Mystical Music – Brutale Musik braucht brutale Sprache!!!

Seit 16 Jahren gibt es nun das MYSTICAL MUSIC Fanzine von Ralf Hauber, das nach einer Sprachumstellung auch Englisch auf international einen guten Ruf genießt. Zurecht, denn dieses Fanzine ist eines der Besten. Dank visueller Beiträge von diversen, hochwertigen Underground-Künstlern und der optischen Zusammenstellung von Leif Timm (Carnage Fanzine) werden die unglaublich tiefgehenden Interviews von Ralf perfekt ins rechte Bild gesetzt.
Nach jahrelangem Kontakt wurde es langsam Zeit für ein intensives Interview mit Herrn Hauber. Dank der aktuellen Retro-Welle war dieser aber mit den Verkäufen seines Heftes beschäftigt, so dass gut zweieinhalb Monate ins Land zogen, bis die Antworten wieder ihren Weg zu mir fanden. Wer bisher noch keine Ausgabe von MYSTICAL MUSIC #16 hat, sollte sich beeilen, viele Hefte gibt es nicht mehr.

An dieser Stelle noch mal ein Sorry an Ralf, dass ich dieses Feature nicht als Pseudo-Fanzine zum Download verpacke, wie ich es für den Necromaniac gemacht habe. Doch bei gerade mal 10 Downloads des PDF-Dokuments lohnt sich nicht die stundenlange Arbeit dahinter. Sorry!


Hey Ralf! Wie geht es Dir? Du musst Dich im aktuellen Retro-Boom ja richtig wohl fühlen, oder? Haha! Das letzte Mal warst Du im März 2004 bei mir in der Fragestunde, als IMMORTAL RITES ihr Debüt-Album veröffentlicht hatten. Erinnerst Du Dich noch, oder war die Verdrängung erfolgreich? Haha!

R.H.: Servus Chris & beste Grüße an die NECROSALUGHTER Leserschaft!?!
Erstmal Sorry für die lange Verspätung, aber seit dem Release von Ausgabe #16 hatte ich hier Bestellungs & Mail Chaos des Todes – da blieb leider viel auf Halde!!!

Retro-Boom!?! Ich denk‘ das hat sich jetzt auch erst die letzten zwei Jahre zugespitzt – am Ende gilt es wie bei allem: Zu viel ist zu viel und nur wer sein Ding wirklich ehrlich und mit Herzblut durchzieht setzt sich durch!!! Am Ende wissen jedoch nur wirklich wenige U-20 Kids, wo Death Metal wirklich herkommt und dass dieser nicht von Bands wie JOB FOR A COWBOY & Co erfunden wurde, oder!?!

Wow, 2004 – ich weiß, dass wir im Zuge des Release von „Art of Devolution“ (Debut Album von IMMORTAL RITES) in Kontakt kamen und seither immer wieder geschrieben haben – ist auch cool so, denn Unkraut vergeht nicht, Ha!

Wie ist eigentlich der aktuelle Verkaufstatus vom MYSTICAL MUSIC? Hast Du noch viele Hefte auf Lager?

R.H.: Hm, also Ausgabe #16 kam Mitte Oktober 2011 raus und jetzt kurz vor Jahreswechsel habe ich noch ca. 150 von ursprünglich 500 Heften – läuft also sehr gut!!! 2/3 hiervon gingen an Maniacs außerhalb von Deutschland!!!

Wenn ich richtig informiert bin, hast Du 1995 mit dem MYSTICAL MUSIC angefangen. Menschenskinder, da konnte ich noch nicht mal das Wort „Schultüte“ schreiben, haha! Erzähl doch zu Beginn erst mal, was Dich dazu gebracht hat, ein eigenes Fanzine auf die Beine zu stellen. Und warum hast Du den Namen MYSTICAL MUSIC gewählt? Irgendwie ist das kein typische Name für ein Death Metal Magazin…

R.H.: Wow, das war damals zu Realschulzeiten – ca. 8 oder 9te Klasse! Mit meinem Kollegen und MYSTICAL MUSIC Mitbegründer Dominik Irtenkauf (heute u.a. bei LEGACY) nahm das alles seinen Anfang.
Es war das Entdecken einer Undergroundszene fernab von ROCK HARD / METAL HAMMER. Wir bestellten erste Demos, u.a. das erste Demo von DEW-SCENTED, das zweite Demo von MONSTROSITY, Bands wie KRABATHOR oder die erste MCD von DARK FUNERAL war auch ein Meilenstein. Es war quasi das Entdecken von einer neuen und extremen Musikwelt, die eine unheimliche Faszination ausübte. Aus heutiger Sicht war dies auch ein anderes Konsumieren von Musik, da man sich als Schüler nicht ständig neue Scheiben kaufen konnte, hat man viel getauscht und sich vor allem auch RICHTIG mit einem Werk auseinander gesetzt – wahrscheinlich weil man auch mehr Zeit hatte, Ha!
Jedenfalls war das fernab der heutigen Download-Sache. Da gab’s noch richtige Post, getauschte Tapes usw. – aber zurück zu Deiner Frage:
Irgendwann kam halt der Punkt, wo wir selber aktiv in der Szene werden wollten, d.h. nicht „nur“ „Konsument“ sein, sondern auch was dazu beitragen.
Nach ersten Schreib-Versuchen kam die Idee zu MYSTICAL MUSIC Zine.
Ja, der Name stinkt nicht gerade nach DEATH METAL, aber es war eben auch ein Name, der eine gewisse Entwicklung zuließ. Die Ausgaben 1 – 5 waren – noch mit Dominik – auch wesentlich „facettenreicher“ als das was danach kam.
Wir hatten da z.B. auch Bands wie BETHLEHEM, LUNAR AURORA, SECRETS OF THE MOON, THERION, MOONSPELL, ANCIENT CEREMONY drin.
Irgendwann war jedoch der Bogen etwas überspannt. Auch Dominiks Schreibstil passte irgendwann nicht mehr zu dem meinen, so dass er im Zuge seines Studiums auch bei MYSTICAL MUSIC „im guten Sinne“ ausstieg! Für mich – ich bin mehr eine Sorte „Bewahrer-Charakter“ – war dann klar, dass DEATH METAL doch mein Ding ist, um welches es sich zu 90% in diesem Heft drehen sollte.
Noch zum Namen: Ich hab‘ erst gestern wieder das erste SEPTIC FLESH Album „Mystic Places of Dawn“ von 1993/94 gehört – war damals ein total abgefahrenes Ding; glaub‘ da kam vielleicht unbewusst auch der Gedanke zu MYSTICAL MUSIC als Name her :)

Wir in Deutschland leiden eigentlich unter einem Überangebot an Metal. Neben vielen Releases aus aller Welt gibt es fast wöchentlich dutzende Konzert und eine unüberschaubare Masse an Magazinen. Besonders das Aufkommen von Webzines hat dem klassischen Fanzine viele Lesern genommen. Es kam, wie es kommen musste. Ich kann mir Vorstellen, dass ein schwindender „Absatzmarkt“ Dich und Leif damals dazu getrieben hat, eure beiden Magazine als Split-Heft zu veröffentlichen. Eigentlich eine coole Idee und total im Spirit des „Miteinanders“. Hattet ihr für diese Idee irgendein Vorbild? Ich persönlich kenne nun kein anderes Split-Zine…

R.H.: Hm, Vorbild!?! Es gab auch ein holländisches Split-Zine namens MORTICIAN / NUMSKULL – hab‘ ich auch noch irgendwo rumkullern.
Die Idee ist nicht neu!!! Denk‘ das Split-Ding ist auch mehr an diese Form der Vinylreleases angelehnt. Der Grundgedanke war folgender: Wie von Dir erwähnt war und IST (!!!) der „deutschsprachige“ Markt in Sachen Metal-Medien total geflutet. Da CARNAGE & M.M. ein und dasselbe Zielpublikum hatten war dieser Zusammenschluß doch schon sehr effektiv, vor allem auch hinsichtlich der Verbreitung/Absatz der Hefte.
Die Idee war auch, dass jeden Heft in Sachen Layout/Style seinen eigenen Charme bewahrt. Nun ja, wenn Ihr irgendwo noch eines dieser Exemplare in die Hände bekommt, dann macht Euch hiervon Euer eigenes Bild!!!

Leider hat der Leif irgendwann sein CARNAGE einfach dran gegeben. Warum eigentlich? Eine Schande ist das.

R.H.: Hm, nicht ganz!!! Leif macht ja seine Online-Sachen noch!!! Die Old School Seite ist hierbei ein schönes Archiv – check it out: http://www.carnagedeathmetal.de/
Zusätzliche hat er kürzlich eine 4 Way Split CD mit TEARS OF DECAY, VERY WICKED etc. veröffentlicht – Unkraut vergeht nicht!!!
Es ist vielmehr so, dass eben das klassisch gedruckte CARNAGE gerade „dead but dreaming“ ist. Für mehr Details musst Du Ihn selber fragen!!!

Du hast aber weiter gemacht, nur dass Du mit #13 die Amtssprache vom MYSTICAL MUSIC auf englisch gewechselt hast. Konnte das die Verkaufszahlen des Magazins wieder hoch bringen? Bereust Du, dass Du diesen Schritt nicht früher gemacht hast?

R.H.: Anfänglich war es für mich vielmehr die Angst, dass mein Englisch hierfür nicht ausreicht, aber wie alles im Leben, man lernt dazu! Klar kann man bei mir das Standard Schul-Englisch aus Mitteleuropa raus lesen, welches nicht jedem Oxford Freak in den Kram passt, aber what the fuck!?! Brutale Musik braucht brutale Sprache :)
Bereuen!?! Jeder Schritt braucht seine Zeit – ich denk‘ jedoch, dass der Sprachwechsel das Heft gerettet hat. In gewissem Sinne bin ich jedoch etwas enttäuscht vom deutschsprachigen Markt, was jedoch wie schon gesagt auf das Überangebot zurück zu führen ist!!!
Es sieht auch so aus, dass 85% der Metalheads lieber 3 Euro für ein Bier wie für ein Undergroundfanzine ausgeben, da sie keinen Bezug für diese Sache haben. Das ist eben Futter für „Die Hards“!!!
Des weiteren sieht es so aus, dass die jüngere Generation z.T. gar keinen Bezug mehr zu Printmedien im Metalbereich hat. Das merken jedoch auch die Kioskblätter!!!

Gut 16 Jahre MYSTICAL MUSIC. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer ein Zuckerschlecken war. Hinter so einem Magazin steckt eine Menge Arbeit, Geld und sicher auch Frustration. Gab es Situationen, in denen Du daran gedacht hast, einfach aufzuhören?

R.H.: Durchhänger hat man immer wieder und stellt sich die Frage nach Sinn & Unsinn!!!
Die letzten Ausgaben waren ein großer Motivationsschub!!! Generell liebe ich es einfach „aktiv“ zu sein – nach gewisser Zeit muss/will ich was reißen – Sinn oder Unsinn bei Seite geschoben!!!

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die nächste Ausgabe noch ein Wackelkandidat. Willst Du nun die Verkaufszahlen von Ausgabe Nr. 16 über das Fortbestehen des MYSTICAL MUSICs entscheiden lassen? Oder ist es Dir wirklich so zu wider eine Band mehr als einmal in Deinem Heft zu haben, dass Du Dein aktuelles Format selber zu sehr limitierst und dadurch einfach was neues her muss?

R.H.: Weißt Du, es geht einfach darum, dass es immer schwerer wird eine neue Ausgabe mit guten Bands zu füllen, die a) alle in eine gewisse Sparte passen und b) möglichst noch nicht in unserem Heft vertreten waren. Wenn Du Dir mal die Inhalte der letzten 16 Ausgaben (inkl. Der Split-Sachen) anschaust, dann kommt da schon eine dicke Liste beisammen. Fakt ist auch, dass jede Ausgabe auch gewisse „Zugpferde“ braucht, welche eben den Leuten direkt ins Auge springen, z.B. hatte #15 EDGE OF SANITY, DISMEMBER oder PUNGENT STENCH und #16 hatte AUTOPSY, MORGOTH oder BRUTALITY. Es wird immer schwerer eine gute Konstellation zu finden, welche Du zusätzlich mit neuen coolen Sachen auffüllen kannst!!!

Warum willst Du eigentlich keine Band mehrfach in Deinem Heft haben? Ein oder zwei Mal hast Du diese Regel ja doch gebrochen…

R.H.: Ja, es gab‘ ein paar Wiederholungstäter wie FLESHCRAWL, MONSTROSITY etc. – mein Ziel ist es ja auch Interviews zu machen, die etwas in die Tiefe gehen und nach einem großen Feature ist irgendwann auch der Drops gelutscht!!! Ich mach‘ das ja auch für mich als Fan und nicht um jetzt z.B. eine Band drin zu haben, nur weil diese gerade eine neue CD am Start haben. Es muss eben auch eine Herausforderung oder Bezug dabei sein!!!

Bist Du aktuell neben dem MYSTICAL MUSIC noch in anderen Magazinen aktiv? Egal ob nun gedruckt oder „nur“ virtuell. Beim Voices From The Dark Side schreibst Du hin und wieder und früher gab es auch beim Ancient Spirit schon mal Beiträge von Dir…

R.H.: Ja, ich versuch‘ auf jeden Fall die eine oder andere Story für die Debut-Ausgabe von ORGAN beizusteuern. Das ist ein Neues Zine, welches von Mathew Carr „alias“ PURID GORE ART in’s Leben gerufen wurde. Das Teil wird in Sache Layout sehr speziell, eher „Comic – Style“, krass illustriert und genauso morbide wie dessen anderen Artworks. (https://www.facebook.com/OrganZine – Anm. d. Verf.)

Nun ja, bei Dir im NECROSLAUGHTER hab‘ ich ja auch schon Stories gebunkert ebenso im HELLSPAWN Magazine aus Spanien oder im IN DEED HELL aus der Tschechei (Ein cooles Zine, welches von dem Künstler „Deather“ gemacht wird, welcher u.a. auch das Artwork für „Dechristianize“ von VITAL REMAINS gemacht hat).
VOICES und ANCIENT SPIRIT sind auch noch auf meiner Liste; ich mag‘ die Idee Interviews auf verschiedenen Plattformen und in verschiedenen Sprachen zu veröffentlichen.
Ach ja, für die letzten Ausgaben von CHAOS Mag. (R.I.P.) habe ich auch Beiträge gemacht… habe also schon ein paar Spuren hinterlassen, Ha! Ha!

Lass uns mal etwas über Dein aktuelles Heft reden. Irgendwie ist der Veröffentlichungszeitpunkt ein bisschen ungünstig, so ca. einen Monat nach dem neuen NECROMANIAC, das sich dieses Mal inhaltlich ziemlich mit deiner Gazette überschneidet…

R.H.: Hm, ich hatte mir in der Situation im Vorfeld auch Gedanken gemacht ob das gut geht, aber nun sieht es so aus, dass ca. 3 Monate nach meinem Release noch 150 Exemplare da sind und der NECROMANIAC ist mit seiner aktuellen Nummer sold out!
Ich denk‘ beide Ausgaben treffen dasselbe Zielpublikum und dieses Zielpublikum hat beide Hefte dankbar aufgenommen. Meine Bedenken lagen vielmehr darin: Druck etc. kostet eine ganze Menge Geld – mal den ganzen Zeit & logistischen Aufwand (Post, verpacken etc.) bei Seite gestellt – d.h. um später mehr Altpapier im Keller zu haben, wäre das sehr viel Geld, aber sagen wir mal so die „Die Hard“ Fans sind sehr dankbar über beide Hefte!!!

Ich mag‘ das NECROMANIAC sehr – ein paar Ding in Deinem Interview mit Thomas sind da wohl etwas ausgeufert, aber so sind halt die Friesen! Es geht nix über ein ruhiges schwäbisches Gemüt, Ha! Ha!
Im Ernst, beide Hefte haben das Rad nicht erfunden – schau‘ Dir nur mal den aktuellen Buchrelease über die Metallions Arbeit für das SLAYER Zine an – das sind mal die „Roots of all Evil“!!! Jeder kocht nur mit Wasser und niemand hat ein „Patent“ auf diesem Krempel!!!

Früher hattest Du schon mal die ein oder andere helfende Hand bei den Interviews. Ausgabe 16 ist aber inhaltlich quasi im Alleingang entstanden. Die 6 Zine-Reviews vom Leif ignoriere ich nun einfach mal, haha! Hatte dieses Mal niemand Bock Dir zu helfen oder warum findet sich dieses mal nur zu 100% Hauber im MYSTICAL MUSIC?

R.H.: Keine Ahnung! Ich hab‘ in der Vergangenheit mit einigen Schreibern gewerkelt, aber bei den einen ließ die Motivation schnell nach als der Aufwand bekannt wurde und andere hatten am Ende ein Problem mit mir!
Am Ende ist die jetzige Konstellation mit Leif ideal, wenn er Bock hat, soll er was machen ansonsten kommt der Rest von mir. Zu viele Köche verderben den Brei!!!

Im MYSTICAL MUSIC 16 ist dieses Mal zwar kein Special über einen Künstler. Dennoch ist der graphische Aspekt bei Dir immer sehr wichtig gewesen und diverse Zeichner wurden bei Dir vorgestellt. Und auch in Deinen Reviews legst Du immer viel Wert auf das „Drumherum“ eines Releases. Also Logo, Artwork und so weiter. Und ich erinnere mich, dass Du mir vor ein paar Jahren auch schon mal eine Kritik gedrückt hattest, als ich noch so eine simple Computer-Schriftart als Logo hatte, haha! Erzähl mal etwas über dein Verständnis der optischen Komponente am Death Metal.

Wir wollten von Anfang an kein Heft machen bei welchem irgendwelche Musiker Hackfressen auf dem Cover sind – seit #1 ist es Tradition, dass gewisse Undergroundkünstler hierfür verpflichtet werden, welche eben den Spirit treffen.
Das war mir auch das Geld wert, denn am Ende ist es doch genial, wenn Du ein Artwork hast, welches nur für Dein Projekt entstanden ist!!! Optische Komponente!?! Schau‘ Dir die Releases von HOODED MENACE, UNDERGANG, SATHANAS, BLASPHERIAN, NECROS CHRISTOS, INTERMENT etc. an – da ist es schon so, dass die Artworks einen unheimlichen Charme haben, welcher eben auch dieses „Die Hard“ Feeling verkörpern!!! Die unheimliche Dreifaltigkeit aus Musik, Texte und Artwork sollte stimmig sein, um einen Release vollkommen zu machen!!!

Woher bekommst Du eigentlich all die Rahmen für Deine Layouts? Bei ein paar erkennt man deutlich die Handschrift vom Matt Putrid, Necromaniac und wenn ich mich nicht irre sind auch ein paar Dragon Design Sachen in der aktuellen Ausgabe, oder? Gibst Du die Frames in Auftrag, oder haben die Künstler alle noch Kritzeleien rumfliegen, die Du dann einfach verwertest? Bezahlst Du die Zeichnungen oder ist das mehr oder minder die Gegenleistung für die Werbung, die Du damit für den Künstler machst? Underground-Spirit in allen Ehren, aber irgendwovon müssen die Leute ja auch leben und das Zeichnen ist eine nicht zu unterschätzende Arbeit…

R.H.: Alles hat seinen Preis im Leben – Jeder dieser Künstler bekommt viele Anfragen und es sieht so aus, dass viele Außenstehende nicht wissen, wie viel Zeit, Aufwand und Herzblut oft hinter so was steckt!!!
Wenn Du mit jemand zusammenarbeitet, dann musst Du das wertschätzen, aber am Ende hat meine Erfahrung gezeigt, dass man mit jedem reden kann und sich auf eine gewisse Art & Weise einig wird – sei es gegen Cash, Anzeige, Belegexemplare etc.!!!
Generell denke ich, dass die Qualität von Heft, Band oder sonst noch was überzeugen muß, dann hast Du auch eine gute Grundlage um attraktiv für gewisse „Künstler“ zu wirken.
Viele Kontakte haben sich über Jahre entwickelt und sind nun auf einer freundschaftlichen Basis. Nach 16 Ausgaben habe ich auch ein kleines Archiv an Rahmen etc. – ach ja, weitere Künstler die in Deiner Aufzählung nicht fehlen sollten sind Maik Godau, Deather, Christophe Szpajdel, Chris Moyen, Daniel Desecrator etc.!!!

In 16 Jahren Fanzine hattest Du schon einige große und kleine Namen in Deinem Magazin. Dabei waren sicher auch viele Deine Jugendhelden, doch welches ist Dein persönliches Highlight aus 16 Ausgaben MYSTICAL MUSIC? Gab es vielleicht auch ein Interview, wo Du im Vorfeld größere Erwartungen hattest und durch magere, einsilbige Antworten enttäuscht wurdest? Oder vielleicht gar keine Antwort bekommen hast, obwohl Du Stunden mit der Konzeption und Ausarbeitung der Fragen beschäftigt warst?

Alle von Dir erwähnten Erfahrungen habe ich gemacht und das gehört auch irgendwie dazu!!! Bands wie MERCILESS habe ich sehr lange „penetriert“ um an Antworten zu kommen; am Ende ging viel über Umwege und durch Empfehlungen von anderen Quellen. Erik von MERCILESS schickte mir zur Wiedergutmachung dann sogar noch ein Shirt!!! Hartnäckigkeit kann also helfen, Ha! Ha!
Ich muss sagen, dass am Ende Kontakte das A und O sind. An viele gute Interviews bin ich über Promofirmen wie SURE SHOT WORX gekommen und ich glaub‘, dass sich auf die Dauer auch längerfristig gesehen gute Qualität durchsetzt. Ich mach 90 % aller Interview aus dem „schriftlichen Wege“ und da gehört auch das Glück dazu, den Gegenüber in einem guten „Mood“ zu erwischen!!!
Aber z.B. habe ich für Ausgabe #16 trotz mehrmaliger Versprechen keine Antworten von Jeff Becerra / POSSESSED bekommen – das war am Ende nur heiße Luft!!!
Aber das ist alles Part of the Deal, wenn man so ein „Käseblatt“ macht :)

Der Underground lebt nicht von Konkurrenzdenken, sondern vom Miteinander. Darum darfst Du an dieser Stelle auch mal Werbung für Deine Kollegen machen! Welche anderen Magazine liest Du regelmäßig und kannst sie bedenkenlos an mich und meine Leser empfehlen?

R.H.: Regelmäßig!?! Ich hab‘ ca. 2007 aufgehört mir regelmäßig ROCK HARD oder LEGACY zu holen, was einfach daran lag‘ dass ich mehr Bücher oder eben „musikfremde“ Publikation gecheckt habe. Wenn ich heute z.B. ein Interview vorbereite, dann checke viel im Netz oder bei den Zeitschriften, welche ich vor Ort habe. Sehr cool ist es natürlich, wenn ich Hefte wie das neue REBORN FROM ASHES oder NECROMANIAC bekomme. Das FROM BEYOND ist auch ein gutes deutschsprachiges Zine in dieser Sparte. Eher stilumfassend find‘ ich auch das HAMMERHEART Zine sehr cool!!!

Egal ob nun gedruckt oder vielleicht sogar online? Oder sind diese Webzines so gar nicht Deine Welt?

R.H.: Im Netz checke ich regelmäßig VOICES FROM THE DARKSIDE und die BLABBERMOUTH.net Seite – Letztere ist halt trotz BILD Charakter cool für ein Update!!!
Ansonsten checke ich eher sporadisch durch oder wenn ich z.B. auf Facebook einen interessanten Link finde.

Was hältst Du vom aktuellen COMPILATION OF DEATH? Umfang und Preis sind ja schon eine ordentliche Hausnummer…

R.H.: Ich denk‘ der Gabriel macht gute Arbeit mit seinem COMPILATION OF DEATH Zine – viele der Artworks stammen von Daniel Desecrator, welcher in Chile einer DER Künstler / Tattoowierer für diese Sparte ist. Das Heft wird in den USA via DARK DESCENT Records gemacht und läuft wohl sehr gut. Ich denk‘ Porto etc. wird sich auch auf den finalen Preis auswirken, welcher sicherlich eine Hemmschwelle ist – man muss jedoch die Gesamtsituation sehen!!!
Ich kenne zwar die aktuelle Ausgabe (noch) nicht, aber von dem was ich bisher gesehen habe, steckt hier Heart & Soul drin!!!
Persönlich bin ich jedoch kein all zu großer Freund vom Aufarbeiten alter Interviews in einem zu großen Umfang. Ich zieh‘ es da lieber vor meinen eigenen Kram zu machen!!!

Wie eingehend erwähnt, war unser erster Kontakt zum Debüt-Album Deiner Band IMMORTAL RITES. Das war 2004 und seither ist sicherlich eine Menge passiert. Euer Label Morbid Records ist in die ewigen Jagdgründe eingegangen, ihr habt ein zweites Album mit Namen „For Tyrant’s Sake“ (2007) über MEDUSA RECORDS veröffentlicht und spielt im Januar mit REQUIEM in Stuttgart. Ansonsten schweigt sich eure MySpace-Seite ordentlich aus und eure „offizielle Homepage“ ist auch nicht gerade gesprächig. Kläre mich mal über den aktuellen Stand von IMMORTAL RITES auf!

R.H.: Aktueller Stand der Dinge ist folgender, dass der kommende Gig am 21. Januar 2012 in Stuttgart mit REQUIEM & CASKET der letzte im noch aktuellen Line-Up sein wird. Es gab‘ in den letzten 1 ½ Jahren viele Veränderungen in beruflicher und familiärer Hinsicht, so dass eben keine große Entwicklung mehr zu Stande kam/kommt. Ich hab‘ lange darüber nachgedacht & es war gewiss keine einfache Entscheidung, aber ich werde IMMORTAL RITES auch verlassen, um einen klaren Kopf für ein eventuell neues Projekt zu bekommen.
Wir kommen auf einer freundschaftlichen Basis alle sehr gut miteinander klar, aber um eine richtige aktive Band zu betreiben fehlt es in der jetzigen Konstellation eben an Zeit, Motivation und vielleicht auch Ehrgeiz, was aber OK ist da wir alle mit Ü30 auch unterschiedliche Prioritäten haben – der natürliche Lauf der Dinge!!!

Hat sich Dein Musik-Geschmack eigentlich über die Jahre geändert? Mal Hand auf’s Herz, in Deinem aktuellen Heft verteufelst Du in schönster Hardliner-Attitüde jedwede modernen Elemente. Und Deine aktuelle Ausgabe ist auch ziemlich „reinrassig“. Doch gerade bei IMMORTAL RITES gab es hin und wieder auch modernere Einflüsse zu hören. Außerdem traf man in älteren Ausgaben auch schon mal auf Götheburg-Truppen oder die ein oder andere Black Metal Band…

R.H.: Ich hab‘ versucht Heft & Band nie in einem Topf zu werfen – z.T. verflossen jedoch die Grenzen, da eben ich die Promo/Kontakte für Beides gemacht habe.

Du spielst doch auch in einer Band und kennst bestimmt diese Situation: Am Anfang triffst man sich, weil eben jeder Bock hat, z.B. Death Metal zu machen (damals waren wir alle unter 18), aber nach und nach gibt es viele unterschiedliche Zielvorstellungen.
In einer Band mit „Demokratie“ versuchst Du dann einen Nenner zu finden, damit jeder halbwegs damit zufrieden ist. Das ist in der Regel viel Diskussion und am Ende ist nicht jeder zufrieden und das Ergebnis „verwässert“ sich auch ein wenig!!!
Im Prinzip bin ich sehr stolz auf alles was wir mit IR gemacht haben – alles ist eine Lernphase. Es gab‘ bis einschließlich dem „For Tyrant’s Sake“ Album immer den Konflikt aus „bewahren“ und „moderner werden“. Das hört man dem Album im guten wie im schlechten Sinne auch an.

Am Ende stieg 2007 unser damaliger Sänger/Gitarrist und Main Songwriter Philipp aus und gründete SPIRITS OF THE FUTURE SUN, welche eben die moderne Schiene verkörpern.

In Bezug auf das „Schreiben“ war die Banderfahrung jedoch sehr wichtig für mich, da ich z.B. weiß, wie viel Energie fließt, wenn man sich im Studio den Kopf über Songs zerbricht, Texte macht und was alles dazu gehört. Fakt ist auch, dass Du vor allem als deutsche Band hierzulande viel Dreck fressen musst – Konzerte ohne Spritgeld, mit gesamter Backline durch halb Deutschland fahren und am Ende diktiert Dir der Manager der Headlinerband noch den Preis für Dein Merchandise oder ein Label, welchem Du hinterher rennen musst, um wenigstens die Hälfte der versprochenen Kohle zu bekommen. Das ist alles ein großes Lernfeld, in welchem man die positiven Erfahrungen auskosten muss!!!

Für mich ist es immer wieder interessant zu hören, wie Leute neue Musik entdecken. Nutzt Du MySpace, Last.fm, Simfy/Spotify und andere Webservices? Oder verlässt Du Dich auf Empfehlungen von Freunden? Oder kaufst Du einfach sämtliche Demos von Doomentia, Detest Records, FDA Rekotz, Iron Bonehead und anderen Distros/Mailordern um an neues Futter zu kommen?

R.H.: Der Segen am Internet ist, dass es sehr einfach ist, neue Bands zu checken! Myspace, diverse Facebook Gruppen oder eben Youtube sind eine coole Quelle. Ich denk‘ die von Dir erwähnten einschlägigen Labels sind eben auch Garanten, wenn Du Dich für diese Old School Kiste interessierst!!!

In Zeiten von oben genannten Möglichkeiten des Internets, wie wichtig sind da noch CD-Kritiken – für Dich und im Allgemeinen? Ist diese Vorstellung von Tonträgern und Musik vielleicht heute zu antiquiert?

R.H.: Für Bands jeglicher Art ist Presse in jeglicher Form wichtig und ich denk‘ jede Band, die Ihren Release promotet ist froh, wenn sich damit auch jemand ernsthaft auseinander setzt!!!
Das Problem ist eben vielmehr auch, dass die Masse an Releases alles überschwemmt, eben aus diesem Grund mach‘ ich mit MYSTICAL MUSIC explizit diesen alten Stil von Death Metal, d.h. wirklich straight konzentriert auf eine Zielgruppe in Sachen Beiträge jeglicher Art!!!

Bei Deinem Wissen rund um den Death Metal musst Du daheim eine immense Sammlung an Tonträgern haben! Wie groß ist Deine Kollektion in etwa? Verliert man da nicht irgendwann mal den Überblick? Hast Du nicht auch dutzende Sachen, die Du nicht mehr als ein Mal gehört hast?

R.H.: Sammlung & Wissen ist alles relativ! Da gibt es sicherlich größere Spinner wie mich, Ha! Ich muß auch sagen, dass ich auch nur noch Releases etc. in die Sammlung hole, welche ich auch 100% brauche, d.h. das „Horten“ kann ich mir schon allein aus Platzgründen nicht mehr erlauben!!! In Bezug auf Metalshirts bin ich ein ziemlicher Maniac, aber in all den Jahren darf sich ja auch was anstauen!!!

Ralf, wir nähern uns dem Ende des Interviews! Zeit, dass Du Dich mal dem Comment-Game stellen musst, haha!

* Sunlight oder Unisound

In beiden Studios wurde einige „zeitlose” Death Metal Klassiker eingezimmert, wobei in bezug auf Tomas Skogsberg mir mehr die Sachen bis ca. 1992/93 reinlaufen oder jedes Mal, wenn ich das „But Life goes on“ Demo (1989) von ENTOMBED höre, habe ich das Gefühl, dass mir die Gitarren sämtliche Gliedmaßen absägen – abartig!!! Dan Swanö hingegen ist jemand, der es geschafft hat, auch noch heute mit Qualität auf dem Markt zu überzeugen (höre ENTRAILS „The Tomb Awaits“). Man darf auch nicht vergessen, dass sich die Aufnahmetechnik stark entwickelt hat!!! Fazit: Beide Studios = Mahnmale für 1 A Schwedischen DEATH METAL :)

* Mark Riddick oder Matt Putrid

Beide Künstler sind ein dicker Gegenpol zu dieser ganzen „Photoshop“ Bewegung und ich glaube, dass Beide dieser ganzen Bewegung von Death Metal wieder zum „richtigen“ Spirit verholfen haben!!! Nach meiner Erfahrung machen Beide Ihre Artworks mit Herzblut & Feeling, so dass ich hier keinen über den anderen Stellen möchte!!!

* VOMITORYs „Redemption“

Kam damals im Original bei FADELESS Records (R.I.P.) aus Holland raus – hat mich ca. 1998 aus den Schuhen geballert und trifft für mich in Sachen Feeling, Songs, Gesang, Cover etc. immer noch den Nagel auf den Kopf!!! VOMITORY ist eine Garantenband, aber ich muß sagen, dass mir die neueren Releases (obwohl diese GUT sind!), nicht dieses Feeling mehr geben!!!

* Party.San Open Air

Für mich die Nr.1 unter den „großen” METAL Open Airs in Deutschland – denk‘ da steht auch noch die Musik im Vordergrund und die Anzahl der „Mallorca-Metaller” hält sich in Grenzen!!! Dank PARTY SAN konnte ich Bands wie AUTOPSY, AT THE GATES, UNANIMATED, KAAMOS etc. sehen – Horns up!!!

* „As Long As DISMEMBER Lives, Death Metal Will Reign.“

Nun ja, laut Emmerich und dem Maya Kalender geht 2012 eh die Welt unter – wahrscheinlich wollten DISMEMBER einfach die Zeit für ein intensives Ableben nutzen, Ha!
Ich fand den Abgang etwas „lieblos“ – diese Band hat so viele Fans und eine richtige Erklärung oder eine vernünftige Abschiedsshow hätte da schon drin sein sollen!!!
Aber für einen echten Death Metal Fan sind DISMEMBER ohnehin unsterblich :)

* Reunions von Bands wie At The Gates, Atheist, Asphyx oder Carcass

ASPHYX sind sicher die Gewinner – auch eine Band, die „Liebe zur Musik und zu Death Metal” verkörpert!!!
Ich konnte in den 90ern auch nicht alles mitnehmen, so gesehen haben die Reunion auch was gutes, wobei man von alten Helden eben auch ein bestimmtes Bild im Kopf hat, welches mit einer schwachen Vorstellung schnell zu Nichte gemacht wird.

* NSBM und Politik im Metal im Allgemeinen

Versuche ich Beides aus MYSTICAL MUSIC Fanzine heraus zu halten!!!

* Rock Hard, Matal Hammer und Legacy

Denk‘ jeder, der sich im deutschsprachigen Raum ernsthaft mit Metal auseinander setzt kommt (oder kam) irgendwann mit diesen Publikationen in Berührung, so gesehen haben alle 3 Hefte Ihre absolute Berechtigung!!!

* Deutsche Post Porto-Kosten

Nach 16 Jahren MYSTICAL MUSIC sollte mir die Post ein Denkmal setzen :)

* Das Comment-Game im MYSTICAL MUSIC

Ich glaub‘ ohne „Comment – Game” wäre das Heft ganz schön langweilig, Ha! Ha! Ha!

Ralf, es ist vorbei! Vielen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten. Auch noch mal vielen Dank für Deine Ausführungen damals im IMMORTAL RITES Interview. Da hattest Du aus meinen langweiligen Standardfragen doch noch ein interessantes und informatives Interview gezaubert! Ich würde mich freuen, wenn ich nächstes Jahr im September die Ausgabe 17 in meinem Briefkasten finden würde. Also mach bloß weiter mit dem MYSTICAL MUSIC! Die letzten Worte gehören Dir!

Crazy Fuck!?! Das war wirklich ein Mammut-Interview!!! Nur wirkliche „Die Hards“ lesen das bis zum Ende, Ha! Ha! Danke Chris für Deine Mühen und Support – hat Spaß gemach!!! Schauen wir was 2012 mit sich bringt – ein paar Ideen habe ich in der Hinterhand. Für mehr Infos checkt diese Seiten: http://www.mystical-music.de oder http://de-de.facebook.com/pages/Mystical-Music-Fanzine/283701353486
Ausgabe #16 ist bis jetzt noch erhältlich für 8 Euro (inkl. P & P); bei Interesse schickt eine E-Mail an: hauber@mystical-music.de!!!
Ende Januar wird auf DARK DESCENT Records in den USA ein MYSTICAL MUSIC T-Shirt erscheinen – Einseitig mit dem Motiv von Chris Moyen, welches wir auf Ausgabe #11 hatten. Old School as fuck :)
In diesem Sinne: DEATH by METAL!!!



Interview: Chris (Necroslaughter) / Ralf Hauber (Mystical Music) · 07.10.2011 / 27.12.2011
© Bilder: Ralf Hauber

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