Spasm – Taboo Tales

 , , ,

SPASM sind wieder zurück mit ihren sexuellen Gelüsten. Doch zunächst überrascht das tschechische Trio mit der visuellen Seite ihrer „Taboo Tales„. Eigentlich ist man aus dem Genre recht explizite, infantile oder billige Cover gewohnt. „Taboo Tales“ überzeugt mit einer gewissen simplen, aber stimmungsvollen Ästhetik. Ein eher unscheinbares Bild präsentiert sich auf der Vorderseite des Jewelcases. Dessen gedeckte Brauntöne und Optik durchziehen das komplette Artwork und heben SPASMs Album von anderen Releases ab. Selbst das Bandbild wirkt fast seriös und ernstzunehmen – würden die Unterschriften nicht weiterhin „Drums And Dildos“ oder „Grunts And Orgasms“ lauten, haha! Lediglich beim großen Bild im Centerfold bin ich mir unschlüssig. Gerade durch die gedeckten Sepiatöne erscheint die Kulisse sehr dreckig und bedrohlich. Ist dies die Verherrlichung von Gewalt gegenüber Frauen?

Nun, ein langer und erklärender Text im Booklet gibt dem Hörer von „Taboo Tales“ einen Denkanstoß für eigene Interpretationen der Darstellung. Denn SPASM widmen sich voll und ganz der humorvollen Betrachtung menschlicher Sexualität. „There Is Nothing Like Taboo, The Only Thing Is Pleasure“. Also eigentlich nichts neues bei den Goregrindern ohne Gitarre. Lediglich anspruchsvoller Verpackt als noch auf „Paraphilic Elegies„.

Auch musikalisch schlagen SPASM weiterhin den bekannten Weg ein. In 26 Minuten gibt es 18 Liedern zwischen dickem Midtempo und mürbenden Blastbeats. Wenn ich mich nicht täusche, dieses Mal nur noch Groove-betonter, als auf dem Vorgänger. Wesentlich häufiger erinnern mich die simplen, aber drückenden Riffs und das walzende Drumming an Cock And Ball Torture.
Doch wieder haben SPASM ein geschicktes Händchen im Songwriting. Kurz bevor man eine gewisse Gleichförmigkeit vermutet, bringt die Band genügend Abwechslung in die Lieder, um auf die gesamte – wenn auch kurze – Spieldauer unterhaltsam zu bleiben. Insgesamt klingt das neue Material einen Ticken runder als „Paraphilic Elegies„. Natürlich ändert das nicht viel an der Farbpalette, die SPASM zur Verfügung steht. Das relativ einfarbig gehaltene Artwork lässt an dieser Stelle Rückschlüsse auf die Nuancen zu, die auch musikalisch bereitstehen.

Doch kann man es mit „Taboo Tales“ halten, wie mit dem Sex. Es muss nicht immer anspruchsvoll sein, oft macht gerade das archaische, dreckige den meisten Spaß. Solange mein Gegenüber dabei nicht so klingt wie der Nasenbär Radim, ist auch alles in Ordnung.

[rating:4.5]

Infos:
Rotten Roll Rex – 2011
CD – 18 Lieder / 26:00 Min.

http://www.myspace.com/spasmgrind
http://rottenroll.de