

DB: Ich bin Daniel, ich singe bei VASTUM. Heute morgen habe ich Demo-CDs aus den frühen 2000ern von der Wisconsiner Doom/Death Band Aphotic gehört. Die Band entstand als eine andere großartige Wisconsiner Doom/Death Band mit Namen Dusk aufgelöst wurde. Soweit mag ich das Zeug. Und ich liebe ihre frühere Band Dusk.

KH: Kyle, Gitarre. Undergang, verstörender, verrottender underground Death Metal aus Dänemark.

LR: Ich bin Leila, ich spiele Gitarre und singe bei VASTUM. Ich habe gerade Burial Invocation (Türkei) „Rituals Of The Grotesque“ gehört und nun habe ich Absolute Body Control (Belgien) „Figures“ aufgelegt.

2. Es ist schwer irgendwelche Informationen über VASTUM im Internet zu finden. Nur Metal-Archives.com hat mir ein paar interessante Details verraten, die ich später im Interview verwenden will, haha! Also gebt mir doch einen kurzen Einblick in die Geschichte eurer Band! VASTUM wurden 2009 gegründet und haben als erstes Lebenszeichen „Carnal Law“ in 2011 veröffentlicht, soweit richtig?

DB: Wir nannten uns anfänglich in 2009 CORPUS und haben 8 Lieder aufgenommen, die im Stil etwas anders waren als „Carnal Law“. 2010 haben wir dann mit Leila an der Gitarre und Luca am Bass VASTUM gegründet. So erinnere ich es zumindest.

LR: VASTUM wurde Ende 2009, Anfang 2010 aus der Asche des kurzlebigen Nebenprojekts CORPUS von Dan, Kyle und RD (unserem ursprünglichen Schlagzeuger) gegründet. Nachdem meine sechsjährige Arbeitsperiode bei SAROS beendet war, habe ich meinen Weg an die zweite Gitarre bei den Jungs erschlichen, da ich ein ACEPHALIX-Fan und schon lange mit der Band befreundet war. Ich hatte schon immer großen Respekt vor Dans und Kyles Arbeit. Luca (ACEPHALIX) kam kurz nachdem wir uns in VASTUM umbenannt hatten hinzu und wir hatten unser Album Mitte 2010 fertig geschrieben.
Ich kam aus Europa zurück und wir haben den Mix von „Carnal Law“ fertiggestellt, dann wurde auch schon die Kassette im Frühjahr 2011 veröffentlicht. Wir haben keine Zeit verschwendet und ich denke nicht, dass ich jemals zuvor in einer Band war, die so schnell und produktiv gearbeitet hat. RD hat die Band dann im Mai diesen Jahres (2011 – Anm. d. V.) verlassen und nun haben wir Adam Perry (ex-Enemy Soil) hinter den Kesseln. Es ist großartig ihn in der Band zu haben.

3. Die „Encyclopaedia Metallum“ nennt als euer lyrisches Thema „Demütigung, Erotisierung, Tod“ – doch leider habe ich keine Texte bei der digitalen Promo. Erzählt mir und meinen Lesern: Was erwartet uns in euren Texten?

LR: Alle Dinge gleichzeitig gefoltert, schmerzhaft, peinlich und erfreulich… Alle Dinge des Selbsts nehmend und auf den Kopf stellend, die hässliche Essenz freistellend; die Zerstörung des Selbsts. Die Lyrics wurden aus persönlicher Erfahrung und Vorstellungskraft gezogen und wurden auch von verschiedenen Texten aus Philosophie und Psychoanalyse beeinflusst. Sie überbringen die unerforschten, dunklen Aspekte der Sexualität.

DB: Die Lyrics variieren im Thema. Sowohl Leila wie auch ich wollen mit unseren Texten verstören, was selbstverständlich nichts neues in unserem Genre ist. Die Texte zu den Liedern die ich schreibe haben Bezüge auf die Philosophie und die Mystik von Georges Bataille und zu bestimmten psychoanalytischen Ideen. Manchmal sind meine Texte konform zu Erinnerungen aus Lebensereignissen, an anderer Stelle sind sie materialisierte, fleischliche Visionen von abstrakten Konzepten. Thematisch fokusieren wir beide die phallozentrische Sexualisierung von Körper und Fleisch, besonders wie das psychisch, spirituell und materiell durch Institutionen von Familie, Religion und Wirtschaft diese prägt. Wir versuchen aus der Perspektive des Erbärmlichen/Gedemütigten/Unterworfenen/Niederträchtigen (im Original „abjected“, das viele Bedeutungen hat – Anm. d. Verf.) – der Perspektive des Todes – zu schreiben und haben viele persönliche Erfahrungen, die unser Schreiben nähren.

4. Um euren Namen in der Szene bekannt zu machen, verwendet ihr eine streuweite Cluster-Bombe. „Carnal Law“ ist auf Kassette, MCD, Vinyl und als Download erhältlich. Wow, ist das nicht ein wenig übertrieben für ein Demo? Wer hatte die Idee alle möglichen Kanäle für die Verbreitung euer dunklen Vorstellung von morbiden Metal zu nutzen? Wie seid ihr mit den drei Labels in Kontakt gekommen, die in den unterschiedlichen Formaten euer Material veröffentlicht haben? Wie waren die Reaktionen bisher?

KH: Es ist wie Pizza, manchmal willst du verschiedenen Belag, aber Käse ist immer der beste.

LR: Übertrieben? Nein. Es macht Sinn diese verschiedenen Formate verfügbar zu haben. Ich denke, wir alle wollten es so haben, besonders als eine relativ neue Band, die anfänglich nicht wusste, welches Label vielleicht mit uns arbeiten würde. Glücklicherweise hatten direkt ein paar gute Labels Interesse und wir entschieden uns für 20 Buck Spin für den CD-Release und Contagion Releasing für das Vinyl. Die Reaktionen waren bisher sehr positiv, viel besser als wir es erwartet hatten. Ich denke das plötzliche Interesse an der Band hat die Messlatte hoch gelegt, und lässt uns als Band härter arbeiten und die Details in unserem Sound verfeinern.

5. Hat die Vinyl-Version von „Carnal Law“ das gleiche Artwork wie die CD? Gibt es andere Unterschiede in der Aufmachung? Warum hat das Tape ein dunkleres Cover? Wer war verantwortlich für die visuellen Aspekte eures Releases?

DB: Nein, die Vinyl-Version hat ein bedeutend anderes Layout mit zusätzlichen Bildern, Fotos und Liner-Notes. Kyle und ich sind für die visuelle Seite von „Carnal Law“ verantwortlich. Jede Zusammenstellung von Kunst erlaubt uns damit bestimmte Ideen auszudrücken. Die Kassette hat eine Zitat von Zeynep Direk das in direkter Relation zum Cover steht. Im gleichen Sinn haben die Schallplatte und CD Zitate, die mit der Kunst korrespondieren. Wie dem auch sei, ich will nicht den Eindruck vermitteln, dass diese Layouts meisterhaft designt wären. Am Ende sind diese Bilder einfach verdammt verrottet und gehören zur Platte oder dem Tape. Da muss man nicht viel weiter drüber nachdenken.

KH: Dan und ich sind beide für die ganzen Artworks verantwortlich. Ich persönlich denke, die LP ist düsterer. Beim Tape wollte ich die typischen Geschlechterrollen etwas durcheinander bringen, darum hat das Biest, was die andere Gestalt von hinten durchnimmt auch Brüste. Es geht um den Verlust des Selbsts und die animalische Natur erfahren durch Sex und Gewalt. Ohne das „Selbst“ bin ich da Mann oder Frau? Ohne das „Selbst“ bin ich.

6. Der Sound von „Carnal Law“ ist dunkler und abgründiger Death Metal. Ich würde ihn zwischen Grave Miasma und Desecresy einordnen. Aber auf der anderen Seite schein in „Devoid“ auch ein Obituary Worship und einige Thrash-Referenzen in „Umbra Interna“. Wie würdet ihr die Musik eures ersten Releases beschreiben?

DB: Irgendwo zwischen Grave Miasma und Desecresy ist eine nette Beschreibung. Beides sind großartige Bands.

KH: Danke für diese schmeichelhaften Worte. Ich denke bei Vastum immer an „Sounds aus der Unterwelt“ oder „Death Metal zu dem man ficken kann“. Meine größten Einflüsse auf „Carnal Law“ waren Slayer, Grave, Unleashed und Slugathor aus Finnland (Vorgänger-Band von Desecrecy – Anm. d. Verf.).

LR: Unleashed, Cathedral, Death und Slugathor waren definitiv große Einflüsse auf mein Songwriting für „Carnal Law“.

6a. Ehrlich, ich liebe den dunklen, minimalistischen und fast schon rituellen Vibe von „Re-Member“ oder „Spirit Abused“. Aber „Umbra Interna“ ist für mich fast schon wieder zu optimistisch, haha!

DB: Das ist gut zu hören. Ich sehe das als Bescheinigung für die Authentizität der Scheibe.

LR: „Umbra Interna“ ist definitiv ein Außenseiter unter den Songs und hat mehr Death-Punk-Vibe als die anderen Lieder. Er wurde früher als „Re-Member“ oder „Spirit Abused“ geschrieben. Diese Songs gehen schon mehr in die Richtung, in die sich unser Sound im allgemeinen entwickelt hat.

7. Eine Information die ich von Metal-Archives.com bekommen habe: VASTUM bestehen zu 3/4 aus ACEPHALIX. Das ist interessant zu lesen, denn ich höre schon große Unterschiede zwischen den beiden Bands. Wie gesagt, VASTUM sprechen einen verhängnisvollen, abgründigen Dialekt des Death Metals. ACEPHALIX haben immer noch den Crust-Background. Wie funktioniert das Songwriting bei VASTUM? Ist Leila die One-Man-Army, die den Rest der Band zwingt ihre Songs zu spielen?

LR: Haha, nein, ich bin weder eine Arme noch ein Mann. Kyle, Luca und Ich schreiben gemeinsam Lieder, das macht den Prozess ziemlich schnell und effektiv. Es hilft uns auch zu unterschiedlich klingendem, einzigartigem Material.

KH: Leila, Luca und ich schreiben unsere Songs und stellen sie dann der Band vor.

8. Gab es jemals Probleme darin ACEPHALIX und VASTUM zu koordinieren? Shows, Touren und Aufnahmen müssen ja unter einen Hut gebracht werden. Welche Band hat für die jeweiligen Mitglieder Priorität? Oder sind beide Gruppen gleich wichtig?

KH: Beide Bands sind mir gleich wichtig, nur nicht immer zur gleichen Zeit. Doch das hat bisher immer irgendwie geklappt.

9. Wie bereits in der ersten Frage angesprochen, soll dieses Interview durch die verschiedenen Mitglieder von VASTUM rotieren. Darum habe ich wohl eine gute Chance, dass ich auch ein Mitglied von ACEPHALIX hier erwische, haha! Es ist schön zu lesen, dass ihr mittlerweile bei Southern Lord gelandet seid, die Jungs haben einen guten Geschmack. Ihr habt gerade erst zwei Demos in 2011 veröffentlicht – die beide von Southern Lord als Compilation wiederbelebt wurden – entsprechend braucht es für ein neues Full-Length wohl noch eine gewisse Zeit, oder? Schreibt ihr aktuell an neuen Songs?

KH: Eigentlich haben wir eine neue Full-Length bereits im Mai aufgenommen. Sie heißt „Deathless Master“ und soll über Southern Lord im März erscheinen. VASTUM schreiben gerade an ihrem nächsten Album und unser neuer Drummer Adam passt perfekt in die Band.

10. Könntet ihr euch eine Double-Feature Euro-Tour mit ACEPHALIX und VASTUM vorstellen? Ich weiß nicht, ob ihr mit Hardcore/Power-Violence etwas anfangen könnt, aber da gibt es zwei Bands, die sich ihre Mitglieder teilen, Punch und Loma Prieta, die sind oft gemeinsam unterwegs….

DB: Ja, ich könnte mir so was vorstellen. Um die Wahrheit zu sagen, das Thema wurde bereits diskutiert.

11. Ihr wisst es, es gibt bestimmte Regeln für jedes verschissene Interview. Eine ist die Frage um die Zukunft einer Band. Also wann gibt es das VASTUM Full-Length? Und was sind die Pläne für eure nahe Zukunft?

KH: Böse und verrottete Songs schreiben und ein neues Album machen.

LR: Wir werden unser zweites Album hoffentlich im Herbst nächsten Jahres veröffentlichen. Auch wieder über 20 Buck Spin. Gerade sind wir mitten im Songwriting und haben um die 2/3 des Albums bereits fertig geschrieben.

12. Jungs, dies ist das Ende eurer freudlosen Reise durch meine Fragen. Lasst uns die Sache mit einer Frage beenden, die ich Thomas vom Necromaniac-Fanzine widmen will: Was sind eure aktuellen Top-10 Alben?

DB: Aktuell: Blessed Offal „Demo“, Knelt Rote „Insignificance“, Mournful Congregation „Book of Kings“, Cruciamentum „Engulfed in Desolation“, Ignivimous „Blood of Mercury“, Mitochondion „Parasignosis“, Ritual Necromancy „Oath of the Abyss“, Venenum „Demo“, Anhedonist „2nd Demo“ (unreleased), Negative Plane „Stained Glass Revelations“, Witchrist „Beheaded Orobouros“, Antediluvian „Through the Cervix…“, Loss „Despond“ (das sind aber mehr als 10… – Anm. d. Verf.)
Älteres Zeug: Infected Virulence „Demo“, Castle „Castle“, Dominus „View to the Dim“, Anathema „Crestfallen“, Septic Flesh „Esoptron“, Sexton „Fade Out“, Lemming Project, Protector, ich könnte immer so weiter machen, eine spaßige Frage…

KH: Grave „Into the Grave“, Slayer „Hell Awaits“, Driller Killer „Reality Bites“, Suffocation „Effigy of the Forgotten“, Wolfpack „A New Dawn Fades“, Bolt Thrower „Mercanary“, Convulse „World Without God“, Judas Priest „Screaming For Vengeance“, Dismember „The God That Never Was“, Immolation „Dawn of Possession“.

LR: Convulse „World Without God“, Cathedral „Forest of Equilibrium“, Chameleons UK „Script of the Bridge“, Bathory „Blood, Fire, Death“, Skinny Puppy „Rabies“, Disma „Towards The Megalith“ (Ich komme aus dem Norden von New Jersey und das hat mich sehr inspiriert bösen Death Metal zu machen), Rippikoulu „Kadonneet Jumalat“, Nitzer Ebb „Basic Pain Procedure“, The Cure „Faith“, Tor Lundvall „Empty City“.

13. Ich danke euch vielmals für eure Zeit und Höflichkeit meine Fragen zu beantworten. Ich freue mich schon auf neues Material von VASTUM, auch wenn mit auf „Carnal Law“ viel zu viele fröhliche Momente waren, haha! Cheers und alles Gute an euch! Hinterlasst eure letzten Worte an diejenigen, die bis hier hin gelesen haben!

KH: „It is in dying that one awakes to eternal life“

LR: Danke für das Interview, wir sehen uns hoffentlich bald in Europa.

DB: Danke für das Interview. Sorry, dass die Antworten so lange gedauert haben…



Interview: Chris (Necroslaughter) / Klye, Leila, Daniel (VASTUM) · 27.12.2011
© Bilder: Vastum, Live-Photos © Jacqui Rae!

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