Reborn From Ashes #5 – Fanzine

 

Tony Juarez ist ein alter Hase in der Szene. Angefangen hat er bereits Anfang der 1990er mit seinem eigenen Magazin EPITAPH oder dem SUCCUBUS Zine. Mittlerweile sind zwanzig Jahre ins Land und Tony von Mexiko in die USA gezogen. Sein Enthusiasmus und seine Freude am Death Metal sind nach wie vor ungebrochen. Mittlerweile ist unter dem Namen REBORN FROM ASHES die fünfte Ausgabe seine englisch-sprachigen Fanzines erschienen und zeigt sich in schöner Retro-Optik.

Das Heft umfasst 46 Seiten, die etwas kleiner, dafür aber breiter als DinA4 sind. Drei Tackerkrampen halten die schwarz-weiß kopierten Seiten zusammen. Das Cover wird von einem Artwork von Matt Putrid verziert, der für diese Ausgabe auch eine Hand voll Reviews geschrieben hat. Neben dem angesagten Underground-Künstler haben Dave Wolff, ein gewisser Scott und ein gewisser Demogorgon weitere Kritiken beigesteuert. So finden sich auf acht Seiten um die 55 Reviews für diverse Tonträger. Neben den üblichen Namen aus den USA und Skandinavien gibt es eine hohe Anzahl an Bands aus Australien, Mexiko oder Spanien. Für ein Magazin, das sich hauptsächlich mit oldschool Death Metal beschäftigt, ein angenehmer Blick über den allgemeinen Horizont und jenseits der gängigen Trends.
Die Qualität der Besprechungen variiert mit dem jeweiligen Schreiber. Dennoch wird jeder Tonträger mit dem nötigen Tiefgang behandelt.

Besonderes Augenmerk hat Tony bei den Kritiken auf Fanzines gelegt. Wo seine Mitschreiber auch zwischen ihren regulären Reviews über Untergrundmagazine schreiben, widmet der Mastermind seinen Ausführungen ganze vier Seiten, die er mit 19 Besprechungen füllt. Dabei nutzt er seinen Migrationshintergrund und widmet sich vornehmlich Fanzines aus dem südamerikanischen Raum, Columbien, Mexiko, Costa Rica, Chile oder Peru. Natürlich werden auch ein paar englisch-sprachige Magazine unter die Lupe genommen, was für ein internationales Publikum sicher interessanter ist. Größtenteils kritisiert Tony bei seinen Kollegen, dass die Interviews nicht lang und intensiv genug wären.

Diesen Vorwurf muss sich der Autor bei seinem REBORN FROM ASHES #5 nicht machen. Die Gespräche sind alle sehr tiefgehend und umfassen – mitunter dank der langen Zeit, die Tony selber in der Szene ist – die Frühphasen der Bands bis hin zu aktuellen Ereignissen. Dabei sind die Fragen sehr gut formuliert und die Gesprächsverläufe schlüssig aufgebaut. Trotz einer Länge von drei bis vier Seiten je Interview sind die Storys kurzweilig, informativ und unterhaltsam. Dieses Herzstück des Magazins umfasst aktuelle Gespräche mit DERKETA, SHUB NIGGURATH, DEATHEVOKATION, BURIAL INVOCATION, AFFLICTION GATE, ZOMBIEFICATION und den mighty AUTOPSY.
Doch Tonys Gespräche waren nicht immer so ausgearbeitet und intensiv. In seinen Anfangstagen gab es auch schon mal kürzere und sehr standardisierte Fragen an die Bands. Davon kann man sich selber ein Bild machen, denn aus der Mottenkiste gibt es olle Kamellen von CENOTAPH (ursprünglich 1991 in spanisch erschienen) und RIPPING FLESH (1991 für das SUCCUBUS Fanzine geschrieben). Auch wenn diese Beiträge nicht sonderlich essenziell sind, ist der Kontrast zur aktuellen Qualität vom REBORN FROM ASHES sehr interessant.

Eingebettet wird der Inhalt des Zines in eine hand voll angenehm archaischer Frames, die hin und wieder variieren, sich aber ebenso häufig wiederholen. Zeichnungen, Artworks, Logos und alte Flyer bringen weitere optische Abwechslung in die Interviews. Im Endeffekt genau so, wie man es von einem retrospektiv gearteten Fanzine erwartet, kennt und liebt. Man erkennt auf jeden Fall die Hingabe und Leidenschaft, die in der Erstellung vom REBORN FROM ASHES steckt.
Leider haben sich in der Layout-technischen Flickschusterei auch ein paar Holprigkeiten eingeschlichen. So muss man für zwei Interviews quer durch das gesamte Heft blättern, damit man den Schluss lesen kann und zwei Review entpuppen sich ebenso als Puzzlespiele. Auf diesen Umstand wird man aber bereits auf der ersten Seite hingewiesen und es stört den Lesefluss nicht wirklich. Durch angenehme Schriftgröße und -art lasst sich das Magazin im allgemeinen sehr flüssig lesen.

Unter den Reviews finden sich viele unbekannte Kapellen. Doch irgendwie konnte mich auf Anhieb keines der Reviews so begeistern, dass ich mich näher mit einer Band beschäftigt habe. Gleichsam sind für mich spanische Fanzines uninteressant, was wohl mehr an der sprachlichen Barriere liegt. Hingegen die Interviews waren richtig appetitanregend! So viel Spaß die Fragen beim Lesen gemacht haben, haben alle Storys auch Interesse an der jeweiligen Band geweckt. Die Gespräche sind definitiv die starke Seite vom REBORN FROM ASHES und rechtfertigen den Kauf des Magazins.

Infos:
Sprache: Englisch
Aufmachung: kleiner und breiter als DinA4, 46 Seiten, xeroxed
Inhalt: 9 Interviews, 55-Reviews + 19 dedizierte Fanzine-Reviews
Preis: 6,50 Euro @ Detest Records
Kontakt: intheshadows96@aol.com

http://www.rebornfromasheszine.webs.com/
http://www.myspace.com/riseofthefenix90
http://www.facebook.com/pages/Reborn-from-Ashes-Old-School-zine/243348085676763?sk=info